Reisebericht Iran

von Rool am 30.06.2020

Mit dem VW- Bus quer durchs Land

In dem Reisebericht Iran erfährst du wie es ist, das gesamte Land langsam und deinem eigenen Tempo zu erkunden. Als kleiner Teil einer großen Reise hast du hier einen Einblick in ein Land das dazu einlädt, bei atemberaubenden Landschaften stehen zu bleiben oder dafür sogar einen Umweg in kauf zu nehmen.


Die sehenswerte Landschaft Zentral- und Ost Anatoliens

Wir durchfahren Sie im Eiltempo. Auf den relativ guten Strassen erreichen wir einen hohen Schnitt, sodass wir früher als erwartet Dogubayazit am Fusse des Ararat erreichen. Der 5137m hohe Gipfel, auf dem Noah bekanntlich mit seiner Arche landete, thront majestätisch über der Grenzstadt. Diese selbst bietet wenig ausser einer grossen Anzahl Militär. Vermutlich die nahen Grenzen zum Iran und Armenien, sowie die Kurden Problematik sind der Grund für diese massive Präsenz. Gibt der Ort nichts her, so ist die Bergwelt beeindruckend und der Ishak- Pasha- Palast liegt wunderschön über unserem Zeltplatz.

Die Grenzüberquerung zum Iran

Wir starten unserer Grenzüberquerung zum Iran mit der ersten Morgendaemmerung. Schnell sind die ersten türkischen Posten erledigt, am türkischen Zoll erscheinen wir sogar vor der Bürooeffnung. Auch die iranischen Stempel sind schnell im Pass. Länger dauert es erwartungsgemäss beim Zoll. Als ich dem freundlichen Herrn dann aber die Verwendung des Vorzelts erkläre - die Torpedo-Form hatte ihn etwas irritiert - und ihm, die für ihn neue, Vokabel “shadow” ins staubige Fenster kritzele, ist das Eis endgültig gebrochen. Lernwillig tippt er die Buchstaben in sein Handy, lässt seinen Adlatus das Carnet ausfüllen und wünscht uns eine gute Reise. Slalom fahren durch hunderte von LKWs, eine Autoversicherung lösen und dann ab durch das Tor. In einer Fabelzeit sind wir durch die Grenzformalitäten marschiert, yes!! Im Iran erwarten uns Super-Strassen und zu unserer überraschung null Kontrollen bis Täbris (da können sich manche kontrollfreudige Länder wie Mauretanien oder Ägypten eine grosse Scheibe abschneiden). Wir erreichen die mit 1,5 Mio. Einwohner drittgrösste Stadt im Rekordtempo und verirren uns auch im Rekordtempo im Verkehrschaos. Wie durch ein Wunder sind wir auf einmal in der richtigen Strasse und Wunder Nummer 2 folgt, als wir kurz darauf anhalten um nach unserem Hotel zu fragen, und erst nach dem Hinweis von Einheimischen bemerken, dass wir unbewusst genau vor dem Eingang des gesuchten Hotels gelandet sind; genial!!

Datum: 22.09.(Tag 10) - Tachometer- Stand: 289 087km - gefahrene Kilometer: 4280km / davon Europa 2265km / Asien 2015km - Ort: Täbriz (Iran)

Ankunft in Teheran

Am zweiten Tag in Täbriz lassen wie es ruhig angehen, Sightseeing steht auf dem Programm. Wir besuchen den riesigen Bazar und die blaue Moschee, mehr Programm muss heute nicht sein. Wartet doch am nächsten Tag mit dem Erwerb des iranischen Nummernschilds einen Riesenbaustelle. Den Ablauf des Prozedere zu beschreiben würde den Rahmen des Tagebuchs sprengen. Kurz, es war eine wahre Odyssee durch die iranische Bürokratie und wir sind heilfroh, als wir um 12:30Uhr den Weg nach Teheran antreten.

