Reisebericht Bangkok - Java - Bali

von Horst Wehrse am 03.06.2019

Eindrücke aus Thailand und Indonesien

In Amsterdam werden uns gleich nach dem Einsteigen heiße und feuchte Tücher zum Händewaschen und ein Paar Pantoffeln gereicht. Wir schreiben den 15. November 1992. Die Sicherheitsbelehrung erfolgt auch in der Gebärdensprache. Neben mir sitzt ein Thailänder aus Bangkok. Er hat in Holland seinen Urlaub verbracht und fliegt nach Hause zurück.


Bangkok

Auf dem Weg zum schon zu Hause gebuchten „Hotel Manhattan“ werde ich gleich mit dem chaotischen Verkehr der thailändischen Hauptstadt konfrontiert. Jeder der 6 Mio. Einwohner scheint unterwegs zu sein.

Nach kurzer Pause beginnt dann meine individuelle Stadttour. Zunächst fahre ich mit dem Bus in die Chinatown und halte mich dort eine ganze Weile auf. Irgendwann habe ich mich wohl in dem Gewühl der vielen kleinen Straßen und Gassen verirrt und weiß nicht mehr weiter. Zwei Thais, die Goldgeschäfte überprüfen, nehmen mich ein Stück in ihrem Auto mit. Den Rest der Strecke fahre ich mit einem Tuk-Tuk. Immer, wenn die Ampel auf grün wechselt, ist nur noch ein gewaltiges Knattern dieser Fahrzeuge zu hören.

Am Wat Pho erklärt mir der Fahrer, dass die gesamte Anlage noch geschlossen ist und erst in zwei Stunden öffnet. Er hätte da ein besonderes Angebot für mich. Ich ignoriere seinen Einwand und natürlich hat er nicht die Wahrheit gesagt, wohl eher ein zusätzliches Geschäft gewittert.

Vom „Tempel mit dem liegenden Buddha“ bin ich fasziniert. Die fast 50 m lange vergoldete Statue zieht die Zuschauerblicke magisch an. Es ist sehr viel los, Hunderte von Besuchern bewundern die Sehenswürdigkeit.

Der Königspalast zieht mich genauso in seinen Bann. Von allen Seiten glänzt das Gold, nicht nur drinnen, auch die Dächer glitzern derart, dass man meint, in einer Märchenaufführung zu sein.

Im Wat Phra Keo befindet sich der Smaragd-Buddha, auch Jade-Buddha genannt. Auch in diesem Tempel leuchtet es von allen Seiten.

Vor dem Eingang treffe ich Jürgen Gerking aus Nendorf. Wir hatten uns vor Wochen verabredet, dennoch bin ich überrascht und natürlich auch erfreut, dass es so gut geklappt hat und wir uns in diesem Menschengetümmel finden.

Zusammen fahren wir zum Wat Arun auf der anderen Seite des Chao Phraya River, steigen hinauf und haben eine phantastische Aussicht auf die Stadt.

Jürgen hat ein preiswertes Zimmer in der Kao San Road, inmitten der Traveller-Szene, für umgerechnet 4,- DM/Nacht. Wir fahren dort hin, trinken einige Mekong-Whisky und verbringen den Abend zusammen. Später statte ich dem Amüsierviertel Patpong noch einen Besuch ab.

Die Floating Markets von Bangkok

Am nächsten Morgen verschlafe ich leider und verpasse den Bus zum Floating Market.

Mein nächster Weg führt dann zum Erawan-Schrein und danach zu einer Schlangenfarm. Bei der Fütterung vertilgt eines der Tiere sieben Hühnerbeine. Es ist ganz interessant, so sehen wir, wie den Reptilien für medizinische Zwecke das Gift ausgepresst wird, zum Schluss hängen sich die meisten Besucher ein Exemplar für ein Erinnerungsfoto um den Hals.

