Reisebericht Venezuela

von Don Martino am 25.06.2019

Dschungel, Anaconda, Tafelberge....

„Wo fährst Du denn dieses Jahr schon wieder hin…?“ Im Vorfeld einer Reise wird man von „Daheimgebliebenen“ doch meist mit skeptischen Fragen und Bemerkungen konfrontiert… die Pallette reicht von Ungeziefer, Moskitos, wilden Tieren, unsicherer Politischer Lage, Drogenbossen, Militär, Überfall, …. Nachdem mich vergangenes Jahr der Südamerikavirus nach einer Peru/Bolivien-Reise infiziert hat und auch jedgliches intesives medizinisches Bemühen gegen chronisches Reisefieber erfolglos blieb, war ich dringend auf der Suche nach einer spannenden Reise auf diesem Kontinent. Bei „meinem“ Südamerikareiseveranstalter bin ich dann fündig geworden: „Erlebnisreise Venezuela“. Interessantes Reiseprogramm mit einer kleinen Gruppe… Da muss ich hin!


Gerade noch rechtzeitig kann ich Anfang März des letzten Jahres dem strengen Winter entfliehen… Bei starkem Schneetreiben wandere ich mit ziemlich „sommerlicher“ Reisebekleidung über den Münchner Ostbahnhof und erhasche doch recht ungläubige Blicke. S-Bahn Richtung Airport… nach der langezogenen Kurve bei Halbergmoos kommts dann langsam hoch, dieses Kribbeln im Bauch, die Luft vom Flughafen, einfach eine ganz besondere Atmosphäre! Jetzt geht’s los! Einen Tag später wär ich wg. massivem Schneefall nicht mehr pünktlich weggekommen. Beim einchecken in Madrid bekomm ich eine Boardkarte mit einem Platz in Reihe 2. Zu dem Zeitpunkt hab ich noch nicht gewusst, was "UPG" auf dem kleinen Stück Papier bedeutet… Die Reise beginnt genial; ich kann es gar nicht glauben! Ich flieg heute Businessclass… Wirklich genialer Service, tolles Essen und viel Platz. Jetzt kann eigentlich nix mehr schiefgehen! Nachdem ich meine letzten Englisch- und bis dato spärlichen Spanischkenntnisse rauskrame, komm ich mit einem venezolanischen Geschäftsmann doch noch ins Gespräch… das einzige was mir noch im Gedächnits geblieben ist; sein Kommentar zu unserer ersten Unterkunft im Stadtzentrum von Caracas… „Oh, it’s a verry dangerous place!“… Ja wunderbar, da wären wir wieder beim Thema...! Knapp 10 Stunden später empfängt mich der südamerikanische Kontinet mit doch angenehmen 35 Grad.

Auf der Fahrt in die Venezolanische Hauptstadt Caracas kann man das satte Grün der Pflanzen richtig „inhallieren“… nach fast vier Monaten geschlossener Schneedecke und ziemlich dramatischen Ereignissen in der Heimat ein Balsam für die Seele! Caracas ist eine dieser südamerikanischen Großstädte, in der es nur so wuselt und wurrlt… Kolonialistisch geprägte Gebäude in der Innenstadt, Ruinen und sontige Bausünden prägen das Stadtzentrum. Im Ganzen begeistern mich diese Orte weniger. Naja, es gilt das Einstiegsprogramm zu absolvieren.. kleiner Stadtrundgang und eine Fahrt mit der Seilbahn auf den Avila, den Hausberg der Hauptstadt. Eine ziemlich neue Gondelbahn der Fa. Doppelmayr vermittelt gleich heimatliche Gefühle und einen Hauch von Sicherheit. Ziemlich verrückt, man kann auf dem Berg in einer Halle Eislaufen... Am Abend geht’s mit dem Nachtbus nach Merida.

