Reisebericht Fukuoka in Japan

von pille palle am 04.06.2019

Von 99 Luftballons, totem Fisch und einer tollen Zeit

Japan: Das bedeutet für viele Unterhöschenautomaten, Spielhallen und Karaoke, Feuerwerke, sich ständig verbeugende und ständige fotografierende Asiaten, rohen Fisch, grünen Tee, Sake, Otaku, Lärm, Mangas und Anime, Tokyo und …Fukuoka. Mein Zielort für drei Monate. Drei Monate, die mit die besten und interessantesten überhaupt waren!


Eine Faszination für Japan

Seit über zehn Jahren fasziniert mich dieses Land, seine Kultur, die Sprache, die Menschen, das Essen und überhaupt alles! Da man nun (vor allem) Japanisch am besten im Land selbst studiert und anwendet, entschloss ich mich, meine bisherigen Japanischkenntnisse in einem Sprachkurs zu vertiefen und anschließend ein Praktikum zu machen. Formalitäten erledigt, Sachen gepackt und dann war es Ende August auch schon soweit:

Ich saß in der JAL Boing 747 Flug Frankfurt/ Main – Tokyo. Nach ca. 13 Stunden Flug landete der Flieger am Narita Flughafen, kurzer Zwischenstopp, neuen Flieger besteigen und noch ca. eine Stunde gen Süden nach Fukuoka, auf der Insel Kyushu liegend, fliegen.

Fukuoka ( 福岡 ) ist mit seinen ca. 1,3 Millionen Einwohnern die achtgrößte Stadt Japans und zählt heute zu den fortschrittlichsten und multi-kulturellsten Städten des Landes. Da ich von der Stadt anfangs wenig wusste, war ich umso gespannter auf die bevorstehende Zeit!

Meine Wohnung lag absolut zentral, in der Oyafuku-dori ( 親福鳥 ). Geschäfte, Clubs und meine Sprachschule in unmittelbarer Nähe. Ich wohnte im zehnten Stock in einer typisch japanischen Wohnung, zusammen mit einer Japanerin und einer anderen Sprachschülerin zusammen: Tatamimatten im Zimmer, Schiebetüren, der obligatorische Balkon und die noch obligatorische Klimaanlage. Man sollte dazu wissen, dass es in Japan in den Sommermonaten extrem schwül-warm werden kann, was zum einen erklärt, warum Japaner(innen) oft mit einem Plastikfächer herumlaufen und sich Luft zu fächeln. Diese Plastikfächer werden von Angestellten eines Geschäfts verteilt (das nenne ich Arbeitsplätze schaffen!) und dienen mit ihren Werbeaufklebern dazu, ein bisschen Extra-Werbung für das Geschäft zu machen. Eine sehr praktische Sache sind auch noch die „Pseudo-Tempo-Taschentücher“, ebenfalls in Werbung eingepackt, die umsonst verteilt werden (ich hatte irgendwann ein Arsenal an diesen dünnen, zwei-lagigen Taschentüchern).

Meine Sprachschule in Japan

Meine Sprachschule Asahi Nihongo ( 朝日日本語 ) war klasse: sehr nette Lehrerinnen, tolle „Mitschüler“ und tolle Veranstaltungen. Ich kann wirklich sagen, ich habe in diesen drei Monaten mehr Japanisch gelernt als in vier Semestern aufgegeben Studiums. Aber das nur am Rande!

Essentiell wichtig für einen gaijin ( 外人 ), also Ausländer, wie mich war einen Ort zu haben, an dem man kostenlos ins Internet gehen konnte. Mit dem Stadtplan in der Hand machte ich mich auf zum IMS-Einkaufshaus (Inter Media Station), in dem es im achten Stock eine Einrichtung für Ausländer gab, das Rainbow Plaza und beantragte dort eine Mitgliedskarte. Mit dieser konnte ich dann kostenlos in Internet, Bücher und Filme ausleihen und das Schwarze Brett nutzen. Eine tolle Einrichtung, vor allem, wenn man Ausländer und neu in der Stadt ist.

Die Feuerwerke Japans

Ich erwähnte ganz am Anfang die Feuerwerke. In Japan gibt es unzählig viele Feuerwerke und von der Länge und der Machart her können deutsche Pyrotechniker von den Asiaten noch einiges lernen. Als ich an einem Ausflug nach Shimonoseki ( 下関 ) konnte ich mir nicht wirklich vorstellen, wieso es bereits mehrere Kilometer vor unserem Ziel und mehrere Stunden, bevor das Feuerwerk um 21 Uhr beginnen sollte, zu einem Auto-Stau kam – Konnte ein Feuerwerk wirklich so gut sein, dass es so viele Leute sehen wollten??? Es konnte! Stunden vor dem Beginn suchten wir ein möglichst gutes Plätzchen mit Blick auf die knapp 1000 Meter breite Shimonoseki-Meerenge, packten unsere Essenssachen aus und warteten gespannt auf die insgesamt 13,000 abzufeuernden Knallkörper. Ca. zwei Stunden ging das ganze Spektakel und ich hatte noch nie so viele Fotos geschossen. Ich war infiziert von den Japanern um mich herum, die ebenfalls fotografierten und die ganze Zeit „aahhh“ und „ooohhh“ als Zeichen ihrer Verzückung riefen. Und ich rief mit und begann, japanische Verhaltensweisen anzunehmen! Wer längere Zeit in Japan ist, der wird davor nicht gefeit sein. Irgendwann zum Beispiel verbeugt man sich automatisch, entschuldigt sich ständig und ist wie ganz selbstverständlich mit Stäbchen. So ging es zumindest mir und dieses Verhalten hielt auch nach Monate nach meiner Rückkehr nach Deutschland an!