Vor einem größeren Hotel wird ein künstlicher Weihnachtsbaum geschmückt. Bei über 35 Grad im Schatten will sich bei mir noch keine Festtagsstimmung einstellen. Polizisten tragen häufig einen Mundschutz.

Abends holt Jürgen mich aus dem Hotel ab und wir landen unbeabsichtigt in einer Gay-Kneipe.

Der Taxifahrer, der mich zum Flughafen fährt, erzählt, dass thailändische Arbeitnehmer in der Regel keinen Urlaub erhalten und ca. 5.000 Baht verdienen, 1 DM entspricht etwa 16 Baht.

Nachdem ich im International Airport meine Ausreisetax entrichtet habe, kann ich auch schon einchecken. Der Flug nach Jakarta ist sehr angenehm, der Service im Flugzeug hervorragend. In Singapur haben wir etwa eine Stunde Aufenthalt.

Java

Mit dem Bus fahre ich in die Innenstadt Richtung Gambir Bahnhof und suche mir in der Jalan Jaksa, dem Zentrum der Rucksack-Reisenden, ein Zimmer im „Bloomsteen Hostel“, es kostet 12.000 Rupien. Viele preiswerte Losmen stehen hier zur Auswahl. In den umliegenden Bars weisen Schilder darauf hin, dass die Eiswürfel aus abgekochtem Wasser hergestellt wurden.

Der erste Eindruck der indonesischen Hauptstadt ist nicht überwältigend. Einige Probleme habe ich beim Überqueren der Straßen, bei diesem rücksichtslosen Verkehr muss man gut aufpassen und genau hinschauen. Ich gehe zum Merdeka-Platz und besichtige das 132 m hohe Nationaldenkmal, eine Besteigung ist heute leider nicht möglich.

In der Nähe liegen dann noch der Präsidentenpalast und die aus weißem Marmor hergestellte Istiqlal Moschee, die größte Moschee Südostasiens.

Mit einem Sammeltaxi fahre ich zusammen mit vier weiteren Gästen nach Bandung. Es dauert etwa vier Stunden und ist sehr interessant. So fahren wir an riesigen Teeplantagen vorbei und können den Frauen aus der Ferne beim Teepflücken zusehen. Außerdem werden in diesem Gebiet auch viele Bananen geerntet. Bambus wird vielseitig verwendet, unterwegs sehe ich einige Häuser im Rohbau, das Dachgerüst besteht aus Bambus. Und natürlich liegen auch viele Reisfelder am Weg.

Bei starkem Regen verlasse ich das Auto und bin sofort nass bis auf die Knochen. Glücklicherweise brauche ich nicht lange auf den Anschlussbus nach Pangandaran zu warten. Die Weiterfahrt dauert noch einmal 6 ½ Stunden und ist längst nicht so entspannend. Unser Fahrer riskiert rasante Überholmanöver, die Straße ist schlecht, voller Schlaglöcher und unbeleuchtet, Fußgänger, Radfahrer oder Tuk-Tuks ohne Licht sind erst im letzten Moment erkennbar. Die Menschen hocken draußen vor ihren Häusern im Schutz der Dunkelheit.

Ein Indonesier empfiehlt mir einige Hotels. Er hat neben seiner Frau noch eine Freundin und ist deshalb sehr kundig. Ein anderer Mann kennt zu meiner Freude auch den ruhmreichen SV Werder Bremen. Um 20.15 Uhr sind wir am Ziel, die nächsten Nächte werde ich im „Pantai Sari“ verbringen. Mit einem Becak, einer Rikscha, fahre ich ins Zentrum zu meinem Hotel.

Pangandaran, ein kleines Fischerdorf an der Südküste Javas, ist eigentlich der Zwischenstopp für Reisende von Jakarta nach Yogyakarta. Hier verbringe ich einige gemütliche Tage, gerade nach der Hektik in Bangkok und Jakarta finde ich es hier ausgesprochen angenehm und erholsam.