Mit dem Bus nach Merida

Die fast zwölfstündige Busfahrt ist überraschend luxuirös. Am frühen Vormittag erreichen wir Merida. Hier kann ich den ersten unmittebaren Kontakt mit der traumhaften Natur geniesen… bezaubernde Nebelwälder sind das Einstiegsprogramm. Die Fahrt mit der längsten Seilbahn bleibt uns jedoch verwährt… Wartungsarbeiten. Zum einen sehr schade, zum anderen beruhigend, dass man sich für so etwas hier auch Zeit nimmt... ;-) Eines der vermeintlichen Attraktionen dieses Ortes ist die "Guinnes Eisdiele"... Rekordverdächtig aufgrund der vielen verschiedenen Eissorten (von ajo über arroz bishin zu hamburgesa...) aber nicht aufgrund der geschmacklichen Qualität... Vielleicht eine Bewährungsprobe für den Magen aber kein Genuß für den Gaumen.... Da hilft nur eins: Kräftig spülen!

Das erste Highlight steht an. Unser Bus bringt uns in Richtung des Maracaibosee. Nach dem Besuch einer Kaffeeplantage und einer „Zuckerfabrik“ kommen wir in einen kleinen Dorf nahe des Maracaibo-Sees an. Über einen Seitenarm des Rio Catatumbo fahren wir mit Motorbooten durch eine faszinierende Naturlandschaft. Gesäumt von Mangrovenwäldern schippern wird in Richtung des Flußdeltas. Leguane, Brüllaffen, Tucane, Flußdeflfine usw. begleiten uns auf dieser Fahrt. Ich komme mir vor wie im Botanischen Garten… alles ist viel größer und einfach echt. Nach einer fast zweistündigen Fahrt über den offenen See erreichen wir eine Lagune in der wir in einem „Palafito“ (Pfahlbau) unsere Hängematten aufhängen und fürs Nachtquartier vorbereiten. Heute ist der erste Kontakt mit den Moskitos garantiert. Nachdem manche nach wenigen Minuten schon fast wie „Streußelkuchen“ daherkommen bin ich fast völlig verschont… ich schließe darauf… venezolanische Mücken mögen kein bayerisches Blut.. ;-). Die Umbegung ist faszinierend; man muss die Eindrücke einfach in sich aufsaugen…die Augen glänzen und den Mund bringt man vor lauter Staunen gar nicht mehr zu. Ein atemberaubendes Wetterleuchten (ist hier typisch) über dem See bringt ein einzigartiges Schauspiel. Die erste Nacht in den doch für einen „spießigen“ Europäer ungewöhnlichem Nachtlagern ist herrlich. Am nächsten Tag erkunden wir mit dem Schiff die Gegend und besuchen ein Dorf mitten im Wasser. Unser Guide (ein absoluter Robinson-Cruoso-Verschnitt) begibt sich am Nachmittag mit uns auf Schmetterlingjand. Leider ist das Wetter nicht optimal… nur kleinere Kaliber gehen ins Netz… trotzdem ein unvergessliches Abenteuer!

Duch die Anden

Die Reise führt weiter über die Anden (N.P. Sierra Nevada) hinunter in die Llanos. Diese Tiefebene durchzieht fast das ganze Land und ist bekannt für seine Tierwelt. Abertausende Vögel und Capybaras (Wasserschweine) leben in dieser Landschaft. In der Abenddämmerung wird der Bootsausflug auf einem Seitenarm des Rio Apure zu einem weitern Highlight. Rosa Flußdelfine, unzählige Vögel kommen einem vor die Linse. Der Ergeiz unseres Guides, uns mit einem Caiman und einer Anaconda zu beeindrucken verlangt viel Geduld… führt letztendlich aber zum Erfolg. Die „kleine“ Schlange ist nur ein bisschen über zwei Meter lang… Auch ein kleiner Pyrannia verirrt sich in unser Boot… Der Sonnenuntergang in dieser Gegend und das rote Leuchten der Augen der Caimane aus dem Schilf verpassen eine gespenstische Stimmung. Es ist hier alles echt! Der absolute Wahnsinn!

