Reisebericht Baltikum

von schlingels am 30.06.2020

Eine Rundreise durch Litauen, Lettland & Estland

In dem Reisebericht über die Baltikum-Rundreise erfährst du von unserem TripLeader alle Highlights, die dich auf einer Reise durch Litauen, Lettland und Estland erwarten. Alle Tipps & Tricks für deinen Roadtrip!


Allgemeines

Schon seit einiger Zeit tragen wir uns mit dem Gedanken, einmal ins Baltikum zu reisen, insbesondere um Riga zu besichtigen, da wir von dieser Stadt bereits viel Gutes gehört hatten. Irgendwann haben wir dann den Entschluss gefasst, die relative Nähe Berlins zu nutzen, um mit dem Auto ins Baltikum zu reisen. Viele Vorurteile hatten wir im Vorfeld, etwa ob wir unser Auto wieder zurückbringen würden oder dass die Länder aufgrund ihrer langen Zugehörigkeit zur Sowjetunion extrem rückständig sind. 

Wie so oft sieht dann die Realität anders aus als erwartet. Uns haben die Menschen fast immer sehr freundlich empfangen, sie sind aufgeschlossen und in den Landeshauptstädten auch sehr weltoffen und modern. Es lässt sich gut und sicher reisen, auch wenn die Straßen sicherlich nicht immer den deutschen Standards entsprechen. Die Qualität der Quartiere und der Restaurants war durchweg gut bis sehr gut. Landschaftlich erinnern alle drei baltischen Staaten sehr stark an die wenig besiedelten Teile Brandenburgs oder Mecklenburg-Vorpommerns. Wenn man mehr Zeit mitbringt und dann per Fahrrad oder Boot die Natur erleben kann, dann ist man sicherlich näher dran, als wenn man doch überwiegend im Auto unterwegs ist. Spektakulär ist die Natur nach unserer Meinung aber nicht. Highlights der Reise waren die Kurische Nehrung, Riga, Tallinn und Torun sowie irgendwie auch, auf ganz spezielle Art, die Wolfsschanze. Daneben gab es kleinere Höhepunkte wie den witzigen Europapark bei Vilnius oder die moosbewachsenen Steine im Wald des Laheema Nationalparkes.

Samstag, 21.05.2005 Berlin – Danzig (550 km)
Nicht zum ersten Mal beginnt unser Urlaub damit, dass wir früh aufstehen und uns zu einer unchristlichen Zeit auf den Weg machen. Auch wenn wir heute nur bis Danzig fahren, so haben wir doch einiges an Strecke und entsprechend Fahrtzeit vor uns. Nach 150 km auf gut ausgebauten deutschen Autobahnen werden wir bereits langsam auf polnische Straßenverhältnisse eingestimmt. Die Grenzüberquerung bei Stettin verläuft problemlos und ohne Wartezeit. Am heutigen Samstag um kurz vor acht Uhr sind kaum LKW unterwegs. Die wenigen verbleibenden Autobahn-Kilometer in Polen erinnern eher an eine Teststrecke: ein Flickenteppich notdürftig ausgebesserter Asphaltplatten im Wechselspiel mit Kopfsteinpflaster. Gewöhnungsbedürftig sind auch die schmalen Landstraßen. Erfreulicherweise hält sich jedoch der Verkehr in Grenzen, so dass wir die erlaubten 90 km/h (in Ortschaften 60 km/h) weitestgehend auch fahren können.

Von Freunden mit Polen-Erfahrung wurden wir mit guten Ratschlägen und einer hervorragenden Straßenkarte ausgestattet. So gerüstet folgen wir der Empfehlung, Danzig nicht über die ausgeschilderten Bundesstraßen anzusteuern, da diese stärker von LKW befahren werden. Der Weg über Landstraßen ist zudem landschaftlich wesentlich reizvoller. Bei Sonnenschein und blauem Himmel fahren wir an gelb leuchtenden Rapsfeldern vorbei. Sanfte, sattgrüne Hügel und eine Vielzahl kleiner Seen und Weiher ziehen an uns vorüber und sogar einige Störche zeigen sich uns. Die kleinen Ortschaften und Siedlungen, die wir passieren wirken doch ziemlich ärmlich.

Gegen Mittag legen wir eine kleine Rast an einem idyllisch gelegenen See ein und erreichen am frühen Nachmittag Danzig. Zur Urlaubseinstimmung haben wir uns in das *****Dwor Oliwski-Hotel eingemietet, das einige Kilometer außerhalb des Stadtzentrums im Stadtviertel Olivia liegt. Eine sehr schöne, idyllisch gelegene Hotelanlage in einem ländlichen Vorort. Die Sterne sind unserer Meinung nach verdient.

Den verbleibenden Nachmittag widmen wir einer Erkundung der Danziger Altstadt. Hinter dem Nationalmuseum finden wir einen für deutsche Verhältnisse günstigen (2,00 € für drei Std.) bewachten Parkplatz.

Am Hohen Tor (leider derzeit eingerüstet) starten wir die Altstadtbesichtigung. Direkt dahinter passieren wir zunächst die Vortore der Langgasse, ein gotischer Verteidigungskomplex und stehen vor dem dekorativen Langgasser bzw. Goldenen Tor, das imposant den Eingang der Fußgängerzone markiert.

Reste einer Befestigungsanlage, die im so genannten Strohturm (früher Pulverlager mit Strohdach) sind linker Hand, am Theaterplatz angrenzend zu sehen. Ein überirdischer Gang verbindet diesen mit dem sich anschließenden Großen Zeughaus. Der schöne Renaissancebau des früheren Waffen- und Kriegsgerätelagers, beherbergt heute die Kunstakademie sowie im unteren Teil eine Handelspassage, durch die wir hindurchgehend die Jopengasse erreichen. Vor dem Hintergrund der imposanten Marienkirche sehen wir die ersten sich aneinander reihenden hanseatisch geprägten Bürgerhäuser. In der auch als Salon von Danzig bekannten Langgasse findet man weitere sehr schöne Beispiele aufwändig restaurierter Bürgerhäuser, so z. B. das Uphagenhaus (Nr. 12), das Ferberhaus (Nr. 28), das Frederhaus (Nr. 29), das Löwenschloss (Nr. 35), das Haus Nr. 37, das Schumann-Haus (Nr. 45) sowie die Hausnummer 71, eins der wenigen Bürgerhäuser, das die Zerstörungen des Zweiten Weltkrieges überstanden hat.

Aus dem Ensemble ragt das Rechtstädtische Rathaus heraus. Für eine Besichtigung, insbesondere des Roten Saals, sind wir leider schon zu spät dran. Mitten auf dem Langen Markt fällt der Neptunbrunnen auf sowie die dahinter stehenden Gebäude Artushof und das Alte und Neue Schöffenhaus.

Auch wenn man es beim Anblick der Altstadt kaum für möglich hält, die Freie Hansestadt Danzig wurde im Zweiten Weltkrieg zu 90 % zerstört und nach dem Krieg im alten Stil wieder neu aufgebaut. Somit sind fast alle Gebäude mehr oder weniger gleichzeitig restauriert wurden und das Altstadtbild wirkt dadurch etwas zu harmonisch .

Durch das Grüne Tor verlassen wir die Langgasse und erreichen den historischen Hafen an der Mottlau. Von der Grünen Brücke hat man einen schönen Blick auf das linker Hand liegende Bollwerk, auf dem sich Bürgerhäuser und wehrhafte Türme aneinander reihen. Im Hafen wendet gerade ein nostalgisches Schiff. Nachdem wir die Lange Brücke aus der Nähe erkundet haben (erwähnenswert ist das Milchkannentor, das mit den zwei Türmen „Milchkanne“ und „Sahnekännchen“ ausgestattet ist), gehen wir durch das Frauentor auf die Marienkirche zu. Schon beim Betreten selbiger beeindruckt uns das ca. 30 m hohe Deckengewölbe, das von 26 Pfeilern gestützt wird. Hohe Fenster erleuchten die Kunstschätze im Innenraum. Nennenswert sind die Pieta (um 1410), eine Madonna (um 1420) sowie die 14 m hohe astronomische Uhr (um 1470).