Das erste Nasi-Goreng auf Java

Vor dem Hotel stehen einige Tische und man kann das Straßenleben beobachten, etwas trinken oder sich mit anderen Gästen unterhalten. Mein erstes Nasi-Goreng während dieses Urlaubs esse ich hier, etliche weitere werden noch folgen.

In der Nacht kämpfe ich mit Moskitos, zum Glück finde ich im Nachttisch noch Reste einer Moskito-Coile. Nachdem ich sie provisorisch befestigt und angezündet habe, falle ich doch noch in den Schlaf.

Am nächsten Tag bitte ich eine Frau im Hotel, mit dem Moskitospray nicht zu sparsam umzugehen, vorsorglich kaufe ich aber auch noch eine Coile, die es hier in vielen Geschäften gibt. Angeblich verursacht das Gift bei den Menschen Kopfschmerzen, ich habe glücklicherweise keine Probleme damit.

Die Häuser in Pangandaran mit den schönen Bambusdächern gefallen mir, es ist sehr geruhsam, wenig Autoverkehr, Menschen ohne Hektik. Die Verkaufs- oder Gaststättenräume werden nachts auch als Schlafzimmer genutzt. Am interessantesten finde ich es am Wasser, stundenlang beobachte ich die Fischerfamilien beim Entladen des Fanges oder beim Einholen der Netze, es wird überhaupt nicht langweilig.

Der Badestrand des Ortes, der White Beach, liegt etwas außerhalb und man muß den Nationalpark passieren und Eintritt entrichten. Einige Affen stehen auf dem Weg, sehen mich an, aber machen keinen Platz. Da ich überhaupt keine Erfahrung mit diesen Tieren habe, warte ich lieber, bis weitere Leute kommen.

Die hübschen Indonesierinnen

Das Wasser ist herrlich und ich bleibe eine ganze Zeit im Meer. Später kommt eine hübsche Indonesierin und bittet mich, sie zu fotografieren. Gerne komme ich ihrem Wunsch nach. Später gesellen sich noch zwei Freundinnen zu uns. Wir tauschen die Adressen aus und ich verspreche, allen ein Foto zu senden.

Ein Affe fummelt an meinem Rucksack herum und faucht gewaltig, als ich ihn wegscheuche.

In einem Lokal erhole ich mich bei leckerer Kokusmilch und unterhalte mich eine geraume Zeit mit der Kellnerin. Auch sie bittet um ein Foto und gibt mir ihre Adresse.

Zurück im Losmen stelle ich mit Freude fest, dass mir ein Mandi ins Badezimmer gestellt wurde. Darunter versteht man einen gefüllten Wasserbehälter, mit einer Schöpfkelle gießt man dann das kühle Nass über den Körper und fühlt sich anschließend wunderbar erfrischt.

Später lerne ich Susanne und Jürgen aus Augsburg und Sabine aus Regensburg kennen. Wir gehen gemeinsam in ein Restaurant und lassen uns den leckeren Lobster und einen Fruchtsalat schmecken. Susanne und Jürgen wollen insgesamt fünf Monate durch Indonesien, Thailand und Neuseeland traveln, Sabine ist schon acht Monate unterwegs.

Im weiteren Verlauf der Unterhaltung höre ich von Susanne, dass sie meinen Arbeitgeber, die Creditreform, kennt. Sie war bei einem Kunden von uns beschäftigt, in der Augsburger Filiale der Firma Bindan aus Stuhr bei Bremen.

Eine Disko auf Java

In einer Diskothek beenden wir den Abend. Es gefällt mir nicht so gut, die Musik ist nicht nach meinem Geschmack und der Rauch der Zigaretten mit Nelkenzusatz oder Nelkengeschmack hängt schwer in der Luft. Später kaufe ich mir auch einmal Zigaretten dieser Sorte, sie schmecken mir aber nicht.

