Reisebericht Südschweden

von AnniBunny am 20.06.2019

2 Wochen Paddeln

Im Juli startet ich das Abenteuer Südschweden mit ein paar Freunden: 2 Wochen Paddeln in Südschweden, zelten auf einsamen Inseln, Wind und Sturm, Lagerfeuerromantik, Schleusenabenteuern u.v.m. Nun erzähle ich euch, was wir alles erlebt haben.


Ferienverkehr - juhu


Schon um 06.30 Uhr waren wir aufgestanden, denn wir wollten den Tag über nicht in Zeitnot geraten. Alleine bis zur Fähre in Puttgarden (Fehmarn) waren wir sechs Stunden unterwegs .. es lebe der Ferienverkehr!
Alleine für die Fähre standen wir eine Stunde an, so beschlossen wir, uns gleich die Tickets für Hin- und Rückfahrt für die Fähre sowie die Öresundbrücke zu kaufen. Dass wir allein dafür schon 180 € blechen mussten, war uns bis dahin noch nicht klar. Vielleicht hätten wir uns doch besser nach Billigfliegern umsehen sollen.
Wir fuhren also durch Dänemark bis nach Schweden. In Göteborg machten wir fürs erste Feierabend. Wir nahmen eine Abfahrt bei der Innenstadt und kamen mitten in der Pampa bei einem Campingplatz sehr außerhalb an. Der Schicki-Micki-Platz hatte einen Supermarkt, beheizte Duschen mit Musik drin, mehrere Herdplatten und Mikrowellen und sogar ein paar Security-Leute! Dafür mussten die Zelter sich an den schrägen Rand verdrücken, der Rest des Platzes war für Wohnmobile reserviert. Um einen großen Haufen Schwedischer Kronen erleichtert bauten wir das Zelt auf, liefen runter zur Straßenbahn und fuhren in die Stadt. Für den großen Freizeitpark mitten in der Stadt, den wir schon von der Autobahn aus entdeckt hatten, waren wir zu geizig und zu unmotiviert, so liefen wir weiter an der Altstadt vorbei bis in die Kneipenmeile.

Von Dänemark bis Schweden

Am Hard Rock Cafe liefen wir vorbei, denn dort standen die Leute schon Schlange. Wir liefen bis zum Hafen, von dem wir aber nicht mehr viel sehen konnten, denn es war schon recht dunkel. Auf dem Weg zurück wollten wir noch ein Bier im Irish Pub trinken, aber dort wurden wir nicht reingelassen, angeblich weil wir noch keine 23 Jahre alt waren. Wir vermuten aber, dass es an unserem außergewöhnlichen und etwas schlampigen Outfit lag. Nils hatte seine Jogginghose an und ungemachte Haare, ich hatte meine alte, schlabberige 1-2-Fly-Hose an, war ungeschminkt und mein Flechtezopf war durch die Fahrt ganz wuschelig geworden. So setzten wir uns an einer anderen Kneipe nach draußen (draußen kann man gar nicht mehr rausgeschmissen werden) und tranken ein teures Bier. In der Straßenbahn zurück mussten wir innen am Automaten ein Ticket lösen. Wir verstanden zum einen den Automaten nicht, zum anderen hatten wir gar nicht so viel Kleingeld dabei, also taten stellten wir uns immer wieder neben die Schlange und taten so, als würden wir warten, bis wir dran sind. Wir stiegen aus und liefen den schönen Waldweg zurück, den wir aber kaum genießen konnten, denn es war inzwischen nach Mitternacht und stockduster. Die Nachbarzelte feierten noch ein wenig, wir gingen aber ins Bett, schließlich war der Wecker für den nächsten Tag schon gestellt.

Die Rucksäcke waren gut festgezurrt und schon konnte es los gehen.



Es geht los, die Rucksäcke sitzen



Göteborg: 57,7348°N, 11,9853°O
Ed: 58.9177°N, 11,9362°O
Aufgestanden(A): 06.15 Uhr
Losgepaddelt (L): 12.15 Uhr
Angekommen (A): 16.00 Uhr

Schon um 06.15 Uhr klingelte der Wecker. Wir duschten in aller Ruhe, holten uns ein paar matschige Brötchen, frühstückten und machten uns auf den Weg nach Ed, wo der Kanuverleiher war, wo wir uns ein Kanu reserviert hatten. Der Weg ging vorbei an typisch Schwedischen kleinen Dörfchen und einzelnen Häusern. Dank der Infotafel am Anfang des Ortes war "Canodal" auch recht leicht zu finden. Mein Name stand sogar ganz oben auf der täglich neu mit Kreide geschriebenen Willkommenstafel.

Ein gemietetes Zweierkanu


Wir mieteten ein Zweierkanu. Dabei waren automatisch drei Paddel (eins als Ersatzpaddel), zwei Schwimmwesten (wir entdeckten später, dass es sich um "Junior"-Westen handelte, die maximal 40 kg über Wasser halten können) und einen Spaten. Auf die Frage, wozu dieser denn gut sei, antwortete die nette Frau von der Information: "If you need to pee or the other one...."
Super, wir sollten unsere Kacke also einbuddeln.