In Dingen wie Ausrufen bin ich nun noch ganz gut, wenn es aber zum Singen kommt, dann,…naja. Jedenfalls sollte man nicht einmal in Japan gewesen sein, ohne Karaoke ( カラオク) gesungen zu haben! Ich und Karaoke? Erst rollten sich mir etwas die Fingernägel nach oben, allein die Vorstellung vor andern zu singen bereitete mir Angstschweißausbrüche. Aber ich kam nicht daran vorbei. Das tolle in Japan ist, dass es überall irgendwelche Karaoke-Läden gibt, entweder als reinen Karaoke-Laden oder in riesigen Spielhallen, in denen man für einen festgesetzten Eintrittspreis die bescheuertsten Spiele nutzen kann, Mangas lesen oder Animes schauen darf, sich auf einem Massagesessel (wieso gibt es das nicht in deutschen Läden?) durchkneten lassen kann oder eben einen Raum mieten kann, natürlich Schall isoliert, um in den schiefsten Tonlagen zu singen. Meistens ist es in Karaoke-Läden so, dass man einen bestimmten Betrag zahlt und einen Raum zugewiesen bekommt, in den ziemlich viele Menschen hineinpassen. Dort hat man dann TV, Mikros und dicke Kataloge mit der verschiedensten Musik zur Nutzung. Desweiteren kann man sich Essen und Trinken bestellen, dass dann in den zugewiesenen Karaoke-Raum gebracht wird. Und nach ein paar kühlen Bier der Marke Asahi beginnt man das ganze dann auch extrem lustig zu finden und kann gar nicht mehr aufhören, das in japanischen Karaoke-Läden vorhandene Lied „99 Luftballons“ von Nena zu singen! Karaoke ist ein absolutes Muss für jeden!

Japan ohne Sashimi- geht nicht

Und was wäre Japan ohne Sashimi ( 刺身 ), rohes Fischfleisch und Sushi ( 鮨 )? Vegetarier sollten das Folgende besser nicht lesen, allen anderen sollten, wenn sie einmal in Fukuoka sein sollten, das „Zaou Seafood Restaurant“ besuchen Das Restaurant ist in einen Schiffsbug integriert. Im Restaurant selbst gibt es Wasserbecken, in denen die verschiedensten Fischsorten, Tintenfische und Langusten herumschwimmen. Das Konzept des Restaurants ist nun folgendes: Man bekommt zuerst einmal seinen Platz (oder auch Raum, abhängig von der Größe der Gruppe) zugewiesen und dann eine Angel. Der Besucher sucht sich ein Wasserbecken mit ansprechendem Inhalt aus (z.B. einen quicklebendigen dicken Fisch), wirft die Angel aus und hofft, dass der Fisch anbeißt. Tut er das, ist das gut für den Besucher, denn dieser hat soeben sein Abendessen gefangen, schlecht für den Fisch, der als Abendessen herhalten muss. Sobald man nun den Fisch gefangen hat, ruft ein Angestellter laut den eigenen Namen durchs ganze Restaurant, beglückwünscht dich zu deinem Fang und auf Kommando des Angestellten klatschen alle anderen Besucher gleichzeitig in die Hände. Man entscheidet dann, wie der Fisch zubereitet werden soll (als Sashimi, gebraten,…) und so kommt ein garantiert fangfrischer Fisch auf den Tisch! Ich entschied mich für Sashimi. Im Nachhinein tat mir der Fisch etwas leid, wie er schön filetiert und dennoch im Ganzen, noch leicht nach Luft schnappend auf den Tisch kam (aber ich glaube, das waren nur Reflexe)…

Ich könnte noch so vieles andere schreiben, über das Essen, die Parties, die Kultur und die netten Menschen, die ich getroffen habe, aber ich will niemanden unnötig langweilen. Sicher für mich ist nur, ich werde auf jeden Fall wieder einmal (und dann für länger) nach Japan zurückkehren. NächsteStation: Tokyo!

Ein paar Hinweise

- es gibt unzählige Getränkeautomaten in Japan, die von Wasser zu Tee hin zu Bier, über Cola zu warmen Kaffee alles anbieten. Und das für wenig Geld!

