Reisebericht South Dakota

von MartinD am 24.06.2019

Auf den Spuren der Sioux-Indianer

Unsere Reise startet in Denver (Colorado). Nachdem wir die Einreiseformalitäten hinter uns gebracht haben, nimmt Dirk Rohrbach unsere kleine Gruppe von zehn Personen in Empfang. Er wird die nächsten zwei Wochen mit uns verbringen und die Reise leiten. Schnell teilen wir uns auf die beiden Fahrzeuge auf und lassen Denver in Richtung Norden hinter uns. Abends besprechen wir beim ersten gemeinsamen Abendessen den Ablauf der folgenden Tage und legen fest, wann wir am nächsten Morgen weiterfahren werden. Dirk hat bereits die Verpflegung und Ausrüstung für die folgenden Tage eingekauft - wir können uns also bereits jetzt auf das große Abenteuer konzentrieren und die Gedanken schweifen lassen. Werden meine Erwartungen erfüllt oder soll ich mich einfach treiben lassen und die Eindrücke der kommenden Tage aufsaugen? Ich habe mich kurzfristig - entgegen meiner sonstigen Einstellung - für Letzteres entschieden und sollte es nicht bereuen. Bisher ist alles hervorragend organisiert – etwas was sich übrigens durch die gesamte Reise ziehen wird. Man merkt, dass der kleine Spezialreiseveranstalter Travel Beyond diese Tour nicht zum ersten Mal gemeinsam mit dem Verein Tatanka Oyate e.V. organisiert. Angesichts der vielfältigen Programmpunkte ist das sehr hilfreich aber durchaus nicht selbstverständlich.


Unser Ziel ist die Pine Ridge Reservation in South Dakota, wo wir zu Gast bei Leonard Little Finger und seiner Familie sein werden. Auf dem Weg dorthin folgen wir in den ersten Tagen im Prinzip den historischen Routen der Abenteurer und Siedler, die auf dem Oregon-, Bozeman- und California-Trail den Kontinent durchquerten. Die unendlichen Strapazen und Entbehrungen der frühen Siedler werden uns bereits nach zwei Stunden Autofahrt deutlich, als wir einen Zwischenstopp am legendären Oregon-Trail einlegen. An dieser Stelle finden sich noch immer tiefe Fahrspuren, die von den Rädern der Planwagen in den Fels (!) gegraben wurden. Unzählige Namensgravierungen in einer Felswand deuten auf die ersten Siedler bereits in den Jahren zwischen 1797 und 1825 hin.

Auf in den goldenen Westen nach Fort Laramie

Auf unserem weiteren Weg liegt auch eine der wichtigsten Anlaufstationen für die Siedler auf dem Weg in den vermeintlich goldenen Westen. Fort Laramie spielteeine wichtige Rolle für die Erschließung der Gegend. Für lange Zeit war es der letzte Stützpunkt des Militärs vor der Wildnis und damit auch ein bedeutender Handelsposten für die Indianer. Die Bedeutung des großzügig angelegten Komplexes erleben wir auch heute noch recht plastisch durch die Vielzahl der erhaltenen historischen Gebäude. An diesem geschichtsträchtigen Ort, wurden im Laufe der Zeit viele Verträge mit den Indianern über Landrechte und Verpflegungsmittel geschlossen. Sie wurden später ausnahmslos durch den weißen Mann gebrochen. Besonders die Verträge aus dem Jahr 1868 finden sich noch immer in den Geschichtsbüchern. In ihnen garantierte die US-Regierung den Lakota Sioux für ewige Zeiten die Black Hills – die für sie heiligen Berge. Tausende von Indianern waren zu diesem Anlass gekommen, um Land für Frieden einzutauschen. Die Häuptlinge Red Cloud, Sitting Bull, Crazy Horse und Big Foot galten damals als die wichtigsten Verhandlungspartner der Weißen. Nachdem aber wenige Jahre später in den Black Hills durch General Custer Gold gefunden wurde, interessierten die „ewigen“ Verträge niemanden mehr. Der Kampf um Jagdgründe flammte erneut auf. Am Little Big Horn kam es dann für die 7. Kavallerie zum Desaster. Die Truppe unter General Custer wurde dort durch den Kriegerhäuptling Crazy Horse, der trotz seines jugendlichen Altes als genialer Stratege und verwegener Kämpfer galt, vernichtend geschlagen.