Der etwas mühsame Aufstieg auf den über 76m hohen Turm (über 400 Stufen) ist sehr zu empfehlen. Sehenswert ist schon allein der Blick, den man von oben auf die Konstruktion des Deckengewölbes werfen kann. Von der Aussichtsplattform hat man einen sehr schönen Blick auf die Altstadt.

In die Nikolaikirche – die älteste Kirche der Stadt – werfen wir nur einen flüchtigen Blick, da gerade der samstägliche Gottesdienst beginnt. Unser nächstes Ziel ist die Große Mühle aus dem Jahre 1350. Mit einem Ausmaß von 41 x 26m und angetrieben von 18 Mühlrädern war es einst der größte europäische Industriebetrieb. Davor steht das schön restaurierte Müllergewerkshaus (heute Restaurant mit einladendem Biergarten). Ganz in der Nähe erreichen wir das Altstädtische Rathaus. Damit beenden wir unseren Altstadtrundgang, der uns sehr gut gefallen hat. Einen Blick werfen wir noch auf das imposante Gebäude des Hauptbahnhofs. Mit dem Auto fahren wir am (Solidarnocz) Denkmal der gefallenen Werftarbeiter vorbei, das in der Nähe der Eingangstore zur Danziger Werft steht und an den Werftarbeiteraufstand erinnert. Vom Hafen bekommen wir nicht viel zu sehen, so dass wir zum Hotel zurück fahren. Hier lassen wir es uns im großzügigen Wellnessbereich gut gehen und den ersten Urlaubstag erschöpft ausklingen.

Sonntag, 22.05.2005 Danzig – Vilnius (570 km)

Ein weiterer Fahrtag steht uns bevor. Nach einem reichhaltigen Frühstück geht es bereits um 7:30 h los. Für eine Besichtigung des Schlosses Oliwski nebst Schlosspark, Kathedrale und Klosteranlage ist es leider noch zu früh. Der Blick, den wir auf das Schloss erhaschen können, ist aber viel versprechend.

Bei ähnlich schönem Wetter wie am Vortag fahren wir durch die Landschaft. Heute sehen wir noch viel mehr Störche, was die Erläuterungen aus unseren Reiseunterlagen stützt. Demnach nistet ein Drittel der weltweiten Population an Weißstörchen (ca. 50.000 jährlich) – aus wissenschaftlich bislang ungeklärten Gründen – auf polnischem Boden. Es wundert also nicht, dass jede Siedlung mindestens ein Storchennest aufweisen kann. Die Störche kehren im Frühjahr aus ihrem Winterquartier zurück und sind zunächst mit dem Nestbau beschäftigt. Die Horste haben einen Durchmesser von 90 – 200 cm und wiegen zwischen 500 und 1.250 kg. Ende Mai kann man die Weißstörche beim Nisten beobachten.

Auch heute fällt es uns nicht schwer, einen idyllisch gelegenen See für eine Picknickpause zu finden. Von dem -durch den nicht sehr ökologie-orientierten Kommunismus-geschädigtem Ökosystem und der damit verbundenen Umweltverschmutzung spüren wir erstaunlicherweise nicht viel. Entweder haben die durch EU-Gelder ermöglichten Kläranlagen und Aufforstungen schon spürbar gefruchtet oder das von uns durchfahrene Gebiet war weniger stark betroffen.

Nach ca. 370 km erreichen wir die polnisch-litauische Grenze bei Suwalki. Die Grenzpassierung ist völlig unproblematisch, seit dem EU-Eintritt am 1.5.2004 reicht der Personalausweis. Nun müssen wir noch die Uhr (eine Stunde Zeitverschiebung) vorstellen.

In Litauen fällt uns zunächst auf, wie flach die Landschaft ist. Nur wenige sanfte Hügel durchziehen die Landschaft. Die höchste Erhebung des Baltikums ist übrigens keine 350 m hoch. Auffällig ist auch, dass es verglichen mit Polen kaum eine landwirtschaftlich orientierte, dörfliche Struktur gibt. Das Leben spielt sich in ärmlich wirkenden Ortschaften ab. Auf Bundesstraßen kommen wir einigermaßen zügig voran, bis wir ca. 40 km vor Vilnius bedingt durch eine Baustelle unsere geplante Route nicht fortsetzen können. Nachdem wir uns zusammengereimt haben, das „Apylanka“ Umleitung bedeuten muss, folgen wir dieser und haben unseren ersten Kontakt mit Schotterpisten.

Nach fast achtstündiger Fahrt erreichen wir endlich die Hauptstadt Litauens. Eine nur eingeschränkt vorhandene Ausschilderung des Zentrums macht uns das Leben schwer, so dass wir erst im zweiten Anlauf die Altstadt erreichen. Über www.hotel.de hatten wir im Vorfeld zwei Übernachtungen im ****Hotel Mabre Residence gebucht. Dieses liegt direkt in der Altstadt in einer ehemaligen Klosteranlage.

Die Altstadt von Vilnius wurde von der UNESCO 1994 auf die Liste des Weltkulturerbes aufgenommen. Bei einem ersten Altstadtrundgang überrascht uns, wie westeuropäisch Vilnius wirkt. Die Stadt ist im Vergleich zu den bisher gesehenen Ortschaften wesentlich reicher. Es gibt eine Vielzahl teurer Geschäfte und die Neuwagenquote ist erstaunlich hoch. Unser ungutes Gefühl, dass sich bei den Reisevorbereitungen eingeschlichen hatte, ist schnell verflogen. Ebenso die Sorge, ohne Auto die Rückreise organisieren zu müssen.

Auf der Flaniermeile Pilies gatve stärken wir uns in einem kleinen Straßenrestaurant und beobachten das bunte Treiben. Auffällig ist, dass die Frauen offensichtlich gerne zur Schau stellen, was sie zu bieten haben. Die Quote an kurzen Röcken und figurbetonter Kleidung ist hoch.

Anschließend schlendern wir die Flaniermeile entlang in Richtung Stadthalle. Im dahinter liegenden Viertel haben sich die Designergeschäfte und Top-Hotels angesiedelt. Sehenswert ist hier noch das erhaltene Stadttor Ausros vartu, das von einem Madonnenbild geschmückt wird.

Montag, 23.05.2005 Vilnius – Europa Park

Am „Gotischen Winkel“ beginnen wir die heutige Altstadtbesichtigung. Die barocke Kirche St. Bernardine (um 1580) verfiel unter der Sowjetherrschaft und wird noch derzeit restauriert. An den Wänden sind einige Überreste der Wandmalereien zu erkennen. Ungewöhnlich finden wir die Bestuhlung, die aus einfachen Holzbänken ohne Rückenlehne besteht. Die dazugehörige Klosteranlage wird heute als Kunstakademie genutzt. Gleich daneben steht die wunderschöne gotische Backsteinkirche St. Anne aus (leider geschlossen). Die 1582 fertig gestellte Kirche beeindruckte angeblich schon Napoleon so sehr, dass er sie gerne nach Paris geschafft hätte.

Als nächstes erreichen wir den Burgberg und folgen dem Weg zum Oberen Schloss, von dem lediglich ein Turm sowie ein Nebengebäude erhalten ist. Im Turm ist ein Modell der ehemaligen Anlage zu besichtigen und man hat von selbigem einen schönen Ausblick auf die Altstadt und den Fluss Neris.