Weiter in Richtung Süden müssen wir mit der Fähre einige Flüsse überqueren. Unter anderem auch den Orinoco. Von Puerto Ayacucho geht die Fahrt Richtung Las Trincheras. Dieser idyllische Ort liegt am Ende der Sandpiste am Rio Caura. Von da aus kommt man nur noch mit dem Boot weiter. Eine wunderschöne Lodge ist hier unser Zuhause für eine Nacht. Am nächsten Morgen startet ein weiterer Ausflug in den Dschungel. Die Insel Yokore ist unser Nachtquartier. Übernachtung in Hängematten unter freiem Himmel… Papageien die man sonst nur von Bildern kennt…. Eine Wanderung durch den Dschungel, vorbei an unzähligen Bananenstauden, über Stock und Stein, schließt den Tag ab… Ein absoluter Traum in einer fast meschenleeren Gegend… Kein Strom, kein Straßenlärm… nur das leise Schnarchen von ein paar Urlaubern und die Geräusche des Dschungels bestimmen die Nacht…

Venezuela und die Gelassenheit

Die Weiterfahrt nach Ciudad Bolivar wird zu einer Geduldsprobe. Im Nachhinein bestehen wir sie alle mit großer Gelassenheit. Südamerika hat zum Glück schon ziemlich auf unser Gemüt abgefärbt. Mitten in den Weiten des Landes, in einer fast menschenlehren Gegend bricht bei unserem Auto die Achse… Bei uns Zuhause kein Problem. Der Griff zum Handy und spät. nach einer Stunde kommen die gelben Engel und haben eine Lösung parat. Es wäre ja auch nicht unüblich, dass mal jemand stehen bleibt und seine Hilfe anbietet… Naja, andere Länder andere Sitten.. Das warten will kein Ende nehmen, Handy funktioniert hier nicht; Häuser gibt’s nicht und nichteinmal die Ambulanzia bleibt stehen und bietet Hilfe an… Nach erfolglosen Reperaturversuchen kommen wir dann doch im Schlepptau mit einem Einheimischen weiter. Unsere Reise müssen wir mit einem öffentlichen Bus fortsetzen… aber Fahrplan gibt’s hier nicht… wir karpern einen völlig überbesetzten Bus und machen uns in der Nacht mit fast 10 Stunden Verspätung auf in Richtung unseres Ziels… Eine Erfahrung die von der Gelassenheit und Hilfsbereitschaft der Südamerikaner zeugt: Der Busfahrer bietet uns an der Endhaltestelle an, uns auf „unbürokratischem“ Weg direkt mit dem Linienbus noch in unser Hostal zu fahren. Wir sparen uns somit einen längeren Fußmarsch.. Sowas wäre bei uns ja undenkbar… Der Tag nimmt ein versöhnliches Ende!

Am nächsten Morgen bringen uns Cessnas in den Canaima Nationalpark. Von der Lagune aus geht’s mit dem Einbaum ca. 6 Stunden den Fluß aufwärts mitten durch eine fast schon mystisch anmutende Landschaft zwischen Tafelbergen zum Salto Angel, dem höchsten Wasserfall der Erde. Er stürzt sich von einem Tepui fast 1000 Meter in die Tiefe. Direkt am Fuße dieser spektakulären Naturkullisse beziehen wir auf der anderen Seite des Flusses unser Nachtquartier. Standesgemäß in Hängematten... Im Gegensatz zu den bisherigen Orten auf der Reise merkt man hier erstmals einen größeren touristischen Andrang. Ich denk, dieser Ort ist neben den südamerikanischen Klassikern wie Machu Pichu, Iguazu und Rio eines der Highlights des Kontinents. Aber trotzdem spielt sich das ganze noch in einem erträglichen Maße ab. Die Bootsfahrt auf dem Flus ist ziemlich abenteuerlich, da aufgrund der derzeitigen Trockenzeit der Fluß immer weniger Wasser mit sich führt. Eine Woche später wären wir wahrscheinlich gar nicht mehr an unser Ziel gelangt… Bei der Rückfahrt setzen wir sogar zweimal auf einem Stein auf… da ist dann Schieben angesagt… Das Badevergnügen hält sich in diesen unbekannten Gewässern doch in Grenzen… Ich denk auf den Klugreiserbeitrag zum Thema „Penisfisch“ muss ich hier nicht näher eingehen… ;-). Am Ende des Flusslaufes entleert sich das Gewässer in die Canaima Lagune. Der Sonnenuntergang an der Lagune ist fast schon kitschig.. aber irgendwie auch nicht… einfach echt!