Der "Wilde Westen" lässt grüßen

Wir fahren weiter, durch weites, ödes Prärieland tiefer in den ehemals „Wilden Westen“ hinein. Unsere nächste Station ist Fort Robinson. Während wir in einem der renovierten Fortgebäude unser Nachtlager beziehen, wird der Sonnenuntergang zu einem blutroten Wolkenspiel – es scheint, als ob der Himmel brennt. Inmitten der wilden Schönheit der Prärie wirkt das Bild fast wie ein Hinweis auf die tödlichen Ereignisse an diesem Ort. Denn Crazy Horse sollte nach seinem Triumph über Custer hier in Fort Robinson den Tod finden. Nach langen Kämpfen in den Weiten der Prärie war er mit mehreren hundert Angehörigen freiwillig zu weiteren Verhandlungen gekommen. Doch trotz des zugesicherten freien Geleites wurde er hier festgenommen und angeblich von einem übereifrigen Indianersoldaten während eines darauf folgenden Handgemenges im Alter von nur 36 Jahren erstochen.

Die Sonne scheint am nächsten Morgen durch mein Dachfenster und treibt mich aus dem Bett. Ich will die Ruhe der wilden Landschaft auf mich wirken lassen. Die Schatten sind noch lang und die Stille beeindruckend. Zu diesem Zeitpunkt weiß ich noch nicht, dass uns diese Stille während der ganzen Reise begleiten wird. Gemeinsam frühstücken wir auf der Veranda und warten dann gespannt auf das Erscheinen von Leonard Little Finger. Als Nachfahre und Ur-Ur-Enkel von Si Tanka (Big Foot) des letzten Häuptlings, der beim Massaker am „Wounded Knee“ im Jahre 1890 getötet wurde, wirkt er mit seinen traditionellen Ansichten und dem Handy am Ohr als Grenzgänger zwischen den Welten. Der 71-jährige verfolgt seit Jahren eine Vision. Er will den Kindern und Jugendlichen seines Stammes die Sprache der Lakota wieder nahe bringen und ist der Initiator eines Schulprojektes im Lakota Reservat der Oglala-Sioux. Damit will er verhindern, dass mit dem Verlust der historischen Sprache auch der Identitätsverlust der American Natives einhergeht bzw. noch weiter voranschreitet, als es bisher schon geschehen ist. Leonard begrüßt uns traditionell auf Lakota. „Mitakuye Oyasin“ bedeutet übersetzt „Wir sind alle verwandt“. Die Grußformel zeigt schon die Lebenseinstellung der traditionellen Indianer auf, mit der sie allen Geschöpfen (Menschen, Tieren und Pflanzen) begegnen.

Pine-Ridge-Reservation

Am nächsten Tag geht es weiter in die Pine-Ridge-Reservation. Die Fahrt durch die „Great Plains“ wird durch tolle Himmelsschauspiele begleitet. Zwischen tiefdunklen Wolken bricht immer wieder die Sonne durch und überflutet die Landschaft mit ihrem strahlenden Licht. Dazu säuselt leise der Präriewind und umweht uns zart. Ich bin von der Weite des Landes beeindruckt, die wir gemütlich in unseren Fahrzeugen durchqueren. Und stelle mir vor, wie die Indianer die Entfernungen zu Pferde und zu Fuß bewältigen mussten, wenn sie sich zwischen dem Missouri River und den Bighorn-Bergen auf Jagd befanden und den gewaltigen Büffelherden folgten oder in die Forts zum Warentausch kamen. Uns Besuchern bietet die weite Prärie mit ihren sanften Hügeln einen faszinierenden, aber in der Reservation auch teilweise trostlosen Anblick. Das Ortsbild bei der Ankunft in Oglala bestimmen verstreute Trailerhomes, heruntergekommene Hütten und herumliegender Schrott. Daneben finden sich eine Schule, eine Kirche, eine winzige Post und ein Kramladen. Für uns ist nur ansatzweise vorstellbar, unter was für harten Bedingungen die ca. 30.000 Indianer in dieser Reservation leben müssen. Das Leben in diesem Teil der USA, der größten Volkswirtschaft der Welt, wird durch Arbeitslosigkeit, Alkoholismus und eine unerträgliche Anzahl von Selbstmorden gerade unter Jugendlichen bestimmt. Nachdenklich beginnen wir mit dem Aufbau der Zelte sowie eines originalen Indianer-Tipis, übrigens dem Größten in der gesamten Reservation. Beim Aufbau des Tipis hilft uns Tom, ein Indianer vom Stamme der Mohawk. Die Mohawks haben es durch den Bau der Wolkenkratzer in New York und anderen US-Städten zu Weltruhm gebracht, was Tom auch beim Anbringen der Stabilitätsseile unter Beweis stellt. In „schwindelnder“ Höhe klettert er an dem Tipi umher und nimmt die Feinjustierung vor. Wir benötigen fast 2 ½ Stunden für das Aufstellen der Stangen und deren Ummantelung mit Leinentuch. Natives würden dafür maximal eine ½ Stunde brauchen. Pünktlich zur Fertigstellung zieht am Horizont ein Sturm auf, der uns noch die ganze Nacht in Atem halten wird.