Geplant war eine Abfahrt für 9:00Uhr, das bedeutet wir haben für die 600km bis zur Hauptstadt deutlich weniger Zeit als erhofft. Oli soll um 20:30Uhr am internationalen Flughafen ankommen und erwartet natürlich unsere Anwesenheit. Die Autobahn ist super und die Maut-Kassiers lassen uns mehrfach umsonst passieren, als sie hoeren, dass wir aus Deutschland kommen. Doch was fehlt sind Tankstellen und was noch mehr fehlt sind Tankstellen mit Diesel. Als schliesslich der Tank nur noch ein paar Tropfen aufweist, sinkt bei mir die Stimmung parallel zur Tanknadel. Zum Glück bleibt Matthias ganz cool und wir können abseits der Autobahn nach laengerer Suche eine Tanke mit Diesel finden (erkennbar an der langen LKW-Schlange). Freundlich und hilfsbereit, wie die Iraner sind, dürfen wir ganz nach vorne fahren.

Mit Einbruch der Nacht erreichen wir Teheran und verdanken dem Umstand, dass gerade Ramadan ist, relativ autofreie Strassen. Der wenige Verkehr reicht aber immer noch aus uns an den Rande des Fahrwahnsinns zu treiben. Ähnlich wunderbar wie in Tabriz erreichen wir aber auch in der 15Mio-Stadt Teheran unser Hotel. Kurz darauf haben wir dank der Hilfe des deutschsprechenden Peyman dann auch Oli eingesammelt.

Bevor es jetzt auf den Damavand geht besichtigen wir noch das Zentrum von Teheran und schauen in den Büros von Cahravan Sahra vorbei, die uns freundlicherweise den Bergführer organisiert haben; vielen Dank!! Gut ausgeruht steht dem Gipfelsturm auf den höchsten Vulkan Asiens nichts mehr im Wege.

Datum: 25.09.(Tag 13) - Tachometerstand: 289 746km - gefahrene Kilometer: 4939km / davon Europa 2265km / Asien 2674km - Ort: Teheran (Iran)

Auf zum Kaspischen Meer

Matthias zieht es an das Kaspische Meer, für die restlichen Iranfahrer steht die Besteigung des Damavand (höchster Vulkan Asiens mit 5671m NN) auf dem Programmzettel. Mit unserem Bergführer Hossein geht es in das Alborz-Gebirge. Weit kommen wir aber nicht, da wegen einer Baustelle die Pass-Strasse komplett gesperrt ist; also warten bis um 16:30Uhr die Blockade aufgehoben wird. Für Reisende gibt es während des Ramadan kein Fastengebot, so können wir parallel zur Fußballübertragung vom Asien-Cup die nötige Grundlage für die Bergtour anfuttern. Da der iranische Meister Isfahan nach Elfmeterschießen in Japan auch noch gewinnt, treten wir ganz gelöst die Weiterfahrt ins Bergdorf Nandal an. Vorher stellen wir den VW-Bus in Gazaneh an der Ostflanke des Berges ab, hier wollen wir in drei Tagen wieder vorbeikommen.

Nandal auf 2500m über NN ist der Startpunkt der Vulkanbesteigung. Hier am Ende der Welt sollen auf 1000Einwohner 10000 Tiere kommen. Schnell haben wir den Ort hinter uns gelassen und steigen in den Berg. Der erste Tage verläuft ziemlich unspektakulär. Bei der Schutzhütte auf 4360m haben wir aber schon gewaltig mit der Höhe zu kämpfen und der anfängliche Elan ist etwas der Ernüchterung gewichen. Oli klagt über Übelkeit und Kopfweh, mir geht es kaum besser. Die Nacht ist gar der pure Horror, wir fühlen uns hundeelend, können fast nicht schlafen und draußen bläst der Sturmwind bei mehreren Grad minus.

