Reisebericht Königsberg und Baltikum

von Horst Wehrse auf 06.06.2019

Reise in die deutsche Vergangenheit

8.15 h ist es, als wir die russische Grenze passieren und in die Königsberger Oblast fahren. Die Formalitäten dauern wieder gut eine Stunde, wir müssen eine Zolldeklaration ausfüllen. Ein Visum hatte ich mir schon vorher besorgt.


Nach Königsberg

Noch 50 km bis Königsberg, der früheren Hauptstadt von Ostpreußen oder auch der damals östlichsten deutschen Metropole.

Königsberg bzw. Kaliningrad, die Reiseführer verfallen bei der Beschreibung nicht unbedingt in Euphorie.

Das Hotel Baltica hatte ich bereits in Deutschland gebucht, ein Taxi bringt mich dort hin. Es dauert und dauert, die Innenstadt liegt schon lange hinter uns, einige Zweifel an der Redlichkeit des Taxifahrers beschleichen mich, was hat man nicht alles schon gehört und gelesen, dann, endlich, sind wir da.

Die Dame am Empfang spricht sehr gut deutsch, ich checke ein und tausche, 1 DM = 11 Rubel.

Nach kurzer Pause bestelle ich ein Taxi und fahre in die Innenstadt, besichtige den Dom, der gerade restauriert wird, und mache einen langen Spaziergang am Pregel entlang.

Geradezu entsetzt bin ich beim Anblick des „Haus der Räte“, das auf dem Fundament des alten Stadtschlosses gebaut, aber nicht vollendet wurde. Angeblich, so lese ich Jahre später, wird das legendäre Bernsteinzimmer in den nicht mehr zugänglichen Kellerräumen vermutet, zumindest ist dieses eine von mehreren Thesen.

Der Straßenzustand ist schlecht, besonders unangenehm ist das Überqueren von Straßenbahnschienen, da sie nicht in die Pflasterung eingebettet sind.

Abends esse ich Königsberger Klopse, sie sind ganz lecker, aber mit unseren nicht zu vergleichen. Als Getränk wähle ich Ostmark-Bier.

Im Hotel ist nicht sehr viel los, bei den Gästen handelt es sich überwiegend um Deutsche jenseits der 60.

Ein Balalaika-Orchester vermittelt die richtige Stimmung.

Bei der nächsten Fahrt in die Innenstadt werde ich von einem „alten“ Bekannten chauffiert, am Ankunftstag hatten wir schon einmal das Vergnügen.

Er klopft an meine Hoteltür, stellt sich als Mitglied der Taxi-Brigade vor und will den Tagesablauf mit mir planen. Eine Stunde kostet 15,-- DM.

Auf zum Baltikum

Wir fahren zunächst zum Südbahnhof und erwerben für den nächsten Tag ein Busticket nach Klaipeda.

Anschließend geht es zum Dohna -Turm, in dem das Bernsteinmuseum untergebracht ist.

Ich halte mich eine gute Stunde auf und spaziere dann am Schlossteich entlang zur Universität. Hier, am Kant-Denkmal auf dem Uni-Gelände, das von der Zeit – Herausgeberin Marion Gräfin Dönhoff gestiftet wurde, bin ich mit dem Taxifahrer verabredet. Mein Vorschlag, uns in einem zentralen Hotel zu treffen, wurde nicht akzeptiert, angeblich herrscht dort die Mafia.

Jurij Jakovlev, mein Fahrer, spricht halbwegs deutsch und entwickelt sich zu einem perfekten Stadtführer.

Ich frage nach der Hufenallee, hier wurde Herr Seddig, mein Chef, geboren. Sofort wird ein Stadtplan aus den 30er Jahren gezückt. Wir erkennen, dass diese Allee nunmehr ein Teilstück des Mira-Prospekts ist, zwischen Theater und Luisenkirche.

Die Kirche wird heute als Puppentheater genutzt. Wir besichtigen einen deutschen Friedhof, die Grabsteine mit deutschen Namen wurden entfernt.

Jurij ist sehr kundig, er versucht eindrucksvoll, mir seine Stadt näherzubringen, mir die Vorstellung zu geben, wie schön Königsberg früher gewesen sein muss.