Auch das Untere Schloss (oder auch Großfürstenpalast) wurde fast komplett zerstört. Inzwischen hat man mit dem Wiederaufbau begonnen. Die hier ausgegrabenen Mauern gelten als die ältesten in Litauen und reichen bis zum Staatsbeginn im 13. Jh. zurück. Zum tausendjährigen Stadtjubiläum (2009) sollen die Aufbauarbeiten abgeschlossen sein.

Auf dem Vorplatz steht eine Statue des Fürsten Gediminas, dem legendären Gründer der Stadt. Dieser hatte sich nach der Jagd hier ausgeruht und dabei von einem Wolf geträumt. Eine anschließende Traumdeutung veranlasste ihn, hier eine neue Hauptstadt zu errichten.

Daneben steht die Kathedrale, beschrieben als architektonische Mischung aus griechischem Tempel und polnischem Theater. Nachdem die Sowjets sie als Museum nutzten, wurde sie 1988 wieder in eine kath. Kirche umgewandelt. Im Inneren fällt das hohe Deckengewölbe auf. Sehenswert ist die barocke St. Casimir-Kapelle, die aufwändig mit Marmor, Stuck und Silber dekoriert ist. In einem Schrein befinden sich die Gebeine des hl. Casimir - bis heute ist ungeklärt, warum dieser mit drei Händen dargestellt wurde.

Wir folgen der Gedimino prospektas. An dieser Einkaufsstraße haben sich eine Menge namhafter Geschäfte angesiedelt. Linker Hand liegt das jüdische Viertel. Hier wurde im Rahmen eines 1995 ausgerichteten Jazz-Festivals eine Frank Zappa Statue aufgestellt, die seltsam deplatziert wirkt

Unser nächstes Ziel ist die russisch-orthodoxe St. Nicholas-Kirche, die schon von Außen durch ihre dekorative Fassade und die vergoldeten Türmen auffällt. Das Innere besteht aus einem quadratischen Gebetsraum, der mit bunt verzierten Holzvertäfelungen und Kacheln geschmückt ist.

Den größten Teil der Altstadt haben wir inzwischen gesehen. Nun ist erst einmal eine Siesta am Platz vor der Stadthalle angesagt. Bei regionalen Gerichten und einem Bier betrachten wir das Treiben.

Die Lust auf etwas Abwechslung bringt uns darauf, einen Ausflug zum Europaparkzu unternehmen. In diesem Zusammenhang erfahren wir, dass das geographische Zentrum Europas etwa 25km nördlich von Vilnius liegt. Nur wenige Kilometer von diesem Punkt entfernt wurde 1991 der Europapark (www.europosparkas.lt) mit dem Ziel errichtet, dem Zentrum Europas durch Kunstwerke an Bedeutung zu verleihen.

Nach 20minütiger Fahrt erreichen wir den (leeren) Parkplatz. Die Eintrittspreise (24 Ltas/Person + 4 Ltas Parkgebühr) erscheinen uns für hiesige Verhältnisse sehr hoch Die ebenfalls erforderliche Fotolizenz sparen wir uns. Bei blauem Himmel und ganz für uns allein erkunden wir den Park und müssen feststellen, dass die Schönheit der Parklandschaft das Geld wert ist. An die 100 Kunstwerke sind auf einer 55 ha großen Fläche zu entdecken, darunter auch einige sehr außergewöhnliche Exponate, wenn sie auch nicht alle unseren Geschmack treffen. Zudem wird uns an einem kleinen Tümpel ein Froschkonzert geboten und wir können den Fröschen dabei zusehen, wie sie ihre Backen aufblasen. Der Gesamteindruck des Parks ist, gerade um diese Jahreszeit, wo hier noch alles grünt und blüht, absolut sehenswert.

Zurück in Vilnius spazieren wir auf der Suche nach einem geeigneten Sonnenplatz durch die Altstadt. Hinter der St. Michael-Kirche entdecken wir das kleine Bistro St. Germain. Bei einem Käseteller und Weißwein genießen wir die letzten Sonnenstrahlen.

Dienstag, 24.05.2005 Vilnius – Trakai – Kaunas – Klaipeda – Kurische Nehrung

Heute geht es weiter an die Ostsee. Unser erstes Ziel ist das etwas 25 km westlich von Vilnius gelegene Trakai. Mitten in einem Seengebiet liegt dieses kleine Städtchen, das insbesondere durch seine pittoreske Wasserburg, die auf einer Halbinsel zwischen drei Seen liegt, bekannt ist. Über eine hölzerne Brücke erreicht man die rote, gotische Backsteinburg (14. Jh.), die erst 19

(14. Jh.), die erst 1962 wieder aufgebaut wurde. Einige Bauarbeiten lassen zunächst darauf schließen, dass der Aufbau noch nicht abgeschlossen ist. Auffällig ist allerdings, dass nicht besonders massiv gebaut wird, sondern lediglich Holzkonstruktionen verkleidet werden. Erst später in Nida erfahren wir, dass die Burg für Filmaufnahmen für eine ARD -Produktion (Störtebeker) als Kulisse verwendet wird und hierfür die vorhandene Burgkulisse um gotische Wachtürme ergänzt wird. In den Burgräumen gibt es Ausstellungstücke aus dem Mittelalter zu besichtigen. Trakai hat eine sehr interessante Geschichte. Der Burgherr, Vitautas der Große, lud das jüdische Volk Karaim von der Krüm ein, sich hier anzusiedeln, um die Burg während seiner Abwesenheit zu bewachen. Noch heute leben etwa 100 Karaim in nahen, bunt angestrichenen Holzhäusern.

In Rumsiskes, ca. 20 km vor Kaunas, legen wir einen weiteren Stopp ein und besichtigen ein Freilichtmuseum. Das 1977 auf 175 ha eröffnete volkskundliche Museum zeigt etwa 140 Gebäude, die aus den vier litauischen Regionen hierher gebracht und wieder aufgebaut wurden. Ein 7km langer Rundweg führt an den einzelnen Siedlungen entlang. Viele der authentisch ausgestatteten Gebäude sind zu besichtigen und veranschaulichen die Lebensweise, das Handwerk (z.B. eine Töpferei und eine Weberei) bzw. das Gewerbe der damaligen Bewohner.

Nun geht es weiter nach Kaunas. Kurz vor Kaunas sind wir so damit beschäftigt, die richtige Ausfahrt zu finden, dass wir nicht auf die Geschwindigkeit achten und prompt in eine Radarkontrolle geraten. Glücklicherweise haben wir noch die Gelegenheit, unbemerkt einen Teil des Bargelds aus der Brieftasche zu nehmen. Als wir vor den Beamten die Brieftasche hervor holen und angeben, nur noch 102 Litas Bargeld zu haben, begnügen sich die Beamten mit 100 Litas statt der geforderten 200 Litas (für 24 km/h Geschwindigkeitsüberschreitung 104 statt 80 km/h).

In Kaunas, Litauens zweitgrößter Stadt, drehen wir bei schwülem Wetter nur eine kleine Runde mit dem Auto. Gut gefällt uns das Perkunas-Haus, ein Backsteingebäude, erbaut von einem deutschen Kaufmann. Auch der Platz vor dem (gerade eingerüsteten) Rathaus ist ganz nett. Ein letzter Blick gilt den Überresten der Burgruine nebst Kirche.

Bis nach Klaipeda sind es noch 220 Kilometer auf der relativ gut ausgebauten Autobahn A1. Als wir durch eine Gewitterfront fahren, schwindet unsere Hoffnung auf gutes Wetter an der Ostsee. Doch mit Erreichen von Klaipedasieht es schon wieder anders aus. Der Ausschilderung „Neringa“ folgend erreichen wir den Fährhafen. Die in unseren Reiseunterlagen als Personenfähre angegebene Fähre transportiert wider Erwarten auch Fahrzeuge. Wir zahlen 32 Litas und fünf Minuten später geht es los. Schon nach wenigen Minuten legen wir auf der Halbinsel an.