An einem der nächsten Tage schließe ich mich einer geführten Dschungeltour an. Wir sind zu viert, Annett und Niels aus Holland, Kemal der Führer und ich. Kemal ist ein fröhlicher Mensch, in allen Ländern der Erde hat er Freundinnen.

Es geht ganz schön aufwärts und der Marsch in diesem schweren und glitschigen Boden macht mir etwas zu schaffen, immer wieder rutschen wir aus, nur Kemal in seinen Halbsandalen oder auch Badelatschen hat keine Probleme. Er erklärt uns, dass „Reisfrau“ die Übersetzung von Pangandaran ist.

Die Tierwelt ist ganz interessant, so sehen wir außer vielen Affen noch ein Stachelschwein in einer Höhle, Tukane, Fledermäuse, fliegende Hunde, Schlangen und viele Geckos. Die berühmte und hier heimische fleischfressende Pflanze kriegen wir leider nicht zu Gesicht. Um uns herum ein Gezirpe, Geschrei und Gequake.

An einem Wasserfall entledigen wir uns der Kleidung und baden nackt oder in Unterwäsche, es ist eine unbeschreiblich schöne Erfrischung. Wir können uns sogar hinter dem Fall aufhalten. Leider rutsche ich einmal aus und verletze mich etwas am Fuß.

Später kommen wir noch an die sogenannte Blaue Lagune und können auch hier ein Bad nehmen, zwei deutsche Frauen sind bereits im Wasser und Kemal weiss gar nicht, mit welcher er zuerst anbändeln soll.

Einmal Tarzan spielen

Auf dem Rückweg müssen wir einige Male einen Fluss überqueren und wir hüpfen dabei von Stein zu Stein. Zum Schluss dürfen wir noch Tarzan spielen und mit einer Liane über eine Schlucht schweben, es macht riesigen Spaß. Kurz vor Verlassen des Parks rutsche ich aus und falle mit dem Arm in ein Stachelgewächs, Angelika aus Holland versorgt mich mit Jod.

Es ist Wochenende und in der Stadt ist wesentlich mehr los als an den Tagen zuvor. Kemal meint, dass viele Frauen aus Bali sonnabends in den Diskotheken von Pangandaran zu Gast sind. Zum Schluss erzählt er uns noch eine Geschichte, ob sie wahr ist oder nicht, mag jeder für sich selbst entscheiden:

„Ein Einheimischer auf Sumatra hat sich verletzt. Er wird von einer Orang-Utan-Familie aufgenommen und verpflegt, später vernascht er die Affenfrau.“

Den berühmten Sonnenuntergang erlebe ich an diesem Tag nicht mehr, es fängt heftig an zu regnen und völlig durchnässt erreiche ich das Hostel. Riesige Wasserpfützen haben sich auf den Straßen und Wegen ausgebreitet. Später will ich mir auf der anderen Straßenseite Zigaretten kaufen und weiß nicht so recht, wie ich es anstellen soll. Ein einheimischer junger Mann hat das wohl beobachtet, kommt zu mir her und bittet mich, auf sein Fahrrad zu steigen. Er geht barfuß nebenher.

Ein Moped auf Java

Am nächsten Tag miete ich ein Moped und erkunde die Umgebung. Immer wenn ich anhalte, werde ich sofort von einer Schar Kinder umringt. Vorbei geht es an schönen Bananenhainen und Kokusfarmen. Einmal streikt der Motor und ein Mann erklärt mir, dass der Sprit alle ist, ich hatte den Vermieter anders verstanden. Zum Glück befindet sich eine Tankstelle in der Nähe.

Im Hotel habe ich guten Kontakt zu einem Kellner. Er ist sehr interessiert und stellt mir viele Fragen zu Deutschland und Europa. Er möchte seine Englischkenntnisse verbessern und später in einer Bank arbeiten. Eines Abends klagt er mir sein Leid und verrät mir, dass er im Monat nur 30.000-40.000 Rupien verdient, und das bei über 16 Stunden Arbeit täglich.