Einige alte Schilder sind noch lesbar, so z.B. das der früheren Kreuzapotheke.

Unsere Fahrt geht weiter am Königstor vorbei zum Sackheimer Tor, an der ehemaligen Reichsstrasse 1 gelegen.

Auf dem Weg zum Hotel kommen wir noch an einer Straßensperre vorbei, es wird kontrolliert, ob bewaffnete Bürger aus dem Kaukasus unterwegs oder ob Bernsteinschmuggler auf dem Weg nach Litauen sind.

Am nächsten Morgen bringt mich ein anderer Fahrer zum Bahnhof, auf seiner Mütze steht „Sportverein Hannover-Limmer“.

Es sind etwa 160 km bis Klaipeda, dem früheren Memel. Ein Zaun zeigt uns den Beginn der Kurischen Nehrung. Das Wetter ist schön, ein sonniger Herbsttag, auf der Strasse ist wenig los. Nach zwei Stunden Busfahrt erreichen wir die Grenze.

Die Abfertigung auf russischer Seite dauert 30 Minuten, auf litauischer Seite schaffen wir es in der halben Zeit.

Wir müssen das gesamte Gepäck aufnehmen und durchleuchten lassen.

Zur Kurischen Nehrung

Jetzt sind es noch 60 km bis Klaipeda.

Manchmal ist die Ostsee oder das Kurische Haff zu sehen.

Wir nehmen einige Pilzsammler im Bus mit, ab und zu klingelt ein Handy.

Elche sind, obwohl Hinweisschilder davor warnen, leider nicht zu beobachten.

Die Schrift ist jetzt auch wieder für Westeuropäer leserlich, in Litauen wird lateinisch geschrieben.

Der Bus hält auf einem Parkplatz an, jetzt trennt uns nur noch das Haff von Klaipeda.

Also warten wir auf die Fähre. Eine hübsche Frau erzählt mir einiges über den Ort, sie spricht kein deutsch, aber sehr gut englisch. Sie arbeitet in Emden. Da ich noch kein Geld getauscht habe, schenkt sie mir das Ticket für die Überfahrt.

Sie meint, das schöne Spätsommerwetter sei die Ausnahme, normalerweise regnet es in dieser Zeit.

Im Klaipeda-Hotel werde ich die nächsten Nächte verbringen.

Zu meiner Überraschung hat die BLG (Bremer Lagerhaus Gesellschaft) hier ein Büro angemietet.

Die Stadt ist gemütlich, viele Menschen können deutsch oder englisch, die Atmosphäre ist lockerer, mir gefällt es.

Zum touristischen Pflichtprogramm gehört der Besuch des Denkmals „Ännchen von Tharau“.

Ein Ausflug nach Nida (Nidden) gehört ebenfalls dazu, mit Bus fahre ich in dieses schöne Städtchen, wo bereits Thomas Mann früher ein Sommerhaus sein eigen nannte.

Hier erwerbe ich mein erstes Souvenir aus Bernstein.

Ich mache eine ausgedehnte Wanderung auf der riesigen Düne, kann sowohl das Haff als auch die Ostsee sehen, in der Ferne Russland.

Vor Abfahrt des Busses lege ich noch eine Verschnaufpause ein und lerne ein deutsches Paar kennen, wir werden uns in den nächsten Wochen noch zwei mal begegnen. Ein kleiner Zahnschmerz dämpft meine gute Stimmung etwas.

Im Postgebäude besteht eine Möglichkeit, im Internet zu surfen, ich versende einige mails.

Man sieht viele deutsche Autos, teils noch mit altem Firmenaufdruck.

Beim Abendessen im „Schwarzen Kater“ wundere ich mich über die vielen hübschen Frauen, mir scheint, es herrscht Frauenüberschuß.

Ein dänischer Vermögensberater, den ich in der Hotelbar kennenlerne, empfiehlt mir ein Hotel in Riga, meinem nächsten Ziel.

Nach Riga

Pünktlich um 8.oo h setzt sich der Bus nach Riga in Bewegung. Wir passieren Orte mit fremden Namen, Palanga, Liepaja, Saldus. An der Grenze zu Lettland benötigen wir jeweils 5 Minuten, Kennet, der Däne, hat mal drei Stunden gebraucht.