Das Abendessen (ein indianisches Rindergulasch) wird von Leonards Familie zubereitet, während wir die ersten Eindrücke unseres Treffens mit den Natives austauschen. Es gibt unterschiedliche Ansichten, die in den nächsten Tagen noch zu intensiven Diskussionsrunden Anlass geben.

Traditionelle Tänze

Das erste große Highlight bahnt sich noch an diesem Abend an. Eine Familie aus der Verwandtschaft von Leonard kommt mit ihren vier Mädchen (12, 14, 17 und 19 Jahre alt) und dem Sohn (15 Jahre) sowie der Großmutter vorbei und führt für uns traditionelle Tänze auf. Die Mädchen sind richtig gut und haben schon überregionale Auszeichnungen gewonnen. Die Kleidung ist faszinierend schön und detailliert gearbeitet. Ich habe den Eindruck, dass durch die Zusammenarbeit der Familie auch den Kindern ein sinnvoller Anreiz gegeben wird, sich auf die traditionellen Wurzeln zu konzentrieren. Für die Kinder und Jugendlichen ist es vor allem ein sportlicher Wettkampf ohne sentimentales Gedankengut. Vielleicht können diese Traditionen mit den Einschränkungen in der heutigen Zeit nur so weitergegeben werden.

Fast alle aus unserer Gruppe haben sich entschlossen, diese Nacht im Tipi und nicht in den Zelten zu verbringen. Leider öffnete der Himmel am späten Nachmittag seine Schleusen. Auch die ganze Nacht hindurch regnet es ziemlich stark – die Geräusche des Regens auf der Außenhaut des Tipis begleiten mich durch die Nacht. Gut, dass die heiße Tasse Kaffee im Morgengrauen meine Lebensgeister langsam wieder zurückbringt. Denn Leonard hat sich vorgenommen, uns die sprachliche und spirituelle Welt der Lakota näher zu bringen. Wir erfahren, dass sich der „Lakota way of life“ immer auf vier (heilige Zahl = Himmelsrichtungen) Bereiche fokussiert. Später versuche ich in einem langen Gespräch mit Leonard die Situation der Lakota und die Schwierigkeiten seines Schulprojektes zu verstehen. Besonders das Schulprojekt beschäftigt ihn sehr stark. Einige wichtige Milestones (Finanzierungsplan, Lehrplan, Anerkennung des Schulabschlusses etc.) sind noch anzugehen. Ich bekomme den Eindruck, dass das Projekt dann erfolgreich sein wird, wenn es Leonard schafft, die traditionellen Ansichten des Stammes mit den Erfahrungen eines weißen Mannes oder weißen Frau geschickt zu kombinieren.

Die Anfertigung von indianischem Schmuck

Später besucht uns Minerva Blacksmith mit ihren beiden Enkeltöchtern Ana und Rachel. Sie ist eine sehr interessante Frau mit einer spannenden Biographie und zeigt uns die Anfertigung indianischen Schmucks. Wir sitzen alle im großen Tipi, lauschen den Ausführungen Minerva´s über ihr bewegtes Leben und folgen gleichzeitig ihren Anweisungen zur Herstellung eines Traumfängers. Am Nachmittag ändern wir kurzfristig unsere Pläne denn wir erfahren, dass in der Red Cloud High School ein Pow-Wow stattfinden soll. Jeden Monat wird dieses in einer anderen der elf Reservatsschulen aufgeführt. Die Tänzer, die bis Mai in ihrer Kategorie die meisten Punkte erzielen, sind die Sieger der Veranstaltung und werden aufwendig geehrt. Die stolzen Teilnehmer kommen aus ganz South Dakota. Wir sind die einzigen Zuschauer von Außerhalb. Der Veranstaltungsort im Reservat macht die Aufführung noch authentischer.