Ein DM hat zu dieser Zeit etwa den Wert von 1.260 Rupien.

Yogyakarta ist mein nächstes Ziel. Erst fahre ich mit dem Bus nach Kalipucang, dann gut vier Stunden mit dem Schiff nach Cilacap. Es ist eine herrliche Fahrt, auf dem Boot erkenne ich viele bekannte Gesichter. Einige Mitreisende steigen von einem Boot aus zu uns, manchmal wird ein anderer Kahn mitgeschleppt.

Mit einem Minibus geht es weiter, vorbei an riesigen Reisfeldern mit vielen Menschen, Wasserbüffel werden zur Feldarbeit eingesetzt.

Zusammen mit Johan aus Holland, den ich im letzten Bus getroffen habe, gehe ich zum Losmen „Gandhi“. Endlich gibt es mal wieder ein Sitzklosett.

Ein kleiner Stadtbummel

Wir machen einen Stadtbummel zusammen und unternehmen auch an den nächsten Tagen viele Sachen gemeinsam. Hier ist wesentlich mehr los, viele Touristen bevölkern die Straßen, häufig werden wir angesprochen. Im Hotel warnt man uns vor Nepp und Dieben.

Der Besuch des Sultanpalasts, des Kraton, steht als nächstes auf dem Programm. Yogya ist wohl das einzige relativ selbständige Sultanat Indonesiens. Vor dem Eingang dann das übliche Spiel, ein Schlepper signalisiert, dass noch geschlossen ist und er uns eine spezielle Stadtführung zu einem Superpreis anbieten könnte. Aber natürlich hat er uns nur aus reinem Geschäftsinteresse angeflunkert, der Kraton ist selbstverständlich geöffnet.

Wir haben das Glück, zwei Gamelan-Orchester während der Führung zu sehen und zu hören.

Der Palast wird vom 10. Sultan bewohnt. Er kommandiert noch ein riesiges Personal, übt aber keine politische Macht mehr aus. Seine Kinder besuchen öffentliche Schulen. Wir besichtigen ein Sänftenmuseum und sehen uns die Bilder der Ahnengalerie an. Zum Schluss verweilen wir noch am Wasserschloss.

An einem Nachmittag fahren Johan und ich mit einem Bus zur etwa 16 km entfernten Tempelanlage Prambanan, dem größten hinduistischen Heiligtum Javas, bestehend aus acht Tempeln. Der größte ist dem Gott Shiva gewidmet. Es finden noch Bau- oder Restaurierungsarbeiten statt, viele Steine oder Quader liegen auf dem Gelände herum.

Abends besuchen wir eine Tanzvorstellung, begleitet von einem Gamelan-Orchester. Die Aufführung gefällt mir, es sind allerdings nur Touristen anwesend. Zum Schluss werden die Gäste aufgefordert, zusammen mit den Akteuren zu tanzen. Es sieht dermaßen albern aus, dass wir sofort gehen. Draußen wartet tatsächlich noch unser Becak-Fahrer und so haben wir keine Probleme mit der Rückfahrt. Unterwegs treffen wir noch zwei Frauen aus München, die wir auf der Fahrt nach Yogya kennengelernt haben, und trinken ein paar Biere zusammen. Dicke Ratten huschen über die Straße und verschwinden in der Dunkelheit.

Im Hotel ist ein junger Mann aus Bremen abgestiegen. Er wohnt in der Holunderstraße, wo ich während des Studiums ebenfalls ein Zimmer hatte, wie klein die Welt doch ist.

Borobudur, der größte buddhistische Tempelkomplex Südostasiens, steht heute auf dem Programm. Leider ist es etwas diesig und regnerisch, dennoch ist die Fahrt sehr interessant für mich. Wir fahren an schönen Reisterrassen vorbei, sehen Wasserbüffel bei der Arbeit, Kretekbäume, Kaffee- und Teeplantagen.