Die Kurische Nehrungist ein 97 km langer, schmaler Festlandstreifen, der vor ca. 5.000 Jahren durch Meereswellen und –strömungen, Sand und Wind geformt wurde. 52 km gehören zu Litauen, der andere Teil gehört zu Kaliningrad/Russland. Das Ostufer umspielt das Süßwasserbecken des Kurischen Haffs.

Die Ortschaften Nida, Preila, Pervalka und Juodkrante wurden 1961 zur Stadt Neringa(2.700 Ew.) zusammengeschlossen. 1991 wurden der Nationalpark Kurische Nehrung gegründet, der 2000 von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt wurde. Nida ist mit 1.500 Einwohnern die größte Ortschaft und liegt nur 4km von der Grenze zur Russischen Förderation entfernt. Das ehemalige Fischerdorf hat sich mit typischen braun angestrichenen Holzhäusern, die blau verziert sind, seinen Charme bewahrt

In Nida finden wir im B&B Misko Namas für 25,00 €/Person ein nett eingerichtetes Zimmer, das wir gleich für zwei Nächte buchen. Erfreulicherweise hat sich das Wetter wieder gebessert. An der Uferpromenade speisen wir im Fischlokal Seklycia (Lotmisko 1) mit Blick auf die Dünenlandschaft gut und preiswert. Anschließend führt uns ein Strandspaziergang schon einmal zum Fuß der Düne.

Mittwoch, 25.05.2005 Kurische Nehrung/Parnidis-Düne - Nida

Strahlend blauer Himmel begrüßt uns am heutigen Morgen. Das Wetter könnte für eine Erkundung der Dünenlandschaft nicht besser sein. Über einen gut ausgeschilderten Weg gelangen wir auf die ca. 50m hohe Parnidis-Düne, wo sich uns ein traumhafter Blick auf das Kurische Haff, die Dünenlandschaft sowie die Ostseeküste bietet. Den ausgetretenen Wegen folgend gelangen wir zum „Tal des Todes“, benannt nach französischen Kriegsgefangenen, die hier 1870-72 ein Lager errichteten und aufgrund der schlechten Bedingungen ihr Leben lassen mussten.

Die Düne ist teilweise mit Dünengras bewachsen und wird von Wald umschlossen. Es ist fantastisch, über den weißen Sand zu laufen und rechts und links Wasser zu sehen. Bald erblicken wir in der Ferne die ersten Warnschilder, die die Grenze zur russischen Förderation markieren. Ein Wachtposten patroulliert auf der Düne, sicherlich eine der ungewöhnlichsten Grenzstationen, die man sich vorstellen kann. Hier ist die Düne besonders schön, denn zum Haff hin fällt sie beinahe senkrecht hinab. Erst später lesen wir, dass dieser Teil unter Naturschutz steht und eine Begehung unerwünscht ist. Eine Absperrung gab es allerdings nicht.

Nach einem kleinen Dünenpicknick geht es zurück. Auf dem Rückweg besichtigen wir eine im Aufbau befindliche Filmkulisse, einer der Drehorte für die o.e. ARD-Produktion eines Störtebeker Zweiteilers. Es wurden ein paar Holzhäuser aufgebaut. Wir können dabei zusehen, wie aus Pappmache Mauern und Verkleidungen täuschend echt hergestellt werden

Sehenswert ist noch die riesige Sonnenuhr mit Obelisken, die sich oben auf der Parnidis-Düne befindet. Von hier hat man einen grandiosen Rundblick.

Zurück in Nida spazieren wir die Uferpromenade entlang zur ehemaligen Künstlerkolonie, wo das Thomas Mann Haus zu besichtigen ist. Nachdem dieser 1929 einer Empfehlung folgend seinen Sommerurlaub in Nida verbrachte, war er offenbar so angetan, dass er gleich beschloss, hier ein Sommerhaus zu errichten. Die Abstimmung der Architektenpläne und der Einrichtung erfolgte auf dem Postweg und schon im Sommer 1930 konnten die Manns ihren ersten Urlaub darin verbringen. Aufgrund der politischen Lage und der politischen Ansichten Thomas Mann´s sowie der Tatsache, dass seine Ehefrau Jüdin war, waren Urlaube allerdings nur bis 1932 möglich. Das heutige Museum zeigt originalgetreu das Sommerhaus und berichtet über das Leben von Thomas Mann.

Im Anschluss an die Besichtigung genießen wir auf einer Bank an der Uferpromenade die Sonne. Anschließend schlendern wir zum Hafen. Hier herrscht hektisches Treiben. Die Mole ist gesperrt und mit LKW der Film-Produktion besetzt. Im Wasser liegt ein Nachbau des Störtebeker-Schiffs. Viele mittelalterlich in Kettenhemden und Kutten gekleidete Schauspieler sind zu beobachten. Doch bis auf das hektische Bewegen der Sonnenreflektoren und einer Drehung des Schiffs ist von den Dreharbeiten momentan nichts zu erkennen.

Ausgestattet für ein Strandpicknick fahren mit dem Auto an den Ostseestrand und genießen den Blick auf die sinkende Sonne.

Donnerstag, 26.05.2005 Kurische Nehrung/Juodkrante – Klaipeda – Pape-See – Kalinski – Kuldiga – Kosrag/Sliteres Nationalpark

Leider müssen wir dieses schöne Fleckchen Erde heute wieder verlassen. Wir könnten uns gut vorstellen hier noch ein bis zwei Wochen mit Fahrrad fahren, Wanderungen und Strandbesuchen zu verbringen.

Kurz vor Juodkrante (Schwarzort) legen wir einen Halt am Aussichtspunkt auf den Schafsberg ein. Leider ist es zu diesig um die „Graue (Tote) Düne“ sehen zu können. Interessanter ist die nahe gelegene Reiher- und Kormorankolonie, die größte und älteste Litauens. Seit Anfang des 19. Jh. kommen jährlich im März bis zu 6.500 Vögel zum Nisten hierher zurück, reparieren ihre auf Baumwipfeln errichteten Nester und brüten. 2.800 Kormoran- und 650 Graureiher-Nester wurden 2004 hier gezählt. Die Jungen sind bereits Anfang Mai geschlüpft und werden nun fleißig gefüttert. Über die Beobachtungsplattform fliegen ständig Vögel hinweg zum Haff, um Fische für die hungrigen Mäuler zu fangen.

Juodkranteist der älteste Ort der Nehrung. Auf der Uferpromenade ist ein Steinskulpturenpark mit 31 Exponaten angelegt. Doch unser eigentliches Ziel ist der Hexenberg. Hier gibt es mitten im Wald über 70 Holzskulpturen, die Figuren aus Märchen und Sagen darstellen und äußerst mystisch wirken. Eine sehr schöne Anlage.

Nun geht es zurück zum Festland. Im Autofährhafen liegt eine wesentlich größere Fähre, die auch LKW transportieren kann. Das Kassenhäuschen ist nicht besetzt und auch auf der Fähre will uns niemand ein Ticket verkaufen. Ob die Rückfahrt immer kostenlos ist, können wir unseren Reiseunterlagen nicht entnehmen und auch das Hinfahrtticket gibt wenig Aufschluss.

In Klaipedamachen wir noch einen kurzen Abstecher zum Theaterplatz und begutachten den Brunnen des „Ännchen von Tharau“.

Wir fahren weiter die Ostseeküste entlang und überqueren hinter Palanga problemlos die litauisch-lettische Grenze. Die Straßenqualität ändert sich schlagartig. Auch die Besiedlungen sehen noch ärmlicher aus als in Litauen.