Am Abend dieses ereignisreichen Tages erleben wir mit der Vorbereitung auf eine traditionelle Schwitzhüttenzeremonie einen weiteren Höhepunkt – diesmal spiritueller Natur. Minerva ist eine von ganz wenigen Frauen, die diese Zeremonie durchführen darf. Die ersten sieben, glutroten Steine werden in der Mitte der Hütte in ein Loch gelegt und mit Kräutern und Wasser bespritzt. Nach einigen Gebeten und Liedern, bei denen es mir trotz der Hitze teilweise kalte Schauer über die Haut jagt, wird die Hütte wieder geöffnet. Draußen ist bereits die Dämmerung angebrochen und ich kann aus der Hütte heraus den Sonnenuntergang beobachten. Ich nehme die Welt außerhalb auf einmal ganz anders wahr. Dann folgen nochmals sieben Steine und die Hütte wird erneut verschlossen. Erst eine Stunde später kehren wir wieder in die Realität der Außenwelt zurück. Diese Zeremonie ist mit Worten nicht zu beschreiben, man muss es selbst gefühlt haben.

Der Wind Cave Nationalpark in South Dakota

Jetzt sind wir auch mental gestärkt, um die nächsten drei Tage in der Natur zu verbringen. Auf dem Weg in die Black Hills besuchen wir den Wind Cave Nationalpark, bei dem nach dem Glauben der Indianer ihre ersten Vorfahren aus Mutter Erde emporgestiegen sind. Ein kleiner Rundwanderweg verschafft erste Eindrücke über die Black Hills und meine Gedanken schweifen durch die zwischenzeitlich goldgelb und rot gefärbten Waldhügel in die endlosen Weiten der Prärie. Dann nähern wir uns dem Crazy Horse Memorial. Bereits aus der Ferne ist das monumentale Gesicht des wohl größten Kriegerhäuptlings der Lakota zu sehen. Indianische Häuptlinge hatten 1948 den polnisch stämmigen Bildhauer Korczak Ziolkowski gebeten, ein größeres und mächtigeres Steingebilde zu erschaffen, als es die vier Präsidentenköpfe des Mount Rushmore waren und zwar in den heiligen Bergen der Black Hills. Dieser Plan ist bis heute nicht unumstritten. Aktuell füllen die vier Präsidentenköpfe im Vergleich gerade einmal den Hinterkopf von Crazy Horse! Zusätzlich können wir einem außergewöhnlichen Spektakel beiwohnen: es wird gesprengt am Crazy Horse Mountain. Nachdem der Gouverneur den Kopf vor Ort besichtigt hat, dürfen wir ausnahmsweise sogar direkt zum Gesicht hinauffahren und die beeindruckende Kulisse genießen. Atemberaubend schön! Nach dem Besuch des dem Besucherzentrum angeschlossenem, Museums (eines der größten Indianermuseen mit echten Mokassins, Kleidung und Waffen) fahren wir zu unserem Zeltplatz im Custer Nationalpark. Es ist ein idyllisch gelegener Patz am See mitten im Wald. Der Ort wird für zwei Nächte unser Camp sein. Genau das, was man sich als Scout so wünscht!

Die Nacht ist kalt, denn die Black Hills liegen eben einige Höhenmeter über den Weiten der Prärie. Wir gönnen uns einen üppigen Brunch in der Nationalpark-Lodge, wodurch wir wieder zu Kräften kommen. Etwas später brennt die Sonne auch wieder richtig vom Himmel, während wir einen rustikalen Künstlermarkt besuchen. Dort ist alles vorhanden, was Cowboy und Indianer benötigen. Am frühen Nachmittag steigen wir in den Black Hills dann zum Harney Peak hinauf, dem höchsten Punkt (2207m) östlich der Rocky Mountains und westlich der Pyrenäen. Das ist zwar anstrengend bietet aber einen gigantischen Ausblick, der über die Black Hills hinaus in die Prärie reicht. Beeindruckend ist vor allem, dass ich mir inmitten dieser Landschaft aus Wald und bizarren Steinformationen (in die man immer etwas hineininterpretieren kann!) sehr gut vorstellen kann, dass die Indianer hierher kamen um ihre Visionen zu empfangen und zu beten.