Auf dem Gipfel

Irgendwie bekommen wir aber noch die Kurve und sind am nächsten Tag bereit den Gipfelsturm zu wagen; Oli ist sogar schon wieder so keck, unseren Bergführer Hossein mehrfach zu überholen. Diese Kühnheit bezahlt er aber bald darauf bitterlich. Der Berg verlangt uns alles ab und kurz unter dem Gipfel wartet ein vereistes Schneefeld. Wir bewegen uns, nicht ganz ungefährlich ohne Steigeisen, im Schneckentempo den Hang hoch. Das Herz rast und wie unter Hypnose erklimmen wir die letzten Meter. Unsere Anpassung an die Höhe war viel zu kurz, jetzt im Halbdelirium auf der Bergspitze hilft uns diese Erkenntnis aber nicht viel Weiter, der Abstieg wird zur Achterbahnfahrt. Oli torkelt wie ein Betrunkener den Berg hinunter. Fehlende Anpassung an die Höhe, Essens- und Flüssigkeitsmangel tun ein ihriges um die strahlenden Wanderhelden vom Vortag zu jämmerlichen Figuren mit puddingweichen Knien zu degradieren. Selbst die Kamera versagt bei der Kälte ihren Dienst, ich muss ohne Autofokus fotografieren. Irgendwie schaffen wir es dennoch bis zur Schutzhütte und fallen total erschöpft um 16:30Uhr in einen unruhigen Schlaf.

Der Abstieg ins Tal

Wir sind heilfroh als am nächsten Tag der Abstieg auf uns wartet, doch auch der soll es in sich haben. Unser sonst sehr routinierter Bergführer verliert im Nebel bei der selten gegangenen Ostroute die Orientierung und wir rutschen in einer Steinlawine zu Tal. Ein Wunder, dass nichts passiert, gerade auch weil die zwei freundlichen iranische Mitwanderer die komplette Tour in normalen Turnschuhen machen; unglaublich!! Wir finden Schaefer bei denen wir zu Mittag vespern und zwei giftige Schlangen, aber zuerst keinen richtigen Weg und so zieht sich der Abstieg von 4360m auf 1800m unendlich in die Länge. Völlig geschlaucht erreichen wir am mittag Gazaneh, wo noch die schwierige Aufgabe auf uns wartet das Auto durch die engen Gassen des Bergdorfs zu bugsieren. Auch diese Aufgabe schaffen wir mit Bravour, bemerken aber erst später, dass uns irgendwelche Halunken, während unserer Abwesenheit, das vordere Nummernschild gemopst haben (vgl. Bilder). Wir verabschieden uns von Hossein, dem routinierten Bergführer und brausen nach Aufhebung der Straßensperre ins Tal ans Kaspische Meer nach Mahmut Abbad, um uns hier, 20m unter dem Meeresspiegel endlich von den Strapazen zu erholen. Ein krasser Kontrast!!, nach Schneefall am morgen erwarten uns hier tropische Temperaturen.

Datum: 29.09.(Tag 17) - Tachometerstand: 289 996km - gefahrene Kilometer: 5189km / davon Europa 2265km / Asien 2924km - Ort: Mahmut Abbad (Iran)

Vom Wasser zur Wüste

Der Tag am Meer kommt genau richtig um sich die Anstrengung der Vulkanbesteigung aus dem Pelz zu schütteln. Viel länger wollen wir in Mahmut Abbad aber nicht bleiben. Die Strände am Kaspischen Meer sind nicht wirklich Traumstrände und es warten einige andere Ziele, die einen Besuch wert sind, u.a. das Wüstengebiet der Dasht-e Kavir.