Bei Rucava, etwa elf Kilometer hinter der Grenze führt eine kleine Straße zum Pape Seengebiet. Das 1995 gegründete über 50.000 ha große Naturreservat steht unter dem Schutz des WWF Dänemark. Ein WWF Nature House informiert über das Projekt. Von einem Aussichtsturm kann man Vögel beobachten. 271 Vogelarten (ca. 100.000 Exemplare) haben sich hier angesiedelt. Das Gepiepse ist dementsprechend laut aus dem Schilf zu vernehmen, doch abgesehen von ein paar kleinen Vögeln sehen wir (ohne Fernglas) hiervon nichts.

Eine 26 km lange Schotterpiste umrundet das Seengebiet. Wir begnügen uns mit einem kurzen Abstecher zum 1890 erbauten Leuchtturm, der einzige in Lettland, der so nah am Meer steht. Hier finden wir einen netten kleinen Picknickplatz.

Zurück auf der Hauptstrasse biegen wir nach einigen Kilometern nach Kalinski ab und erreichen das nördliche Ende des 8,3 km langen und bis zu 3,2 km breiten Sees, der allerdings durchschnittlich nur 30 cm tief ist. Um das Gebiet zu renaturieren und das ökologische Gleichgewicht wieder herzustellen, wurden 1999 im Rahmen eines WWF-Projektes 18 Wildpferde hierher gebracht. Diese sind ausschließlich mit geführten Touren zu beobachten. Wir werden bis auf 30m an eine Gruppe von etwa 20 Pferden herangeführt. Die Wildpferde sind nur 1,20 bis 1,30 m groß und haben ein graues Fell. Im April/Mai fohlen die elf Monate lang trächtigen Stuten. Einige fünf bis sechs Wochen alte Fohlen und sogar ein erst wenige Tage altes werden von der Herde beschützt. Die Pferde lassen sich durch uns kaum stören und kommen sogar etwas näher.

Das nächste Ziel ist das in unserem Reiseführer sehr gelobte Städtchen Kuldiga. Bemerkenswert ist der nur 2 m hohe, dafür aber 250 m lange und als S-Kurve verlaufende Wasserfall über den Fluss Venta. Ferner findet man hier den originalen russischen Pavillon der Weltausstellung 1900 in Paris. Ein lokaler Geschäftsmann hat diesen gekauft und aufwändig her transportieren lassen, um seiner Verlobten zu imponieren.

Nach einem kurzen Stadtrundgang und einer sehr guten und preiswerten Stärkung treten wir unsere letzte Etappe an. Unser Tagesziel ist der Sliteres Nationalpark. Viele Übernachtungsmöglichkeiten gibt es hier nicht, so dass wir telefonisch ein B&B in dem kleinen Fischerdorf Kosrag buchen.

Gegen 20:00 Uhr erreichen wir das „Janntilmaci Guesthouse“). Unschön werden wir begrüßt von einer Mückeninvasion, die zunächst das Auto, später uns umzingelt. Glücklicherweise sind wir haben wir Mückenschutz dabei.. Die Gästezimmer befinden sich in einem kleinen, zweckdienlich eingerichteten Holzhaus. Eine Wasserflasche ist ein Muss, denn aus dem Wasserhahn kommt nur braunes Wasser, das nicht zum Zähne putzen einlädt.

Trotz der Mückenplage wagen wir noch einen kurzen Ausflug an den 300m entfernt liegenden Strand. Hier lassen die Plagegeister von uns ab und wir genießen die Abendstimmung bei einem kleinen Strandspaziergang.

Freitag 27.05.2005 Sliteres Nationalpark – Rundale

Das Frühstück steht in der nebenstehenden Sauna für uns bereit. Der B&B Betreiber, ein alleinstehender Rentner, leistet uns kurz Gesellschaft. Als Seemann ist er viel herum gekommen und spricht ein paar Brocken Deutsch. Radebrechend und ausgestattet mit einem Wörterbuch versucht er uns zwei Kosrag-Tassen zu verkaufen – ein wahrer Geschäftsmann.

Das Wetter hat sich verschlechtert. Neben Mückenschutz legen wir auch eine Regenjacke an und wagen uns an die Erkundung des Sliteres Nationalpark. Einen ersten Eindruck versuchen wir von dem an der Straße nach Sliteres gelegenen Aussichtsturm zu gewinnen. Leider ist es für eine gute Sicht zu diesig.

In Sliteressteuern wir den Leuchtturm an. Tagsüber diente dieser 100m über N.N. stehende Leuchtturm auf der Spitze des Blure Hügels den Schiffen als Landmarke. Früher gab es 20 Leuchttürme um das Kap Kolkas, die aufgrund neuer Techniken heute nicht mehr benötigt werden. Der 25m hohe Leuchtturm wurde 1850 fertig gestellt und liegt am weitesten von der Küste entfernt. Das heutige Museum informiert sehr anschaulich über die Geschichte der Küstenlinie. Hinter dem Leuchtturm beginnt ein 1,2 km langer Naturpfad. Ein sehr schön angelegter Weg, der durch die Natur belassene Küstenlandschaft führt.

Im nächsten Ort Mazirbebefindet sich das Livu Kulturzentrum. Die Livu sind ein kleiner vom Aussterben bedrohter Volksstamm, der früher die kleinen Fischerdörfer der Region bewohnte. Ein weiteres Augenmerk gilt der kleinen Steinkirche in Mazirbe, auf deren Friedhof vereinzelte alte Kreuze neben modernen Garbanlagen etwas merkwürdig wirken.

Der Küstenstraße folgen wir weiter bis zu Kap. Kurz vorher zweigt ein kurzer Weg zum Kolkas raga priezu taka ab, wo wir dem 1,2 km langen Naturpfad folgen, der durch die Natur belassene, bewachsene Dünenlandschaft und den angrenzenden Kiefernwald verläuft. Ein Sturm hatte hier offenbar kurz vorher gewütet und einen Streifen des Waldes weggespült.

Dem Kap Kolkakönnen wir nicht viel abgewinnen, was vielleicht auch an der heutigen schlechten Sicht liegen mag. Nur mit Mühe können wir den Kolka Leuchtturm sehen. Dieser wurde auf einer künstlich erschaffenen Insel, fünf Kilometer vor der Küste, errichtet. Auf dem Dach des Turms befindet sich sogar ein Hubschrauberlandeplatz.

Im Ort Kolka finden wir einen gut ausgestatteten Supermarkt. Für ein Picknick ausgerüstet fahren wir nach Evazi. Hier gibt es einen Naturpfad zur höchsten Sanddüne des Golf von Riga, was sich jedoch mit 15 m Höhe schnell relativiert. Das Picknick am Strand ist dafür sehr idyllisch

Landschaftlich ist der Sliteres Nationalpark sehr schön, doch aus unserer Sicht gehört er nicht unbedingt zu den Highlights einer Lettland-Tour. Vielleicht wäre unser Urteil ein anderes, wenn wir wenigstens einen der hier lebenden Elche gesehen hätten. Immerhin haben wir für wenige Sekunden ein Hinterteil gesehen, das stark nach einem Elch aussah (möglicherweise war es aber auch nur ein Hirsch)

Wir fahren weiter in Richtung Bauska. Etwa 13 km westlich der Stadt liegt mitten in einer ländlichen Region das barocke Schloss Rundale, das 1734 – 1740 von dem Architekten (Rastrelli) des Winterpalastes in St. Petersburg erbaut wurde. Eine Besichtigung ist sehr lohnenswert. 1972 wurde mit den Restaurierungsarbeiten des Klein-Versailles begonnen, die noch lange nicht abgeschlossen sind. So sind beispielsweise die Außenmauern nur an drei Seiten restauriert, an der unrestaurierten Seite kann man deutlich erkennen, wie hoch der erforderliche Aufwand ist. Ein großer Teil der 138 Räume ist zu besichtigen. Besonders gut gefällt uns der Empfangssaal mit vielen Dekorationen und Spiegeln, der Weiße Saal und der Toilettenraum der Herzogin.