Büffel- Wettrennen

Am nächsten Morgen brechen wir bereits im Dunkeln zum Custer State Park auf, um eine der wenigen frei laufenden Bisonherden beim jährlichen South Dakota Rennen zu beobachten. In der Ferne sind die ersten Gruppen von Büffeln erkennbar, die einmal jährlich von den besten Cowboys der Gegend zusammengetrieben werden. Und plötzlich geht es los! 1.500 Büffel strömen über die Hügel wie Ameisenschwärme auf uns zu. Mich beeindruckt sehr, wie mächtig und stark diese Tiere sind. Und dann diese Cowboys; wahre Hasardeure im Sattel Die können reiten wie die Teufel! Wir haben Glück und dürfen im Gegensatz zu den meisten Besuchern das Geschehen von Nahem betrachten. Nach dieser „Anstrengung“ gehen wir ins „Fahrerlager“ und können die imposanten Pferde begutachten und den Cowboys beim Branding der Büffel zusehen, bevor wir uns auf die Weiterfahrt zum Badlands Nationalpark machen. Unterwegs legen wir noch einen kurzen Stopp am Mount Rushmore ein, der im Vergleich zum Crazy Horse Monument tatsächlich sehr klein ausfällt. Da der Tag nun schon etwas vorangeschritten ist, wir aber die Badlands noch bei Sonnenuntergang erleben möchten, drückt Dirk mächtig aufs Gas und nimmt (als Insider) sogar die Abkürzung über einige Schotterpisten. Just in time erreichen wir tatsächlich noch den besten Aussichtspunkt und schießen Fotos ohne Ende. Wir können von dem Sonnenuntergang über den bizarren Felskonturen der Badlands nicht genug bekommen. Dafür müssen wir dann unsere Zelte in Wall im Dunkeln aufbauen. Man kann eben nicht alles haben.

Nun kann ich „endlich“ mal ausschlafen und in aller Ruhe mein Frühstück genießen. Die anderen sind diesmal schon vor mir wach und in den berühmten Wall-Drug shoppen gegangen, bevor wir noch mal in die Badlands fahren. Bei Tageslicht besitzen die Sandsteinformationen wieder ein anderes Erscheinungsbild als beim gestrigen Sonnenuntergang. Für mich war an diesem Tag besonders wichtig, dass ich den Big-Foot-Pass gesehen habe, den Chief Big Foot (Si Tanka) mit seinen Leuten im eiskalten Dezember 1890 auf der Flucht vor den Soldaten passieren musste. Für mich ein ergreifender Moment! Zum Abschluss unternehmen wir noch einen kleinen Hike, der mit einer grandiosen Aussicht endet. Dann geht es zurück ins Reservat – diesmal auf der richtigen Strasse. Auf dem Weg machen wir noch einen Stopp bei „Tanka Bar“ einer sehr jungen Firma mit viel Potential, die Trockenriegel aus Büffelfleisch herstellen. Ein Praxisfall für das erfolgreiche Zusammenspiel von Natives und Weißen.