Wir verlassen den dichtbesiedelten Küstenbereich am Kaspischen Meer und fahren wieder in das Alborzgebirge. Natürlich müssen wir mit unserem Ersatznummernschild (siehe Bilder) nicht lange auf die ersten Polizeikontrollen warten, doch auch dieses mal werden wir, wie immer, absolut korrekt von den iranischen Behörden behandelt. Sensationell grün ist der Iran auf der Alborz-Nordseite und wir fühlen uns mehr in ein Alpental versetzt, als in den “Wüstenstaat” Iran. Kaum sind wir aber über den 2018m hohen Guduk Pass ist es vorbei mit der reichen Vegetation, auf der Südseite der Berge wartet karge Vegetation und kurz darauf die Wüste. Bevor wir in die Wüste einbiegen tanken wir noch schnell für 1,3Cent den Liter Diesel (kein Witz!!) und lassen uns durch Semnan und Damghan von den superhilfsbereiten Iranern leiten. Die Ausschilderung ist schlecht, aber jeder nach-dem-Weg-Gefragte versucht nach bestem Wissen zu helfen. Ist die Sache zu kompliziert, steigt man schnell aufs Moped und fährt als Pfadfinder vorneweg!!

Die vielen guten Erfahrungen im Iran lassen unsere Skepsis bezüglich Wildzelten schwinden und so verbringen wir zwei traumhafte Nächte unter dem Sternenfirmament in der Kavirwüste bei Semnan und nahe Mo´Alleman.

Datum: 02.10.(Tag 20) - Tachometerstand: 290 518km - gefahrene Kilometer: 5712km / davon Europa 2265km / Asien 3447km - Ort: Mo`Alleman (Iran)

Der Garten Eden enthüllt sich

Isfahan, wie Pierre Loti es so blumig beschreibt, ist unser nächstes Ziel. Doch dafür müssen wir erst die Kavir-Wüste hinter uns lassen. Im einsamen Wüstennest Jandaq wollen wir schnell tanken, Brot kaufen und dann weiter. Doch wir haben unsere Rechnung ohne die iranischen Feiertage gemacht. Heute wird der Geburtstag von Imam Ali gefeiert, eine bei den Schiiten hochverehrte Person, kein Laden hat offen. Da die von uns Befragten keine offene Bäckerei anbieten können, fühlen sie sich selbst in der Pflicht. Ehe wir uns versehen, sind wir eingeladen und verbringen den ganzen Tag damit zu essen, Leute und den Ort kennen zu lernen. Wenn es nach unseren freundlichen Gastgebern gehen würde, dann säßen wir noch heute in Jandaq. Da wir unser Ziel Isafahan aber nicht ganz aus den Augen verlieren wollen, nehmen wir am Abend Abschied und fahren noch einige Kilometer in die Wüste hinaus.

Isfahan empfängt uns mit dem für eine iranische Großstadt von 2 Mio. Einwohnern standesgemäßen Verkehr und alle Beteiligten, vor allem die Autohupe, sind mal wieder zu 100% gefordert. Oli dirigiert mich aber souverän ans Ziel, sodass wir bereits kurz darauf im Hotel Polo Park direkt an der Sio Se-Pol Brücke einchecken können. Pierre Loti hat nicht zu viel versprochen, Isfahan ist die erste iranische Stadt unserer Reise, die uns wirklich begeistert. Die nahen Berge speisen den Zayandeh Rud, der die Stadt durchfließt und für ein angenehmes Klima sorgt. Die Parks sind herrlich und die vielen Gebäude und Plätze äußerst sehenswert. Zum ersten mal nach zwei Wochen Iran treffen wir auch eine grössere Anzahl Touristen.

Etwas irritiert sind wir von den vielen amerika- und israelfeindlichen Plakaten in der Stadt. Die Auflösung lässt nicht lange auf sich warten. Am Folgetag ist Palästinatag und die Iraner demonstrieren aus Solidarität mit den, ihrer Meinung nach, unterdrückten Palästinensern. Natürlich fühlen wir uns nicht ganz wohl in der Haut bei den demonstrierenden Menschenmassen. Sofort werden wir auch in eine Vielzahl von Diskussionen verwickelt, die jedoch bar jeder Radikalität sind und Aufschluss geben über die iranische Seele. Der Menschenauflauf um uns herum wird zum Teil so groß, dass wir mehrfach von Ordnern verjagt werden. Nach stundenlangen Diskussionen kehren wir erschöpft ins Hotel zurück und lassen etwas verwirrt den ereignisreichen Tag Revue passieren.