- Es gibt 24/7-Läden (Conbini [コンビニ], abgeleitet von Convinience-Store, genannt) wie „Lawson“, „AM PM“ und „Family Mart“. Dort kann man rund um die Uhr Essen, Zeitschriften, Getränke, Büroartikel,… einkaufen. Absolut toll und nahezu an jeder Straßenecke zu finden!

- Japanisches Essen besteht nicht nur aus Sushi. In Japan kann man alles mögliche essen: Hakata Raamen ( 博多ラ-メン ) zum Beispiel ist eine lokale Spezialität aus Fukuoka; Natto sind fermentierte Sojabohnen (extrem gewöhnungsbedürftig!); Okonomiyaki ( お好み焼き) ist so etwas wie ein Pfannkuchen mit verschiedenen Belägen, den man selbst auf einer heißen Platte zubereitet (absolut empfehlenswert); Tempura (天ぷら) ist frittiertes Gemüse, Fleisch oder Fisch; Yakitori ( 焼き鳥 ) ist gegrilltes Hühnchen am Spieß (sehr lecker); Karre Raisu ( カレ-ライス)nennt sich Curry und Reis nach japanischer Art; Onigiri (おにぎり ) sind Reisballen in Seetang eingehüllt und manchmal mit Füllung (ein super Snack für zwischendurch oder wenn man unterwegs ist!); Daifuku (大福) ist ein aus Reismehl geformter Ball mit süßer Bohnenpastenfüllung (hat die Konsistenz wie ein Anti-Aggressions-Knautschball, ist super süß und eines meiner absoluten Lieblingssnacks). Des weiteren gibt es auch ausländische Küche!

- In Japan kann man sehr billig essen, wenn man weiß, wo. In Schnellrestaurants (kein Vergleich zu deutschen Imbissen) bekommt man oft schon ein Menü (Vorspeise wie Suppe, Hauptgericht und eine kleine Nachspeise) für 5 €, Tee ist inklusive und kann dabei sooft nachgeschenkt werden wie man mag! Für Japanisch-Laien gibt es in der Vitrine alle Gerichte in Plastik dargestellt. Also einfach draufzeigen und das war’s ;)!

- Japan hat ebenso wie wir in Deutschland Mc Donalds und Burger King, es gibt aber auch die japanische Fast Food-Kette „Mo’s Burger“, die „japanisierte“ Burger anbietet (sehr lecker, probieren lohnt sich!)

- Es gibt unzählig viele japanische Magazine, Zeitungen und Zeitschriften zu allen möglichen Themen (eine Auswahl, von der man in Deutschland nur träumen kann!)

- Leute, die an Kultur interessiert sind, sollten einmal an einer Teezeremonie teilnehmen. Sehr interessant und für den Westler etwas absolut Neues (Achtung: Leute, die langes Sitzen nicht gewöhnt sind, sollten voher eventuell Stretching machen ;)). Des weiteren gibt es wunderschöne Tempel und Schreinezu sehen, ebenso wie eine tolle Natur!

- In den Sommermonaten kann es sein, dass die Bäume ohrenbetäubende Zirpgeräusche von sich geben: Zikaden (können böse zwicken und sind einfach nur eklig!). Übrigens. Falls in der Wohnung einmal eine Kakerlake herum laufen sollte, bedeutet das nicht, dass die Wohnung nicht sauber ist. Ist eben so ;)!

- Für Raucher gibt es ebenso unzählige Zigarettenautomaten, von normalen Marken bis hin zu japanischen Marken wie „Hope“ (sehr praktisch: die Minimize-Packung, nur halb so groß wie eine normale Schachtel). Zigaretten sind in Japan um einiges billiger als in Deutschland und geraucht wird gerne und viel!

- Es heißt zwar, Japaner hätten Englisch an der Schule gelernt, aber meistens kann man das in der Praxis vergessen. Oftmals trauen sie sich einfach nicht, in einer anderen Sprache als Japanisch zu kommunizieren. Also am besten immer ein Wörterbuch dabei haben!

Als Deutscher (bzw. generell als Ausländer) fällt man auf! Größe, Haarfarbe, anders ist man immer irgendwie. Aber genau das macht manchmal ja gerade den Reiz aus, oder?

- Es gibt Internetcafés, in denen man zu einem Festpreis den ganzen Tag lang surfen, TV gucken, Essen und Trinken und gegen ein Entgelt sogar duschen kann. Wenn man also nicht weiß, was man mit seiner Zeit anfangen soll…

- Wer kann, sollte auf jeden Fall einmal in einem Ryokan ( 旅館 ) übernachten, einem traditionell japanischen Hotel. Nicht ganz günstig, aber es lohnt sich. Ich war beispielsweise in diesem Ryokan: www.taishoya.com, Saga Präfektur.

- Ein absolutes Muss ist der Besuch in einem Onsen (温泉 ), Japans heißen Quellen. Seine Scheu vor dem Nackigsein sollte man aber vor einem Besuch abgelegt haben ;) (mich jedenfalls hat es einige Überwindung gekostet). Dann aber 40 Grad heißes Quellwasser genießen und babyweiche Haut bekommen!

So, worauf noch warten? Ab nach Japan! ^-^

pille palle

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