In Riga angekommen tausche ich zunächst etwas Geld. Ein Taxifahrer verlangt einen Wucherpreis für die kurze Fahrt ins empfohlene Hotel Radi un Draugi in der Innenstadt. Eine Dame hört das Feilschen und winkt mir zu, mit ihr zu gehen.

Nach kurzer Zeit erreichen wir das Hotel, leider ausgebucht, die im Klaipeda-Hotel vorgenommene Reservierung hat nichts genützt.

Also wieder den Reiseführer hervornehmen, das Hotel Laine erscheint mir geeignet. Die freundliche Dame an der Rezeption ruft dort an, es gibt ein freies Zimmer, der Fahrer von Radi un Draugi fährt mich, findet das Hotel aber nicht auf Anhieb.

Der erste Eindruck von Riga ist phantastisch, und dann noch das schöne Herbstwetter. Ich fühle mich Riga etwas verbunden, hatte doch meine Lehrfirma, die Elektrogroßhandlung Friedrich Marienfeldt, vor dem Krieg ihren Sitz in Riga und mein erster Chef wurde hier geboren.

Insgesamt wirkt Lettland verlassener und nicht so sauber wie Litauen. Beim Spaziergang sehe ich elegante Leute, aber auch einige in heruntergekommener Kleidung, eine ältere Frau hat noch Zeitungen um die Füße gewickelt, die aus den Schuhen herausschauen.

Der Blick auf die Altstadt, die Brücken, die vielen Kirchen, ist wunderschön. Plötzlich fühle ich mich in der Heimat: die Bremer Stadtmusikanten. Es ist, wie ich später lese, ein Geschenk Bremens aus den 90er Jahren.

Auch in Riga sieht man viele Busse und LKW mit deutschen oder anderen Firmennamen.

Neben meinem Hotel ist eine Musikschule, tagsüber ist immer Gesang zu hören.

Man kann in Riga wunderschön bummeln, es gibt viel zu sehen. Große Parks laden zum Verweilen ein, ich schlendere durch die Esplanade mit dem J. Rainis-Denkmal, an seinem Geburtstag wird alljährlich ein Literaturfestival eröffnet.

In der Innenstadt ist der Pulverturm, ein früherer Verteidigungsturm, sehr sehenswert, der Dom mit Domplatz, der Gildeplatz mit den Gildehäusern, das Katzenhaus, das Drei-Brüder-Haus, das Schwedentor und, und, und. Man kann diese Aufzählung noch lange fortsetzen.

Auf dem Domplatz treffe ich wieder die beiden deutschen Reisenden.

Mein Zahn zwickt und macht mir etwas zu schaffen.

Einen grandiosen Ausblick habe ich vom Turm der Petrikirche, einen weiteren wunderschönen Panoramablick auf die Stadtsilhouette hat man vom anderen Ufer der Düna (Daugava).

Das Schloss kann momentan nicht besichtigt werden, es wird renoviert und soll zum Sitz des Staatspräsidenten ausgebaut werden.

Im Park nahe meinem Hotel ist die orthodoxe Christi-Geburt-Kathedrale, sie wurde zu UdSSR-Zeiten als Planetarium und Haus des Wissens zweckentfremdet und wird nun wieder ihrer alten Bestimmung zugeführt.

Mit dem Zug fahre ich nach Jurmala, einem Ort an der Ostsee mit langem schönen weißen Strand. Man kann kilometerweit laufen und trifft nur wenige Menschen.

Lettland hat noch erhebliche wirtschaftliche Probleme, oft sieht man Bedürftige im Müll nach Nahrung suchen, die Arbeitslosigkeit soll auf dem Land relativ hoch sein, so jedenfalls berichtet mir eine Hotelangestellte, die nebenbei Management und Ökonomie studiert.

Nach Tallin

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Mit dem Autobus fahre ich dem nächsten Ziel entgegen, es sind etwa 315 km bis Tallin, früher Reval.

Die Lektüre passt bestens, ich lese „Verwehte Blätter“ von Camilla von Stackelberg, gerade jetzt handelt das Buch von Riga und Reval.

Es werden einige Pausen eingelegt, die Toiletten sollte man nur aufsuchen, wenn es nicht mehr anders geht. Zwei Löcher in der Erde und bestialischer Gestank.