Datum: 06.10.(Tag 24) - Tachometerstand: 291 034km - gefahrene Kilometer: 6227km / davon Europa 2265km / Asien 3962km - Ort: Isfahan (Iran)

Weltkulturerbe Persepolis

Oli nimmt den Bus Richtung Teheran um von dort den Heimflug anzutreten, ich selbst nehme die Strecke Isafahan-Shiraz unter die Räder. Nahe Shiraz wartet mit der Ausgrabungsstätte Persepolis einer der kulturellen Höhepunkte des Iran und außerdem Matthias, von dem wir uns vor der Bergtour getrennt haben. Die Fahrt gen Süden ist relativ fade, erst vor Sa`adat Shahr wird die Landschaft spektakulärer und vor allem auch grüner; hier wird intensiv Landwirtschaft betrieben.

Persepolis, von den Einheimischen meist Takht-e Jamschid genannt, kann auf eine lange Geschichte zurückschauen. Etwa 515 v.Chr. wurde die Anlage vom Achämeniden-Herrscher Darius gegründet. Auch Alexander der Große hinterließ hier auf seinem Zug nach Indien seine, wenn auch negativen, Spuren. Nahe der Ruinen finde ich zum ersten mal im Iran, einen offiziellen “Campingplatz”. Der hat zwar, nach europäischem Verständnis wenig Ähnlichkeit damit, aber in Ermangelung an anderen Touristen lässt es sich hier prima nächtigen.

Das Treffen mit Matthias fällt leider kurz aus, er ist schon auf dem Sprung in die Emirate. Den Iran lässt er mit etwas gemischten Gefühlen hinter sich. Vielen netten Erfahrungen steht ein Überfall am helllichten Tag in Isfahan gegenüber, bei dem er mit Glück nur den Fotoapparat verloren hat.

Neben Persepolis wartet noch die Nekropolis von Naqsh-e Rostam mit den Gräbern von Darius I + II, Xerxes und Artaxerxes II, sowie die Weltkulturerbestätte Pasargad auf einen Besuch. Pasargad ist allerdings etwas enttäuschend. Die Anlage steht in keinem Vergleich zu Persepolis und die grösste Sehenswürdigkeit, das Grab von Kyros, ist auch noch eingerüstet. Also, was lange durch die Sonne schlappen?!, zurück nach Isafahan, wo angenehme Parkanlagen auf einen warten.

Datum: 10.10.(Tag 28) - Tachometerstand: 291 935km - gefahrene Kilometer: 7128km / davon Europa 2265km / Asien 4863km - Ort: Isfahan (Iran)

Tee- Pause

Der Ramadan geht zu Ende und damit werden die Iraner noch gastfreundlicher als zuvor. Auf der Weiterfahrt von Isfahan in den Norden bin ich wegen der schlechten Ausschilderung oft genötigt die Einheimischen nach dem Weg zu fragen. Oft läuft die Fragerei dann auf eine Einladung zum Tee oder gleich zum Essen hinaus. Bin ich schon satt, dann muss ich die Kekse, Äpfel, Trauben oder auch mal eine Melone eben mit auf den Weg zu nehmen.