Davon ließen wir uns aber nicht beirren, die erste "Ausgrabung" lag schließlich noch in ferner Zukunft. Dazu mieteten wir uns eine wasserfeste Tonne für Handys, Kameras, Schlafsäcke, Brot, eine Garnitur frische und trockene Wäsche usw., sowie eine Landkarte der Umgebung.
Uns wurde auch noch eine nett aussehende Tour vorgeschlagen, die ungefähr in unseren zeitlichen Rahmen passen müsste.
Wir fuhren noch schnell zum Supermarkt, packten unsere Rucksäcke um und unsere Tonne voll und warteten anschließend auf Bertil, den Verleiher, der uns in die hohe Kunst des Kanufahrens einweihen sollte. Während wir warteten beobachteten wir die anderen Kanuten, die sich fertig machten und offenbar viel besser als wir vorbereitet waren. Sie hatten beinahe alles in wasserdichten Tonnen oder Packsäcken aufbewahrt und etwa acht Mal so viel Proviant dabei wie wir, dabei waren wir doch gerade eben noch einkaufen!

Zu viel Gepäck für das Kajak


Trotzdem waren wir froh, einen Kanadier gemietet zu haben, denn auch das wenige Gepäck, welches wir dabei hatten, hätte wahrscheinlich in ein Kajak nicht gepasst. Mit dem Kanadier waren wir zwar nicht so schnell und wendig, konnten dafür aber bis zu 400 kg einladen und angstfrei Paddeln, denn die Kanadier sind nur schwer kenterbar.


Als uns gerade erste Zweifel kamen, war Bertil auch schon wieder zurück. Er schnappte sich Kinderschwimmweste und Paddel, sprang ins Kanu, demonstrierte uns die Paddelei ein wenig, kam wieder an Land, ließ sich von mir mit Fragen überhäufen, beantwortete diese auch kurz, wünschte viel Spaß und los sollte es gehen. Das war also unsere Einführung. Von nun an waren wir auf uns selbst gestellt, nur Nils, das Boot mit dem wunderschönen Namen "68" und ich.


Ich bekam den "leichteren" Job uns saß mit dem kurzen Paddel vorne. Nils saß mit dem langen Paddel hinten und musste zuerst einmal das Lenken lernen, denn das war - neben dem Paddeln um vorwärts zu kommen - seine Aufgabe. Jeder schien sich darauf verlassen zu haben, dass der andere verstanden hatte, war Bertil erklärt hatte, doch dem war nicht so. So übten wir uns einfach in unserer eigenen Technik. Im wilden Zickzack fuhren wir einfach mal auf einen weißen Felsen auf der anderen Seite des Sees zu. Dieser entpuppte sich bei näherer Betrachtung als Wasserfall. Bis wir irgendwann die Kamera aus der Tonne gekramt hatten, waren wir aber schon an ihm vorbeigetrieben. In ein paar Tagen würde es kein Problem sein, zu wenden und zurückzufahren, doch noch waren unsere bescheidenen Manövrierkünste dazu nicht ausgereift genug und wir fuhren nach einem Foto weiter. Irgendwann entdeckten wir mitten im See eine kleine einsame Insel. Dies war nur eine von unglaublich vielen, aber das wussten wir natürlich nach unserer winzigen bereits zurückgelegten Strecke noch nicht. Für uns war das etwas Neues und damit spektakulär. Da man nach dem "Schwedischen Allemannsrätt" offiziell wild zelten konnte, solange man sich nicht auf Privateigentum oder in der Nähe von Häusern aufhielt, beschlossen wir, auf dieser Insel unser Nachtquartier einzulegen. Als wir jedoch näher kamen, bemerkten wir, dass uns die Vierergruppe zuvorgekommen war, die vor uns losgefahren war. Unsere Insel war also schon "besetzt". Schon um 16.00 Uhr fanden wir ein hübsches Plätzchen zum Bleiben.

Schwedens Inseln


Es handelte sich um eine hübsche, flache Halbinsel mit ebenem Zeltplatz und Feuerstelle. Wir leerten das Kanu aus, zogen es an Land, drehten es um und verstauten Paddel, Schwimmwesten (die sich später noch als gemütliche Sitzplätze herausstellen sollten) und Spaten darunter. Irgendwann hörten wir ein seltsames Geraschel auf der anderen Seite der Insel. Sollte das ein Elch sein? Vielleicht sogar ein Bär? Oder waren es vielleicht doch nur ein paar Enten, Füchse oder Biber? Wir schlichen uns auf die andere Seite der Halbinsel und entdeckten etwas spitzes, grünes. Na toll, das waren gar keine wilden Tiere auf die wir so gehofft hatten, das waren nur andere Kanuten die ihr Zelt aufbauten.


Beim Warten auf die Fähre wurden kostenlose Zeitungen verteilt. Gut, dass wir die dicke Samstagsausgabe der Frankfurter Allgemeinen behalten und in die Tonne gesteckt hatten, denn mit nur einer Doppelseite Zeitung war es gar kein Problem mehr, das Lagerfeuer anzubekommen. Über diesem brutzelten schon bald Würstchen und wir ließen es uns schmecken. Wir tranken ein wenig Korn mit Grapefruit-Ananas-Fanta und vertrieben die Zeit bis um Mitternacht. Dann durfte Nils die Geschenke auspacken. Geburtstag feiern mit den Elchen, das hat man doch auch nicht alle Tage.

Wir waren anfangs völlig hin und weg von der Landschaft
Zu faul um zurückzupaddeln und den ganzen Wasserfall drauf zu bekommen
Nils tut so, als würde er paddeln
Unser erster Lagerplatz
Im Gegensatz zu allen anderen war unser Kanu recht leer.
Noch ein wenig Zeit zum faulenzen
Unser Zeltplatz
Bei fast 360° Seeblick kann man nun wirklich nicht meckern.
"Unsere" Insel
"Drüben" auf dem Festland - ein kleines Stück Land verbindet die beiden. Perfekt: Feuerholz ganz in der Nähe, aber trotzdem das Gefühl vom Insulanerdasein

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AnniBunny

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