An der Grenze müssen wir 30 Minuten warten, kontrolliert wird nur auf estnischer Seite. Ein Japaner muss den Bus verlassen, sein Visum ist abgelaufen.

Deutsche benötigen seit dem Frühjahr 1999 kein Visum mehr für den Besuch der baltischen Länder.

Die Holzhäuser in den Ortschaften, die auf unserem Weg liegen, könnten einen Farbanstrich vertragen.

In Tallin angekommen fährt der Bus erst zur Helsinki-Fähre, dann zur Stockholm-Fähre, zum Schluss zum Busbahnhof.

Mit dem Taxi fahre ich zum Hotel Mihkli, tausche Geld, um den Taxifahrer bezahlen zu können. Mein restliches lettisches Geld wird leider nicht angenommen bzw. umgetauscht.

Der Zimmerpreis schließt Frühstück und Sauna am Vormittag mit ein.

Beim Abendessen im Hotelrestaurant wird die Vor- und Hauptspeise zu meiner Verwunderung zeitgleich serviert.

Beim Zimmerfernsehen kann man unter verschiedenen Kanälen wählen, sogar ein kostenloses Pornoprogramm ist eingespeist.

Bei herrlichem Sonnenschein spaziere ich ins Zentrum. Es zieht mich sofort auf den Domberg und ich bin fasziniert.

„ Kiek in de Kök“ -ein alter Kanonenturm-, die russische Kathedrale mit den schönen Zwiebeltürmen, der lange Hermann oder Pik Hermann, das Schloss, die alten Stadtmauern, die grandiose Aussicht, einfach wunderschön!

Nach einer Bierpause auf dem Rathausplatz geht es weiter zu den alten Gildehäusern, zur Dicken Margarete, vorbei an der Olevistekirche mit dem imposanten Turm, den die Seefahrer von weitem erblicken und sich somit besser orientieren können.

Im Vergleich zu Riga gibt es in Tallin nicht die drei Brüder, sondern das Drei-Schwestern-Haus, ich laufe allerdings erst an dem Ensemble vorbei und bemerke es nicht.

Im Staatsarchiv befindet sich ein Internetcafe.

In der Rathausumgebung sieht man eine Reihe schöner Restaurants, um das leibliche Wohl braucht man sich nicht zu sorgen. In einem Lokal findet eine Folklore-Aufführung statt, die Gästeschar besteht ausschließlich aus Japanern.

Mein Zahn macht mir doch mehr und mehr zu schaffen, also gehe ich in die Zahnarztpraxis in meinem Hotel. Die Zahnärztin erkennt gleich, dass Nerven bloß-liegen, gibt mir eine Spritze, dreht die Nerven heraus und verschließt den Zahn wieder.

Die Einrichtung ist etwas altmodisch, die Ärztin erschien mir sehr kompetent, sie arbeitet mit Mundschutz jedoch ohne Handschuhe.

Unter dem Spucknapf ist ein Sieb, in dem alle Behandlungs- und Zahnreste aufgefangen werden, nicht jedermanns Sache.

Beim Bezahlen bin ich angenehm überrascht, es sind lediglich DM 38,--fällig, sehr akzeptabel.

Mit dem Bus fahre ich ins benachbarte Pirita, zurück gehe ich zu Fuß an der Ostsee entlang, immer das schöne Panorama von Tallin vor Augen. In der Höhe des Sängertheaters hält ein amerikanischer Straßenkreuzer an, ein Brautpaar entsteigt und lässt sich mit der Ostsee im Hintergrund fotografieren. Im Cotton-Club spielt eine Liveband, sie sagt mir aber nicht sonderlich zu. Leider gibt es keine Theke und ich habe Probleme, Kontakt zu den anderen Gästen herzustellen.