Nach Isfahan ist Ali Sadr, nahe Hamadan, die nächste Station. Die große, beeindruckende Höhle steht teilweise unter Wasser und wird per Boot erkundet. Auf dem zugehörigen, riesigen Freizeitgelände bin ich zwei Nächte lang fast der einzige Gast. Da zudem in der Höhle gruseligerweise mehrfach das Licht ausfällt, der einzige Souvenirstand am Höhleneingang in Flammen aufgeht und einer der Kassierer meint, “er ist Single, ich bin allein unterwegs, man könnte sich doch später mal treffen” lässt mir den Ort leicht suspekt erscheinen. Ich bin nicht ganz unglücklich als es nach Takab weitergeht.

Takab ist für mich der Ausgangsort um Zendan-e Soleyman und Takht-e Soleyman (Gefängnis und Thron des Salomo) zu besuchen. Das Naturwunder des Zendan-Kraters und die alte Sassaniden-Kultstätte Takht-e Soleyman, mittlerweile UNESCO-Weltkulturerbe, sind sehr sehenswert. Fast interessanter finde ich aber die etwas unwirtliche Kleinstadt Takab. Ich bin hier mitten im Kurdengebiet und nicht fern zur irakischen Grenze. Hier herrscht eine andere, weit urigere Atmosphäre als in den iranisch geprägten Orten. Ich werde zwar desöfteren misstrauisch beäugt, aber immer korrekt und freundlich begegnet.

Datum: 14.10.(Tag 32) - Tachometerstand: 292 898km - gefahrene Kilometer: 8091km / davon Europa 2265km / Asien 5826km - Ort: Takab (Iran)

Kandovan, Khaneh, Kalaybar

Meine kurdischen Mitfahrer sind ganz begeistert von deutscher Musik und einem guten Volkswagen. Mit dem Handy wird die Filmmusik von “Lola rennt” aufgenommen und statt wie geplant im “kurdischen” Shahin Dez auszusteigen fahren sie einfach 60km weiter ins “türkische” Miyandoab. Warum auch nicht?! Mein Weg fьhrt mich noch ein paar Kilometer weiter nach Kandovan. Die iranische Version von Göreme mit den Höhlenwohnungen im Tuffgestein ist eines der schönsten Örtchen im Iran, die ich bisher kennen gelernt habe. Die Einwohner sind nicht immer nur erfreut über die Popularität ihres Dorfes bei Fremden und ich muss wegen eines Missverständnisses auch einmal schauen, dass ich einem Stock entkomme.

Nach manchen Entbehrungen in vier Wochen Iran freue ich mich am Ende meines Aufenthaltes auf das (im Reiseführer) versprochene Hotel mit westlichem Standard in Sharef Kaneh am Orumiyeh-See. Der große Salzsee im Nordwesten Irans hat einen Salzgehalt (30%), der fast an das Tote Meer herankommt (zum Vergleich: Mittelmeer 3%). Doch grande Enttäuschung, der See ist so seicht, dass ich nie tiefer als bis zur Wade im Wasser stehe und von der touristischen Infrastruktur in Sharef Kaneh ist außer einer schäbigen Herberge nichts mehr zu sehen. Wie manch anderes Projekt im Iran ist auch hier von einst hochfliegenden Plänen nicht so viel übrig geblieben …

Kalaybar ist schließlich meine letzte Station im Iran. Nahe des Ortes gibt es die berühmte Babak-Festung auf einem Berggipfel in 2600m Höhe. Landschaftlich wunderschön gelegen mache ich mich zu Fuß zur Festung auf. Schon auf dem Hochweg ziehen sich die Wolken bedrohlich zusammen. Nur kurze Zeit, kann ich die Festung gut erkennen, dann umschließt mich dichter Nebel und ich habe Mühe meinen Weg zurückzufinden.