Die Bedeutung der Himmelsrichtungen und Farben

Ein Präriesturm weckt mich am folgenden Morgen, der den ganzen Tag nicht nachlässt. Mit einer heißen Tasse Kaffee stehe ich im Wind und beobachte den Sonnenaufgang. Leonard gibt uns wieder eine kleine Lehrstunde und erklärt uns die Geheimnisse des Circle (cangleska wakan) mit der Bedeutung der Himmelsrichtungen und Farben. Später am Tag fahren wir nochmals zur Red Cloud School und stellen fest, dass die Strasse für Arbeiten aufgerissen wird. Es sieht so aus, als ob Obamas Infrastrukturmaßnahmen bereits greifen. Neben der Schule und der Kirche, in der der Kreuzweg Christi mit Indianern dargestellt wird, befindet sich ein kleines, aber sehr interessantes Museum mit faszinierenden Kleidungsstücken aus dem 18. und 19. Jahrhundert. Nachdenklich stimmt mich das Grab von Red Cloud, einem der größten Häuptlinge der Sioux. Als seine Ziele erreicht waren, zog er sich nach langen Jahren und unzähligen Kämpfen gegen die Weißen zurück. Danach war er zu keinen weiteren Kriegszügen mehr zu bewegen und passte sich mehr oder weniger dem Umfeld der weißen Siedler an, auch wenn er von seiner Einstellung her immer ein Krieger blieb. Zusätzlich begann er sich sogar positiv mit der Kirche auseinanderzusetzen. Man vermutet, dass er dies seinem Volk zuliebe getan hat, um es so vor weiteren Repressalien zu schützen. Weil wir sehr spontan unsere Aktivitäten an das Wetter und die Ideen von Leonard anpassen, fahren wir noch „schnell“ zur Grabstätte der Haarlocke von Si Tanka. Es ist ein sehr schöner Platz mit viel Spirit und einem angemessenen Monument auf der Verbrennungsstelle der Locke. Diese Locke wurde im Jahre 2000 in einer viertägigen Zeremonie verbrannt und damit der Geist Si Tankas frei gegeben. Während uns Leonard ausführlich die Geschichte erzählt, beobachte ich den schönen Sonnenuntergang.

Aus kahlem Land wird blühendes Land

Für den letzten Tag bei den Lakota steht der Besuch der (vermutlich) letzten Ruhestätte von Crazy Horse auf dem Programm. Hinter Pine Ridge biegen wir auf eine Schotterpiste. Bereits nach wenigen Kilometern verändert sich die Landschaft zusehends. Aus der öden, unwirtlichen Steppe wird hügeliges Waldland mit fruchtbaren Wiesen. Wir treffen Dave Kadlecek auf dessen ausgedehntem Besitz wir uns befinden. Einige von uns steigen auf den Pick-Up von Dave und fahren ca. 20 Minuten in die Berge hinauf. Dort oben hat man einen tollen Überblick über das lang gezogene Tal, in dem Crazy Horse nachweislich mit ca. 3000 Gefolgsleuten lange Zeit campierte. Hier lagen auch die beiden Aussichtspunkte für die Wächter des Camps. Dave zeigt uns dort die vermutete Grabstätte von Crazy Horse sowie dessen Camp, das mit Sonnentanzplatz in dem versteckten Tal liegt. Die Szenerie hat für mich etwas angenehm Mystisches. Ich kann mir auf den Lichtungen zwischen den leicht bewaldeten Hügeln sehr gut die Tipis der Indianer und deren Versammlungsplätze vorstellen.

Auf dem Weg zurück besuchen wir Wounded Knee. Für mich ist der Besuch nicht nur der Höhepunkt des Tages, sondern auch mein persönlicher Höhepunkt der Reise. Diesen einzigartigen Ort wollte ich schon seit 30 Jahren einmal besuchen. Heute bin ich endlich hier. Die eindringlichen Schilderungen von Leonard über den Hergang des Geschehens im Dezember 1890 und den Tod seines Ur-Ur-Grossvaters Häuptling Big Foot sowie der mehr als 200 Gefolgsleute berühren mich zutiefst. Die Details sind mir schon lange bekannt, doch durch die Erzählung Leonards an diesem Ort bekommen sie eine plastische Bedeutung, die an Bildhaftigkeit nicht zu übertreffen ist. Dann ist es auch schon Abend – unser letzter Abend in der Reservation. Wir kochen getrocknetes Rindfleisch und backen Apfelkuchen für das Abschiedsessen. Leonards Familie kommt und auch Minerva ist mit ihren Enkeln dabei. Wir essen gemeinsam und tauschen das letzte Mal Gedanken aus, dann schließt Minervas Enkelin Rachel den Abend durch einen letzten Tanzauftritt ab. Wir verabschiedeten uns mit „Toksa ake!“ was bedeutet „Bis wir uns wiedersehen“. Die Lakota kennen kein Wort für „Goodbye".

Diese Reise mit TravelBeyond war für mich eine sehr gelungene Mischung aus wilder Natur und dem Eintauchen in die einzig wahre amerikanische Kulturgeschichte, ohne sentimental oder kitschig zu wirken und mit viel, viel Hintergrundinformationen.

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MartinD

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