Nach St. Petersburg

Im Busbahnhof erwerbe ich bei Eurolines ein Ticket nach St. Petersburg. Der Bus setzt sich bei ungemütlichem Regenwetter pünktlich in Bewegung, nach einer Stunde müssen wir allerdings eine Zwangspause einlegen, Motorschaden. Etwa drei Stunden warten wir auf den nächsten Linienbus, glücklicherweise ist genug Platz für uns vorhanden. Ein vor mir sitzender Este meint, er hätte die Panne bereits in seinem heutigen Horoskop gelesen. Bei schönerem Wetter wäre es bestimmt eine tolle Fahrt gewesen, braunes Herbstlaub, kleine Hügellandschaften, teilweise fühle ich mich an die holsteinische Schweiz erinnert. Trotz der mehrstündigen Unterbrechung bleiben alle Passagiere gelassen, man stelle sich diese Situation in Deutschland vor. Es tropft etwas durch die Busscheiben. Eine junge Frau legt, anstatt zu lamentieren, ihr Regencape über den Schoss. An der Grenze warten wir eine knappe Stunde, auf russischer Seite wird wieder das gesamte Gepäck durchleuchtet, Probleme mit dem Visum gibt es nicht. Um 22.30 h Ortszeit erreichen wir die alte Zarenstadt St. Petersburg. Der Busfahrer meint, dass ich das Hotel bequem mit der Metro erreiche, ich entschließe mich aber für ein Taxi. Es ist eine längere Fahrt, wegen der schlechten Scheibenwischer kann ich nicht viel erkennen. Das Hotel Moskwa scheint in deutscher Hand zu sein, aus jeder Ecke dringen deutsche Wortfetzen. Im Fernsehen ist wieder „Deutsche Welle“ zu empfangen, ich erfahre, dass Raissa Gorbatschow verstorben ist. In den anderen Sendern oder in der Zeitung hatte ich davon noch nichts vernommen. Im Restaurant gibt man mir, obwohl offiziell schon geschlossen, noch etwas zu essen. Eine tolle Band spielt das letzte Stück für diesen Abend. Zum Geldtauschen brauche ich wieder meinen Pass, den hatte ich jedoch beim Einchecken abgegeben, nach kurzer Zeit und gutem Zureden ist auch dieses Problem gelöst. Erstaunlich, dass dieser Service noch gegen Mitternacht geboten wird. Das Handy kann ich hier ebenfalls wieder aktivieren. An der Hotelbar unterhalte ich mich längere Zeit mit einem russischen Portraitmaler und mit einem Finnen. Beim Frühstück erfreut uns ein Klavierspieler mit bekannten Melodien. Eine Citytour, der ich mich gern angeschlossen hätte, findet wegen mangelnder Teilnahme nicht statt und der Gedanke, bei Intourist nachzufragen, kommt mir nicht. Also los auf Schusters Rappen, es ist diesig und trübe, der Straßenverkehr hält sich noch in Grenzen. Den ganzen Newski-Prospekt hinauf, zuerst erscheint mir die Strasse etwas trist, ab dem Moskauer Bahnhof wird es lebendiger. Manchmal drängeln sich kleine Kinder heran und betteln. Über die Fontanka geht es zum Denkmal der Zarin, dann zur schönen Erlöserkirche, leider hatte sie noch geschlossen. Dann endlich der Schlossplatz mit dem prächtigen Winterpalast, in dem sich die weltbekannte Eremitage befindet. Gut zwanzig Jahre vorher hatte ich schon einmal das damalige Leningrad besucht, an diesen Teil der Stadt kann ich mich noch gut erinnern. Die Admiralität, die Peter und Paul-Festung auf einer Neva-Insel, es kommt mir alles bekannt vor und entzückt mich. Die Isaak-Kathedrale kann nur mit einer Eintrittskarte betreten werden, Touristen und Einheimische bezahlen unterschiedliche Preise. Der Besuch ist das Geld allemal wert. Ich vermisse den Pendel, der, genau wie im Deutschen Museum in München, die Erdbewegung demonstriert. Sollte ich mich getäuscht haben, eigentlich bin ich ganz sicher, dass diese Demonstration früher bestanden hat. Das Wetter klärt sich auf, also nehme ich an einer Stadtbesichtigung per Boot teil. Außer mir sind nur Russen an Bord, die Führerin erzählt ohne Pause, die russischen Gäste werden bestens informiert, auf englisch sagt sie leider nur das Allernötigste. Von der Neva geht es durch den Winterkanal, über die Moika, am Puschkin-Haus vorbei zum Schloss. Wir sehen den Sommerpalast und auch die Aurora, sie wird nur kurz erwähnt. Bei meinem ersten Besuch der Stadt war das noch ganz anders, wir hielten uns stundenlang auf bei dem Schiff, von dem der Schuss, der das Ende des Zarenreiches einläutete, abgefeuert wurde. Die Metro-Stationen erstrahlen wie immer in ihrer Pracht. Hier wurde viel Marmor verwendet. Man kann die U-Bahn-Schienen nicht immer sehen, in manchen Stationen sind durchgehend Wände, durch eine Tür geht es direkt in den Zug. Das Hotel Moskwa liegt am Ende einer Untergrundbahn, die Station befindet sich, wie praktisch, direkt unter dem Hotel. Dem nahegelegenen Newski-Kloster statte ich noch einen Besuch ab, ein alter Schiffsingenieur spricht mich an und bittet um etwas Geld.