Am Dieng-Plateau halten wir eine geraume Zeit, bei besserem Wetter hätte man sicherlich viel mehr sehen und den Ausblick genießen können. Unser Fahrer erzählt, dass Tony Marschall zwei Wochen vorher sein Gast gewesen sei. Eine stillende Mutter fordert mich auf, sie gegen ein Trinkgeld zu fotografieren, ich lehne aber ab.

Den nächsten Stopp legen wir bei einigen Thermalquellen ein und dann sind wir auch schon am Ziel, Borobudur liegt knapp 40 km von Yogya entfernt.

Ein Sonnenuntergang

Aber auch hier haben wir aus besagtem Grund keine klare Sicht, gerade auf den Sonnenuntergang hatte ich mich besonders eingestellt und gefreut, extra deswegen werden Busreisen angeboten.

Unter Federführung der UNESCO wurden über 1,3 Mio. Steine gereinigt und katalogisiert und ca. 25 Mio. Steine verrückt.

Auf den Reliefs ist das Leben Buddhas nachgestellt. Unser Führer erklärt uns die vier Meditationsphasen, oben ist das Nirvana erreicht.

Borobudur soll ein Begriff aus der Sanskritsprache sein, „Boro“ bedeutet „heiliges Gebäude“, „Bodur“ wird als „hoher Platz“ übersetzt.

Der Begleiter erklärt uns, dass auch Hunde in Indonesien verzehrt werden.

Am nächsten Tag im Bus zum Mt. Bromo kann ich noch einmal die Prambanan-Anlage bewundern. Wir sind fast nur deutsche Touristen. Unterwegs sehen wir einige Menschen im Fluss baden, andere waschen ihre Wäsche.

Die „Bromo Home Stay“ erreichen wir abends während eines wunderschönen Sonnenuntergangs über den Bergen. Einige andere Losmen hätten auch zur Verfügung gestanden. In unserer Unterkunft herrscht gerade Stromausfall und wir werden bei Kerzenschein begrüßt.

Ich unterhalte mich längere Zeit mit Peter aus England. Er war eine Weile in Japan und hat dort beim Theater gearbeitet. In dieser Zeit hat er das Land viel und häufig bereist, oft aus Geldgründen per Anhalter. Er brauchte nie länger als fünf Minuten zu warten und wurde, wenn eine Pause eingelegt werden musste, sogar zum Essen eingeladen. Ein japanischer Geschäftsmann hat ihm sogar eine Zugfahrkarte gekauft und 100 US Dollar geschenkt.

Um 3.oo Uhr werden wir geweckt, Punkt ½ 4 fahren wir mit dem Jeep zum Vulkan, es ist noch total dunkel. Der Bromo ist noch aktiv, seine Flamme weithin sichtbar. Es geht ganz schön bergauf, Einheimische mit Pferden kommen uns entgegen, zum Gipfel hin werden die Preise immer moderater.

Der Sonnenaufgang wird im Reiseführer als besonders eindrucksvoll, als einmaliges Erlebnis beschrieben, aber, wie auch an den Tagen zuvor, hat uns das Wetter einen kleinen Strich durch die Rechnung gemacht. Ich bin aber nicht enttäuscht, der Vulkan ist auch ohne Sonne interessant genug für einen Abstecher.

Mit dem Bus geht es dann in vier Stunden zum Fähranleger nach Bali, die Überfahrt dauert 30 Minuten.

Bali

Erst fahre ich nach Ubud und warte dann auf den Bus nach Candi Dasa. Nach kurzer Zeit hält ein PKW an, nimmt mich mit und setzt mich an der „Homestay Natia“ ab.

Ein eigener Bungalow mit Dusche und Sitz-WC ist für die nächsten Tage meine Bleibe, leider ohne Aircondition oder Ventilator, und das bei dem schwülen Wetter, dafür höre ich aber das Rauschen des Meeres. Das Wasser des Ozeans schwappt direkt an die Ferienhäuser, einen Strand gibt es nicht.