Auf den Geschmack gekommen möchten wir ebenfalls königlich nächtigen. Einige Kilometer von hier entfernt (über Bauska zu erreichen) liegt in Mezotne Pils der neoklassizistische Mezotne Palast. Im zweiten Weltkrieg stark zerstört, wurde der am Ufer des Flusses Lielupe gelegene Palast restauriert und zu einem Hotel umgebaut. Von unserem geräumigen Zimmer (55 Lats/Nacht) haben wir einen wunderschönen Blick auf die Parkanlage. Schafe weiden auf der Wiese. Nachdem wir im Hotelrestaurant gut gespeist haben, spazieren wir durch den großzügigen, im englischen Stil angelegten Park.

Samstag, 28.05.2005 Riga

Nach einem anständigen Frühstück und einer kurzen Palastbesichtigung – herausragend ist der Kuppelsaal (angelehnt an das Pantheon in Rom) – machen wir uns auf den Weg nach Riga.

Wir parken direkt in der Altstadt. Die Parkgebühren für einen bewachten Parkplatz (0,70 – 1,00 Lats/Stunde) lassen bereits darauf schließen, dass Riga teurer ist, als wir das bisher in Lettland erlebt haben. Nahe der St. Peterkirche finden wir ein einfach ausgestattetes Hotel (Radi un Draugi, 46 Lats/Nacht).

Der historische Stadtkern von Riga wurde von der UNESCO 1997 auf die Liste des Weltkulturerbes aufgenommen. Den Altstadtrundgang beginnen wir bei der 1973 wieder aufgebauten Petrikirche, eines der besten Beispiele gotischer Architektur im Baltikum. Lohnenswert ist es, mit dem Aufzug auf den 123m hohen Kirchturm zu fahren und von der Aussichtsplattform den Blick auf die Stadt zu genießen. Unser nächstes Ziel ist die Kathedrale – die größte des Baltikums. Mehrfach zerstört und wieder aufgebaut, sind viele Architekturstile zu entdecken. Neben der schönen Backsteinfassade ist die Orgel aus dem Jahre 1884 besonders erwähnenswert. Mit 6.718 Pfeifen ist die derzeit leider eingerüstete Orgel angabegemäß die viertgrößte der Welt.

Auf dem Domplatz sitzend genießen wir bei strahlendem Sonnenschein einen Latte Macchiato. Anschließend geht es weiter zum Rathausplatz. Schon von weitem sticht uns das reichlich dekorierte, gotische ehemalige Gildehaus ins Auge. 2001 wieder aufgebaut beherbergt dieser schöne Bau heute die Touristeninfo. Vor dem Gebäude steht eine Rolandsstatue.

An der Petrikirche vorbei gehen in die Skarnu-Straße. Die St. George’s Kirche (heute Dekorationsmuseum) ist das älteste, erhaltene Steingebäude in Riga. Ein paar Gebäude weiter steht die St. John’s Kirche, die früher zur dahinter liegenden Klosteranlage gehörte.

Etwas weiter erreichen wir die nach Richard Wagner benannte Vagnera Straße. Zwei Jahre hat dieser hier gearbeitet, worauf ein Schild an der Wagner Konzerthalle hinweist.

Als nächstes erreichen wir den Liv-Platz, um den sich wunderschön restaurierte Gebäude, u.a. die Kleine und Große Gilde reihen. Am Katzenhaus – benannt nach einer auf dem Dach befindlichen schwarzen Katze – vorbei gelangen wir zum Pulverturm. Gleich dahinter stehen die sehr gut restaurierten Jakob’s Baracken. Gegenüber sind noch Reste der Stadtmauer zu erkennen, zu der auch der Pulverturm gehörte. Durch das Schwedische Tor (einst Stadttor) gelangen wir in die Aldaru Straße und biegen rechts ab in die Troksnu Straße. Malerisch reihen sich hier die restaurierten Bürgerhäuser aneinander.

Wir erreichen Saeima, das Parlamentsgebäude im Renaissance-Stil. Weiter geht es zur ältesten Kirche der Stadt, der St. Jacob’s Kirche. Von hier ist es nicht mehr weit zu den „Drei Brüdern“, bestens erhaltene Beispiele mittelalterlicher Gebäude in Riga. Nach einem kurzen Blick auf die Burg, heute Sitz des Präsidenten, beenden wir unseren Altstadtrundgang. Die Fülle der bestens restaurierten Gebäude hat uns sehr beeindruckt und gefällt uns ausgesprochen gut. Natürlich gibt es auch immer wieder Reste sowjetischer Architektureinschläge zu entdecken.

Ein Straßencafe auf dem Liv Platz lädt uns zu einer Siesta ein. Ein sehr schöner Platz, um das bunte Treiben zu beobachten. Nach dieser Stärkung machen wir uns auf zur Erkundung des östlich der Altstadt gelegenen Art Nouveau-Viertels. Der Pilsetas Kanal, der von einem schönen Grüngürtel umgeben ist, trennt die Altstadt vom Jugendstilviertel. Auf dem Brivibas (Freiheits-) Boulevard erreichen wir die Freiheitsstatue. Stündlich (unser Timing ist genau richtig) findet hier ein Wachwechsel statt. Dem Boulevard folgend kommen wir an einer russisch-orthodoxen Kirche vorbei, die von Außen leider eingerüstet ist, innen jedoch schöne Dekorationen zu bieten hat. Als nächstes steuern wir die Gertrudiskirche an und befinden uns mitten im Jugendstilviertel. Die vielen aufwändig restaurierten Häuser begeistern uns. Als besonders schöne Straßenzüge sind die Albertastraße und die Elisabethstraße zu nennen. Wunderschöne Jugendstilfassaden gibt es zu bewundern, die man in der Vielfalt wohl kaum in Wien oder Paris finden kann. Obwohl es auch noch viele unrestaurierte Gebäude gibt, ist der Gesamteindruck grandios. Das Viertel ist der absolute Kontrast zur mittelalterlichen Altstadt und gefällt uns fast noch besser.

Abends essen wir gut im Restaurant Palete (hinter dem Kloster), auch wenn die Einrichtung etwas altbacken ist und die Lifemusik nicht ewig zu ertragen ist. Inzwischen ist auf dem Liv Platz die Hölle los. Viele Straßenkünstler bieten ihr Können an. Auffällig sind die vielen Männergruppen, die hier –leider nicht mehr alle gradlinig- unterwegs sind. Diversen Anzeigen konnten wir entnehmen, dass es zahlreiche Etablissements mit leicht bekleideten Damen gibt. Als wir nach einem Cocktail zurück zum Hotel gehen, müssen wir leider feststellen, dass es auch in dieser Straße Derartiges gibt. Die Bauchtänzerin, die ihre Reize spielen lässt, stört uns nicht weiter. Trommelschläge, mit dem ein Club Besucher anzuziehen versucht, hingegen schon. Leider liegt unser Zimmer zur Straßenseite, so dass wir noch einige Zeit das Trommeln ertragen müssen, das später von dem Gegröle Besoffener abgelöst wird. Dementsprechend haben wir eine nicht sehr schlafintensive Nacht.

Sonntag, 29.05.2005 Riga Motormuseum – Gauja Nationalpark

Verständlicherweise sind wir heute etwas neben der Spur. Nach dem Frühstück verlassen wir Riga. Wir besuchen noch das außerhalb der Stadt gelegene Motormuseum, das wir mangels Ausschilderung (ca. 9km auf der Brivibas-Straße biegt hinter einem großen Einkaufszentrum – hier endet gleichzeitig die Straßenbahn – die Smerla Straße ab, die später in die Eizensteina Straße abbiegt) erst im zweiten Anlauf finden. Die Ausstellung der vielen gut erhaltenen Oldtimer ist sehr interessant, u.a. sind Wagen zu sehen, die einmal Stalin, Breschnew oder Maxim Gorki gehört haben.