Nach Helsinki

Mittags um 12.00 h startet der Bus in Richtung Helsinki, ich verlasse St. Petersburg mit dem festen Vorsatz, noch einmal wiederzukommen. Der Strassenzustand ist relativ gut, wir fahren lange durch ein Waldgebiet, häufig bieten Einheimische ihre Produkte aus dem heimischen Garten an, Blumen, Kartoffeln, Gemüse. In Vyborg, das früher zu Finnland gehörte, machen wir eine längere Pause, eine Blaskapelle unterhält uns mit schönen Melodien, die meisten Stücke kenne ich nicht.

Bis zur Grenze werden wir noch einige Male kontrolliert und müssen unsere Pässe zeigen. Eine aktuelle Zollerklärung hatte ich nicht ausgefüllt, der Fahrer hat uns zwar darauf aufmerksam gemacht, aber wenn man kein russisch versteht...... Die Zollbeamtin akzeptiert meine Erklärung, zwei Russen werden strenger gefilzt. Im Duty-free-Shop frischen die Finnen ihren Alkoholvorrat auf.

Jetzt sind es noch 179 km bis Helsinki, nach insgesamt 8 Stunden Fahrt erreichen wir die finnische Hauptstadt. Mein nächstes Domizil ist das finnische Appartementhaus Fenna. Es ist Samstag Abend, die Stadt lebt, in allen Straßen ist ein gewaltiges Treiben. Ich bin sofort von Helsinki eingenommen. Nie habe ich gedacht, dass hier so viel los ist und am Wochenende eine derart ausgelassene Atmosphäre herrscht. Die Stadt hat viel zu bieten, besonders gefällt mir der Dom, aber auch alle anderen Bauwerke und Sehenswürdigkeiten haben es in sich, das Rathaus, der Präsidentenpalast, der Marktplatz, die Esplanade, die russisch-orthodoxe Uspenski-Kathedrale. Hier wird gerade ein Gottesdienst abgehalten, ein Chor singt wunderschön. Mit der Straßenbahnlinie 3 T kommt man an fast allen sehenswerten Plätzen vorbei. Man kann sich gut orientieren, die Schriftinformation in der Bahn ist teilweise viersprachig. Nach dem Drei-Männer-Haus in Riga und dem Drei-Mädchen-Haus in Tallin überrascht die finnische Hauptstadt mit einem Drei-Schmiede-Denkmal. Ein Besuch der Felsenkirche darf natürlich nicht fehlen. Die Finnen bezahlen, so ist es mir in Helsinki jedenfalls aufgefallen, viel mit Credit-Card, auch relativ kleine Beträge. Im Storyville, einem Jazzclub höre ich ein Konzert des Black Riders Trio.

Nach Hause

Leider ist jede Reise einmal zu Ende, ich buche einen Platz auf der Fähre nach Stockholm. Noch lange stehe ich an der Reling und genieße das schöne Panorama der Stadt im Abendlicht, ich kann mich am Dom und an der Kathedrale, die immer kleiner werden, gar nicht satt sehen. Die Übernachtfahrt auf der Fähre ist ein Erlebnis, über 10 Etagen, mehrere Bars und Restaurants, eine Diskothek mit super Band.Gegen Morgen erreichen wir Stockholm, abends steige ich in den Zug, der mich über Kopenhagen nach Hause bringt.

Bei uns findest du bestimmt einen Reisepartner für deinen nächsten Trip!

Horst Wehrse

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