Abends treffe ich die beiden Frauen aus München wieder, sie sind von Yogya direkt nach Bali gefahren. Sehe mir eine Bali-Tanzshow mit dazugehörigem Orchester an und erkunde die Kneipenszene. Bis auf ein Lokal schließen alle Gaststätten um Mitternacht.

Nun bin ich also im hinduistischen Teil Indonesiens, auf Java ist der Islam herrschende Konfession.

Beeindruckt bin ich von den Frauen, wenn sie ihre Lasten auf dem Kopf tragen und balancieren.

Am nächsten Morgen höre ich bekannte Stimmen, zwei deutsche Frauen, mit denen ich auf dem Mt. Bromo war, sind meine neuen Nachbarn. Sie sind allerdings gefrustet und finden Thailand, das sie vorher bereist hatten, wesentlich besser als Indonesien.

Heute ist ein spezieller religiöser Feiertag, vor den Häusern liegen Blüten, weitere Blumen und Räucherstäbchen werden verteilt. Passanten in farbenfroher Bekleidung halten an den Tempeln an und reichen ihr Opfer.

Hähne- der beste Wecker

Etliche Hähne sorgen dafür, dass ich nicht verschlafe. Sie werden tagsüber in ihren Körben an die Straße gestellt. Ein Moped mit vier Fahrgästen rauscht vorüber, zwei Erwachsene und zwei Kinder pressen sich auf die Sitze.

Etwas abseits von meinem Hotel ist doch noch ein kleiner Sandstrand übriggeblieben und ich halte mich dort für einige Stunden auf. Die Einheimischen baden teils in Straßenkleidung.

Kinder und junge Männer fangen Wasserflöhe mit Netzen, sie werden für medizinische Zwecke nach Java verkauft.

Mit einem Boot lasse ich mich zum Schnorcheln ein Stückchen aufs Meer hinausfahren. Es ist phantastisch, so etwas hatte ich vorher noch nicht gesehen. Eine eigene Welt unter Wasser, Korallen, leuchtende Fische, Fischschwärme in allen Farben des Tuschkastens, ich bin fasziniert.

Ein deutsches Paar aus Schleswig-Holstein ist in Candi Dasa angekommen, wir hatten uns auch schon vorher getroffen. Sie hatten am Vortag einen Unfall und ein dicker Verband ziert die Knie. Mit einem gemieteten Moped begaben sie sich auf eine Inseltour. Plötzlich liefen einige Hunde über die Straße, er zog refelexartig die Vorderbremse, sie kamen ins Schleudern und schon war es geschehen. Morgen wollen sie sich um ein Auto kümmern.

Mit einem Moped unterwegs

Am nächsten Tag besorge ich mir ein Moped, es bedarf aber, da ich meinen Führerschein vergessen hatte, einiger Überredungskünste. Fahre dann etwa 30 km die Ostküste entlang und lege etliche Pausen ein. Bei jedem Stopp kommen gleich Kinder oder junge Leute und bitten darum, fotografiert zu werden. Zwei junge Mädchen stellen sich ungefragt in Pose und verlangen anschließend Geld, geben sich dann aber mit einem Kugelschreiber zufrieden. Die Einheimischen, auch die Männer, tragen häufig farbenfrohe Sarongs, heute schmücken sie sich auch mit Blüten im Haar.

Die Umgebung ist herrlich, an den Reisterrassen und der schönen Gebirgslandschaft mag ich mich gar nicht satt sehen. Bei einer nächsten Pause sehe ich einem Bauern beim Pflügen mit seinem Ochsen zu. Hähne stehen an der Straße und konzentrieren sich auf den nächsten Kampf.

Abends gehe ich in ein etwas besseres Restaurant und schaue mir während des Essens eine balinesische Tanzvorstellung an. Anschließend lande ich wieder in einer Musikkneipe mit Life-Musik, die Gitarre ist, wie an den Abenden zuvor, wiederum verstimmt.