Etwa 50 km von Riga entfernt erreichen wir den Gauja Nationalpark, der sich zwischen Sigulda und Cesis malerisch in einem Tal entlang des Gauja Flusses erstreckt.

Zunächst steuern wir die Turaida an. Diese teilweise wieder aufgebaute Burganlage aus rotem Backstein liegt in einer kleinen Parkanlage. Die Burg als solches finden wir weniger sehenswert. Eine Ausstellung informiert über die Geschichte der Region.

Auch unser nächstes Ziel, die Naturpfade von Ligatne, haut uns nicht um. Dieser Wildpark ist zwar nett angelegt und führt auf 5,5 km langen Pfaden an den einzelnen Gehegen vorbei. Allerdings sehen wir nur wenige Tiere. Lediglich ein paar Rothirsche, drei Wildschweine, zwei Wölfe, ein Wisent, einen Braunbär sowie einen Iltis zeigen sich. Elche, Luchse oder Füchse lassen sich nicht blicken und ein Teil der Tiere wirkt etwas verhaltensgestört.

Bedauernswerterweise ist es uns heute zu schwül für eine längere Wanderung auf einem der schön angelegten Wanderwege im Nationalpark. Bevor wir den Park wieder verlassen sehen wir uns noch Cesisan. Der Ort wurde im Krieg und auch von den Sowjets kaum zerstört, so dass man hier schöne Beispiele an alten Holz- und Steinhäusern findet. Ferner gibt es eine alte Ordensburg zu sehen.

Heute Nacht wollen wir uns mal wieder etwas Gutes tun. Westlich von Valmiera in Dikli liegt das Schlosshotel Diklu Muiza eine wunderschön restaurierte Schlossanlage im neubarocken Stil, die nach unserer persönlichen Wertung ****Sterne verdient Die unterschiedlich eingerichteten Zimmer (umgerechnet rd. 36 – 68,00 €/DZ) sind teilweise mit antiken Möbeln ausgestattet. Das Hotel ist von einer sehr gepflegten Parkanlage umgeben. Abends nutzen wir gegen Entgelt den sehr schönen, großzügigen Wellnessbereich.

Montag, 30.05.2005 Estland – Pärnu – Muhu - Saaremaa

Nach einer erholsamen Nacht und einem ausgezeichneten Frühstück fahren wir heute nach Estland. Kurz hinter Ainazi überqueren wir über die lettisch-estische Grenze – auch hier ohne Probleme. Allerdings müssen wir diesmal zusätzlich die Fahrzeugpapiere vorzeigen.

Weiter geht es nach Pärnu, ein 750 Jahre alter kleiner Kur- und Urlaubsort, beliebt wegen seines sieben Kilometer langen Sandstrandes. Bei der Durchfahrt fallen uns ein paar nette Holzhäuser und Jugendstilvillen auf.

Von Virtsu wollen wir mit der Fähre auf die Inseln Muhuund Saaremaa übersetzen. Als wir ankommen ist diese leider gerade abgefahren, so dass wir zwei Stunden totzuschlagen haben. Wir fahren in einen kleinen Weg, der uns zu einem Windpark führt. Drei Windräder stehen hier direkt an der Küste nebeneinander. Mit Blick auf die nur wenige Kilometer entfernt liegende Insel Muhu und einem kleinen Picknick vertreiben wir uns die Zeit. Die Überfahrt (ca. 10,00 € für 2 Pers. im Pkw – in der Hauptsaison fährt die Fähre stündlich) dauert etwa eine halbe Stunde.

Auf Muhu besichtigen wir zunächst die kleine Siedlung Koguva, ein Museumsdorfmit reetgedeckten Stein-Bauernhäuser. Obwohl 84 Höfe bewohnt sind (es werden Zimmer vermietet), scheint die Zeit hier stehen geblieben zu sein. Von Fortschritt keine Spur. Wir schlendern über die Dorfstraße entlang an kleinen Steinmauern und moosbewachsenen Häusern und fühlen uns um Jahrzehnte zurückversetzt.

Über eine Brücke erreichen wir Saaremaa, die größte Insel Estlands. Bevor wir zur Inselhauptstadt fahren, legen wir noch einen kurzen Abstecher in den Norden ein. In Karja gibt es eine alte Steinkirche aus dem 13. Jh. zu sehen, die u. E. aber nicht unbedingt den Abstecher wert ist. Ebenso sind die fünf hölzernen Windmühlen von Angla allenfalls aus fotografischen Aspekten sehenswert.

Spannend finden wir hingegen das 4.000 Jahre alte Meteoriten-Krater-Feld von Kaali. Der größte Krater hat einen Durchmesser von etwa 110m und ist gut als solcher zu erkennen. In der Mitte hat sich ein kleiner grüner Kratersee gebildet, der je nach Regenfall bis zu 6m tief ist.

In Kuressaare finden wir ein einfaches, wenig charmantes Hotel (Repo Vallina, 750 Kronen = € 48/Nacht). Bei einem späteren Stadtbummel müssen wir feststellen, dass es auch etwas nettere Hotels gibt, so z.B. das Hotel Vanalima, in dessen Hotelrestaurant wir zu Abend essen.

Im Stadtzentrum findet man noch eine Menge alter, gut erhaltener Stein- und Holzhäuser. Zu erwähnen ist das Weigh Haus von 1633 mit einem stufigen Giebel. In der Nähe steht eine weiße Kirche, die insbesondere durch ihren einem Leuchtturm ähnelnden Kirchturm auffällt. An der russisch-orthodoxen St. Nicholas Kirche vorbei erreichen wir die stattliche Bischofsburg. Diese ist umgeben von einem Wassergraben sowie einer dicken Befestigungsmauser. Über eine Brücke gelangt man zur monumentalen, gut erhaltenen Burg. Die quadratisch angelegte Burg wirkt mit ihren 20m hohen Mauern und zwei Türmen unbesiegbar.

Dienstag, 31.05.2005 Tallinn

Das schlechte Wetter hat uns nun leider doch noch erreicht. Für eine Erkundung des Vilsandi Nationalparks im Westen der Insel ist es heute wenig einladend, so dass wir uns direkt aufmachen nach Tallinn. Auf der Inseldurchfahrtsstraße reiht sich eine Baustelle an die nächste. Mit viel Glück erreichen wir noch die Fähre um 10 Uhr.

In Tallinnangekommen fahren wir direkt in die Altstadt zum Visu-Stadttor. Da die Altstadt nur eingeschränkt befahrbar ist, parken wir, um zu Fuß nach einem Hotel zu suchen. Heute ist dies kein Problem, erst am kommenden Wochenende ist die Stadt aufgrund des jährlich am 1. Juni-Wochenende stattfindenden Old Town Festivals ausgebucht. Das Vana Wiru Hotel liegt nahe der Klosteranlage und hat einen Parkplatz, den wir aber nur mit einer vom Hotel ausgehändigten Wegbeschreibung durch das Einbahnstraßengewirr erreichen. Das ***Hotel ist (110,00 €/DZ) für Tallinner Verhältnisse und der zentralen, ruhigen Altstadtlage eher günstig und durchaus empfehlenswert.

Die Altstadt von Tallinn wurde 1997 von der UNESCO zum Weltkultuerbe erklärt. Hier fühlt man sich beinahe ins Mittelalter zurück versetzt. Eine teilweise noch gut erhaltene Stadtmauer mit vielen Türmen umgibt den Kern. Haupteingang war früher das Stadttor Viru aus dem 15. Jh., wo wir unseren Rundgang beginnen. Wir halten uns direkt rechts und gehen ein Stück entlang der Stadtmauer, vorbei an Verkaufsständen mit regionalen Handarbeiten. Links biegen wir in die Katariina Passage, die direkt an die Klosteranlage grenzt. Hier bieten Kunsthandwerker in netten Ladenlokalen ihre Erzeugnisse an.

