Reisebericht Ruanda

von sfintu am 21.06.2019

affiges Abenteuer

Die amerikanische Primatenforscherin Dian Fossey wird sich vermutlich im Grabe umdrehen angesichts der Touristen in "ihrem" Gorilla-Revier. Fast zwei Jahrzehnte lang hat sie die "sanften Riesen" im Gebiet der Virunga-Vulkane beobachtet und ihr Verhalten studiert, ehe sie 1985 von Unbekannten ermordet wurde. Nicht zuletzt ihrem unerschrockenen Einsatz gegen Wilddiebe ist es zu verdanken, dass die Berggorillas in der Grenzregion Ruanda/Kongo/Uganda nicht weiter dezimiert oder sogar ganz ausgerottet wurden.


Doch zeitlebens versuchte Dian Fossey jegliches Gorilla Watching im Volcanoes National Park von Ruanda zu verhindern. Diesen Kampf hat sie verloren. Heute erhalten sieben der fünfzehn Gorilla-Familien täglich Besuch von Touristen – und das trotz des astronomischen Eintrittsgeldes von 500 US-Dollar! Für die Begegnungen zwischen Menschen und Menschenaffen gelten allerdings strenge Regeln. Nur maximal acht Personen sind zugelassen, und die dürfen höchstens eine Stunde lang die Gorillas beobachten. Fosseys Befürchtungen zum Trotz, die Tiere könnten Schaden nehmen, ist deren Zahl von weniger als 200 auf über 700 (Stand: Oktober 2009) gestiegen. Die Wilderei dagegen ging stark zurück, weil für den Tourismus die Patrouillen verstärkt und für die Anwohner des Nationalparks neue Einnahmequellen erschlossen wurden. Zudem wächst mit jedem Besucher die weltweite Lobby für die "sanften Riesen". Denn der ungeheuren Faszination, die von diesen engen Verwandten des Menschen ausgeht, kann sich keiner entziehen. Sie sind eben affengeil!

Oliver Nzabonimana, unser Guide, gibt noch letzte Verhaltensregeln bekannt, bevor wir zu unserer Wanderung aufbrechen: Wenn wir bei den Gorillas sind, sollen wir leise sein und als Gruppe immer zusammen bleiben zu unserer eigenen Sicherheit.

Dann bahnen sich die beiden Spurenleser mit ihren Macheten den Weg durch das dichte Gestrüpp am Vulkan Sabyinyo. Oliver, sein Kollege Placide und wir fünf Touristen folgen ihnen vorsichtig. Eine Gorilla-Wanderung kann bis zu mehreren Stunden dauern, weil die Tiere täglich ihren Standort wechseln. Aber wir haben großes Glück – schon nach fünf Minuten entdecken wir ein braunes Häufchen – frischer Gorilla-Kot. Sie sind also ganz in der Nähe. Und kurz darauf hören wir ein Rascheln im Gebüsch.

Ein Spurenleser ahmt das wohlige Grunzen der Gorillas nach, gibt ihnen so zu verstehen, dass wir in friedlicher Absicht kommen. Und schon streckt der erste seinen Kopf durch das Geäst. Wir halten den Atem an, aber Angst haben wir keine.

(O-Töne Touristen:)
"No, not yet, just thrilled."
"Not at all, oh, it’s wonderful."

(O-Ton Oliver Nzabonimana:)
"This is one of the juvenile…
Das ist einer von den Jugendlichen. Sein Name bedeutet übersetzt 'Vision' und er ist fünf Jahre alt. Vom Charakter her ist er sehr verspielt, entspannt, er benimmt sich ordentlich.
…and he’s behaving well."

Nach und nach lassen sich immer mehr Familienmitglieder blicken – ein Baby, seine Mutter und schließlich der Patriarch, der so genannte Silberrücken.

ein Name ist Gohonda, das bedeutet 'schlagen', weil er als junger Bursche gerne mit den Fäusten auf seine Brust getrommelt hat. Er ist einer der größten Silberrücken im Park, 38 Jahre alt und 220 Kilo schwer.
Ein schwarzer, haariger Koloss, und doch hat Gohonda nichts von einem Ungeheuer à la King Kong. Ganz friedlich knabbert er an einer Bambusstange und lässt sich dabei von dem Baby die Läuse aus dem Fell picken. Das alles können wir aus kürzester Entfernung miterleben.

Affen in Ruanda

(O-Töne Touristen:)
"Es ist sehr phantastisch, ja. Ich seh’s zwar zum zweiten Mal, aber es ist immer wieder sehr, sehr interessant."
"Es is' schon beeindruckend – kann man eigentlich gar nicht beschreiben. Man muss einfach nur gucken, es is' toll."

Zwei bis drei Jahre, erzählt Oliver, werden die Tiere an den Umgang mit Menschen gewöhnt, erst dann dürfen Touristen in ihre Nähe. Jetzt scheinen sie kaum mehr Notiz von uns zu nehmen, lassen uns als Zaungäste an ihrem Familienleben teilhaben. Doch nach genau sechzig Minuten bläst unser Guide zum Aufbruch, will den Gorillas ihre Mittagsruhe gönnen. Trotzdem finden wir alle, es war die 500 Dollar wert:

(O-Ton Touristin:) "It was twice that much. It’s magical, very, very emotional, you just want to cry."

Es ist sogar doppelt so viel wert, meint sie. Es war zauberhaft, sehr anrührend, man möchte weinen.

(O-Ton Tourist:)
"Without a doubt and I'm really pleased that we'll be coming tomorrow and we'll have another opportunity."

Zweifellos, sagt er, war es das Geld wert. Und er will sogar am nächsten Tag wiederkommen, um unsere "Verwandten" ein zweites Mal zu besuchen.

Bestimmt findest du bei uns einen Zusammen Reisen Reisepartner.

sfintu

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