Ich wechsele noch in ein anderes Lokal und versuche, mit einer Holländerin zu flirten, sie hat aber nur Augen für die einheimischen Männer. Der Barkeeper steckt mir seine Visitenkarte zu. Er bzw. seine Familie stellt Geschenkartikel her und ich werde gebeten, Bremer Importeure für eine Zusammenarbeit zu interessieren.

Die Fähren nach Lombok

Später habe ich auch bei einigen Firmen nachgefragt, weiß aber nicht, ob geschäftliche Kontakte geknüpft worden sind.

Im Hotel sind neue Gäste eingetroffen, zwei Holländer, sie wollen zwei Jahre traveln und zwischendurch in Perth/Australien jobben und die Reisekasse aufbessern.

Da die Kneipenszene in Candi Dasa doch recht übersichtlich ist, steige ich am nächsten Tag in den Shuttlebus nach Kuta. Ein Zwischenstopp wird in Padang Bai, hier gehen Fähren nach Lombok ab, eingelegt. Die Insel konnte ich vom Hotel aus gut sehen.

Im „Suri Wati Inn“ werde ich die restlichen Urlaubstage unterkommen. Sogleich gehe ich zum Strand und bin überwältigt von der Größe, Sand soweit das Auge reicht, gar kein Vergleich mit Candi Dasa. Viele Australier verbringen ihre Ferien hier. Fliegende Händler mit Bauchladen oder Karren bieten ihre Waren feil, etliche Frauen liegen im Schatten eines Baumes und warten auf Massagekunden. Ab und zu läßt sich ein Polizist mit Dolch im Gürtel blicken.

Abends gönne ich mir eine Portion Snapper und muss feststellen, dass nicht nur die Anzahl der Lokale, sondern auch die Preise gestiegen sind.

Die verschwundene Armbanduhr

Während eines anschließenden Spazierganges sprechen mich viele Frauen des ältesten Gewerbes an, eine verwickelt mich in ein längeres Gespräch, anschließend im Hotel stelle ich fest, dass meine Armbanduhr weg ist.

Das Warenangebot ist beachtlich, hier reihen sich diverse Bekleidungsgeschäfte aneinander, in anderen Läden werden Lederwaren angeboten, wiederum andere verkaufen Turnschuhe aller westlicher Marken. Nach längerem Feilschen erstehe ich in einem Souvenirshop einige Batik-Bilder und einen hübschen Fächer.

Zwischendurch schlendere ich immer wieder zum Strand und schwimme einige Runden. Flaggen signalisieren, ob das Baden im Meer erlaubt ist oder nicht. Manchmal ist es ganz schön stürmisch und riesige Wellen brechen über einen herein. Wenn mir dann immer noch nach einer Erfrischung ist, kühle ich mich mit dem Wasser aus meinem Mandi.

Die Balinesen ziehen ihre Schuhe aus, bevor sie das Haus betreten, auf Java ist es mir nicht so extrem aufgefallen. Gerne sitze ich in den Restaurants, sie sind meistens nur mit einem Bambusdach versehen und haben keine geschlossenen Wände. In den Lokalen wird viel Reggae-Musik gespielt. Der Unrat vor oder im Haus wird gleich weggefegt, um Ratten, Schlangen oder anderes Ungeziefer fernzuhalten. Manchmal, nach einem Regenguss, sind die Straßen und Gassen unbegehbar, riesige Wasserpfützen breiten sich über die ganze Fläche aus.

Viel zu schnell ist der letzte Tag angebrochen. Im Flughafen Denpasar staune ich über die vielen europäischen und australischen Frauen mit neuer Rasta-Frisur.

Beim Stopp in Bangkok kaufe ich als Geschenk für meine Mutter einige Orchideen. Noch Wochen später erinnern sie mich an diesen schönen Urlaub.

Na, hat dich das Fernweh gepackt? Hier findest du bestimmt einen Asien Reisepartner.

Horst Wehrse

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