Nach zwei Nächten im Nationalpark führt der Flug zurück nach Ciuduad Bolivar. Dieser Flug wird zu einer Bewährungsprobe für die Nerven. Nach ca. 20 Minuten Flug gerät der Motor unserer Maschine plötzlich ins Stottern und setzt sogar fast aus… Es geht alles so raßend schnell, Gedanken schießen einem durch den Kopf.. und das Herz rutscht einem fast in diese Hose. Von Landemöglichkeiten braucht man über dem Dschungel nicht sprechen…. Der Pilot macht aber trotzdem einen gelassenen Eindruck. Dreht an irgendwelchen Schaltern rum und irgendwann läuft die Sache dann wieder rund… außer mein Puls… der ist ziemlich schnell. Plötzlich setzen wir mitten in der Pampa auf einem aufgelassenen Flughafen zu einer Zwischenlandung an… wir sind völlig verwirrt. Mit Händen und Füßen erklärt, erfahren wir, dass unser Pilot ein Gemisch aus Wasser und Kerosin getankt hat… offensichtlich falsch dosiert reicht dieses fragwürde „Schorle“ jetzt nicht mehr aus, um uns nach Ciudad Bolivar zu bringen.

Und wie kommen wir hier jetzt weg?

Eine wirklich äußerst vertrauenserweckende Situation! Die zweite Maschine mit weitern Mitreisenden meiner Gruppe geht hier ebenfalls runter und es erfolgt eine außerst unkonventionelle Problembehebung… In einem Werkzeugkasten wird Treibstoff der anderen Maschine abgelassen und bei unserer Maschine wird mit einem Trichter (gefaltet aus einem Blatt Papier) das ganze wieder eingefüllt… Ich hadere stark mit mir, ob ich überhaupt nochmal in dieses "Verkehrsmittel" einsteigen soll… aber, was will man machen… du kommst hier nicht mehr anders weg… Mit einem äußerst mulmigen Gefühl in der Magengegend sitzen wir nach ca. 1 Stunde wieder in diesem Gerät… als kurz vor der Landung auch noch das Funkgerät ausfällt bin ich überglücklich, dass ich doch noch unversehrt das Ziel erreicht habe. Es dauert ein paar Stunden bis sich wieder mein entspanntes Urlaubsfeeling einstellt… Der Inhaber unserer Hostals ist von der Geschichte gar nicht beeindruckt… es passiert hier scheinbar öfters… Welch zweifelhaftes Vergnügen…. Beim Piloten stoße ich auf großes Unverständnis, als ich zu ihm sage, dass ich das äußerst unprofessionel finde…Ich glaub, er fühlt sich persönlich sehr verletzt, auch wenn ich versuche sehr sachlich zu bleiben… Naja.. da wären wir mal wieder: „Andere Länder, andere Sitten“…

Von Ciudad Bolivar führt uns unsere Erlebnisreise (wirklich im wahrsten Wortsinn) nun in Richtung Küste. Der Zwischenstopp in Caripe ermöglicht uns einen Besuch der Guacharo-Höhle in der die sog. „Fettschwalmen“ leben. Irgendwie eine Mischung aus Fledermaus und Vogel. Alexander von Humboldt hat diese Höhle bei seiner Südamerikaexpedition entdeckt. Alfred Hitchcock nutze die fast schon gruseligen Geräusche dieser Tiere für Aufnahmen seines Filmerfolges „Die Vögel“. Einen weiteren Tag später erreichen wir Carupano an der Karibik. Nun steht karibisches Flair auf dem Programm. Menschenleere Palmenstrände, der Besuch auf einer Kakaoplantage und in einem idyllischen Karibikörtchen sind schon fast die letzten Programmpunkte auf unserer Rundreise.

Nach drei Wochen erreichen wir zum Abschluss wieder die Venezolanische Hauptstadt. Die Szenen einer Großstadt holen einen ziemlich schnell wieder in die Realität zurück… leider… weitere 24 Stunden später war er dann schon wieder da… der Schnee, dem ich drei Wochen vorher doch noch erfolgreich entflohen bin….Willkommen in einer anderen Welt!

Eines steht fest… Ich komme wieder! Südamerika, hasta la proxima!

Bestimmt findest du bei uns einen Abenteuerurlaub Reisepartner.

Don Martino

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