Datum: 18.10.(Tag 36) - Tachometerstand: 293 639km - gefahrene Kilometer: 8832km / davon Europa 2265km / Asien 6567km - Ort: Kalaybar (Iran)

Im wilden Kaukasus

Traumhafte Morgenstimmung umgibt mich bei meinem Abschied von der Babak-Festung. Die letzten 150km bis zur armenischen Grenze fahre ich durch landschaftlich wunderschöne Regionen. Besonders entlang dem Grenzfluss Aras folgt ein nettes Örtchen auf das andere. Bedrückend wirkt allerdings der Blick auf das andere Flussufer nach Aserbaidschan, dort sieht man nur Geisterdörfer. Der Konflikt zwischen Armenien und Aserbaidschan um Bergkarabach hat die Region veröden lassen. Auch auf iranischer Seite verkneife ich mir trotz schöner Natur das Fotografieren. Ein militärischer Wachposten löst den nächsten ab und die Geschichte (aus verlässlicher Quelle) über einsitzende Touristen, die aus Versehen militärische Anlagen fotografiert haben, geht mir nicht aus dem Hinterkopf.

Nahe dem iranisch-armenischen Grenzposten Nourzud/Agarak taucht mit Moghri, die erste armenische Stadt am anderen Ufer auf. Wie unwirklich wirkt dieser einstmals russische Außenposten in der wilden Berglandschaft. Kaum ein paar tausend Einwohner, aber riesige heruntergekommene Plattenbauten, die wie aus einer anderen Welt zu stammen scheinen. Der armenische Grenzbereich zum Aras-Fluss ist gesichert durch einen meterhohen stacheldrahtbewehrten Zaun, der unangenehm an den eisernen Vorhang erinnert. Die Iraner an der Grenze sind mit meinem Carnet überfordert, sonst läuft alles gewohnt korrekt. Die Armenier, verstärkt durch russische Soldaten, nehmen erstmal mein Auto in die Mangel und quälen mich dann durch einen Formalitätsmarathon, aber auch hier läuft alles korrekt.

50km hinter der Grenze quere ich den Moghri-Pass auf 2535m, dann tauchen mit Kajaran und Kapan weitere Trabantenstädte auf. Kajaran soll 8000Einwohner haben, die Skyline erinnert mehr an eine Großstadt. Beschaulicher kommt da Goris daher, wo ich mich in der Super-Herberge von Khachik Myrakyan einquartiere und das Bed & Breakfast als Basis fuer Touren zum Tatev-Kloster und nach Bergkarabach nutze.

Bergkarabach, eine kleine selbsternannte Republik auf dem Gebiet von Aserbaidschan

Es wartet (noch) vergeblich auf seine Anerkennung durch die Weltgemeinschaft. Von 150 000Einwohnern sollen 40 000 unter Waffen stehen und regelmäßige Kriegsdrohungen aus Baku sind der Normalfall. Die Region haengt am Tropf von Armenien und hat mit dem kleinen Stepanakert (40 000Einwohner) eine überraschend moderne Hauptstadt, in dem wenig an die Krisensituation erinnert. Praegender scheinen die endlosen Wäscheleinen, die einem Werbespot des “Weißen Riesen” entsprungen sein könnten. Beklemmender sieht es aus, wenn man das einst mehrheitlich muslimische bewohnte Sushi besucht. Von einstmals 30 000 Personen leben nur noch 5000 in einer Stadt, die vor allem von Ruinen geprägt ist. Das gesperrte Aghdam, am Grenzverlauf zu Aserbaidschan ist mittlerweile eine Geisterstadt, 100 000Menschen sollen hier einst gelebt haben.

Datum: 22.10.(Tag 40) - Tachometerstand: 294 148km - gefahrene Kilometer: 9341km / davon Europa 2265km / Asien 7076km - Ort: Stepanakert (Bergkarabach)

Mehr Berichte und vor allem mehr Bilder zur Vorderasien- und anderen Reisen finden sich auf http://www.dieweltreisenden.de/ bzw. http://www.dieweltreisenden.de/tagebuch/

Viel Spaß beim reinsurfen!! Gruß, Rool

Na, hat dich das Fernweh gepackt? Hier findest du bestimmt einen Iran Reisepartner.

Rool

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