Das 1246 gegründete gotische Kloster – das älteste erhaltene Gebäude der Stadt – ist leider nicht zugänglich. Wir überqueren den Rathausplatz. An der Ecke befindet sich Europas älteste Apotheke. Die Raeapteek wurde 1422 eröffnet und ist nach fast 600 Jahren immer noch in Betrieb. Wir erreichen die Heilige Geist Kirche (15. Jh.), sehenswert ist die schöne an der Fassade angebrachte Uhr. Gegenüber steht die Große Gildehalle aus dem 15. Jh., die jedoch lange nicht so dekorativ ist wie selbige in Riga.

Im Beer House, einer Brauerei inmitten der Altstadt, legen wir eine kleine Siesta ein. Zu einem kleinen typischen Snack schmeckt das dunkle Gebräu hervorragend.

In der Pikk-Straße setzen wir den Rundgang fort. Hier steht das Haus der Bruderschaft der Schwarzköpfe aus dem 16. Jh. Es ist das einzige Renaissance-Gebäude in Tallinn und hat sehr schöne Türverzierungen. Die Straße endet am Großen Küstentor aus dem 16. Jh. Der ehemalige Kanonenturm “Fette Margarete“ hat vier Meter dicke Außenwände und wurde früher als Gefängnis genutzt. Linker Hand liegt die St. Olaf Kirche aus dem 13. Jh. Beeindruckend ist der zwar karg ausgestattete, durch seine Höhe von 159 Metern jedoch sehr beeindruckende Innenraum. Direkt dahinter stehen drei als „Drei Schwestern“ bekannte typische Warenhäuser aus dem 14. Jh., die ein Design Museum und ein teures Hotel beherbergen.

Die ursprünglich vier Kilometer lange Stadtmauer war drei Meter dick, 16 Meter hoch und mit insgesamt 46 Türmen ausgestattet. Hiervon sind heute noch 26 Türme auf einer Mauerlänge von zwei Kilometern zu sehen. Von der Lai-Straße biegen wir rechts in die Aida-Straße ab und sehen ein Stück der gut erhaltenen Mauer mit neun unterschiedlichen Türmen. Anschließend erreichen wir das Langbein-Stadttor (14. Jh.), das seinerzeit genutzt wurde, um die besser gestellten Bürger vom Fußvolk zu trennen. Dieses passierend erreichen wir den Burgberg Toompea und sehen schon von weitem die geschmückten Türme der russisch-orthodoxen Alexander Nevski-Kathedrale. Wir gehen rechter Hand vorbei und gelangen zu zwei Aussichtsplattformen, die einen schönen Blick auf die von der Stadtmauer eingerahmten Altstadt. Im Hintergrund sieht man den Hafen von Tallinn.

Einen Blick werfen wir in die Domkirche. Bemerkenswert ist, dass es keine einzelnen Bankreihen gibt, sondern Kabinen, in denen jeweils eine Familie Platz nimmt.

Gegenüber der russisch-orthodoxen Kirche liegt die pinkfarbene Toompea-Burg aus dem 13. Jh., die auf einer Höhe von 50m über N.N. liegt. In der nordwestlichen Ecke überragt der 48m hohe Hermann-Turm die Burg.

Über den Lühike jalg verlassen wir den Burgberg und passieren einen Teil der Stadtmauer, der einen hölzernen Vorbau besitzt. In diesen als Jungfrauenturm bekannten Vorbau wurden Prostituierte eingesperrt. Heute ist hierin ein Pub untergebracht.

Als wir an der St. Nicholas Kirche (13. Jh.) vorbei kommen, hat diese bereits geschlossen. Zudem fängt es an zu regnen, so dass wir zielstrebig den Rathausplatz ansteuern und im Cafe Rossini einen Kaffee trinken. Leider regnet es sich ein. Schade, dass wir den aus unserer Sicht schönsten Platz des Baltikums nicht richtig genießen können. Der Platz wird dominiert von dem hohen Rathaus. Um den Platz reihen sich viele schön restaurierte Häuser.

Angesichts des Regens beenden wir unseren Rundgang und ziehen uns ins Hotelzimmer zurück. Abends wagen wir nur noch den kurzen Weg zum Restaurant Klosostri Art. Ein offensichtlich ziemlich angesagtes und entsprechend gefüllter Italiener mit ganz passabler Küche.

Mittwoch, 1.6.2005 Tallinn – Lahemaa Nationalpark - Tartu

Eine Wetterbesserung ist nicht in Sicht. In Tallinn fahren wir zum Kadriorg Palast, dem Sommerpalast Peter des Großen. Ein Barockbau aus dem frühen 18. Jh., in dem heute das estische Kunstmuseum untergebracht ist. Von einem Spaziergang durch die einladend wirkende Parkanlage nehmen wir angesichts des regnerischen Wetters Abstand.

Ganz im Norden Estlands, nicht allzu weit von Tallinn entfernt, liegt der Lahemaa Nationalpark. Das „Land der Buchten“, wie Lahemaa übersetzt heißt, hat eine schöne Küstenlandschaft mit vier Halbinseln, die kleine Buchten bilden. Unser Ziel ist Käsnu. Aus der Eiszeit stammend findet man hier im Wasser und im Wald eine große Ansammlung großer Felsbrocken. Wir folgen einem kurzen Rundweg, der zunächst an der Küste entlang führt und später durch den vermoosten Wald. Wieder einmal stellen wir fest, dass es die Esten mit stringenten Wegmarkierungen offensichtlich nicht zu genau nehmen. Der auf der Karte gelb eingezeichnete Pfad wird mit grünen Markierungen in den Wald geführt. Erfreulicherweise ist es momentan trocken, so dass der kurze Spaziergang über den saftig grünen, moosbewachsenen Waldboden Spaß macht. Überall ragen Felsbrocken heraus und verleihen dem Wald eine mystische Stimmung.

Die Regenpause ist schnell vorbei. Wir verlassen den Nationalpark und fahren weiter nach Tartu, die älteste Universitätsstadt des Baltikums (370 Jahre alt). Bevor wir unsere kurze Stadtbesichtigung beginnen müssen wir zunächst ein Parkautomatproblem lösen. Aufgrund der Währungseinheit (1€ = 15 EEK) haben wir bislang keine Münzen bekommen, welche fürs Parken aber von uns abverlangt werden. Freundlicherweise wird uns in einem Buchladen – auch ohne sprachliche Verständigungsmöglichkeit – eine Banknote in Münzen eingetauscht. Der Stadtrundgang durch die 100.000 Einwohner zählende Stadt ist schnell vollbracht. Die Kleinstadt verbreitet eine ruhige, studentisch geprägte Atmosphäre. Ganz nett ist der Rathausplatz, der von neoklassizistischen Gebäuden umgeben ist. Besonders auffällig ist das lila-/orangefarbene Rathaus, vor dem ein Brunnen mit einer netten Skulptur eines beschirmten Liebespaares steht. Nördlich des Platzes liegt das ebenfalls neoklassizistische Universitätsgebäude, der Eingang wird von Kolonnaden geschmückt. Auf dem Domberg sind noch Ruinen einer Kathedrale zu sehen.

Unser nächstes Ziel liegt in der Nähe von Polva. Sechs Kilometer vor dem Ort biegen wir links nach Taevaskoja ab. Nach weiteren vier Kilometern geht es rechts ab nach Suur Taevaskoja. Vor einem alten Wasserkraftwerk und dem dazugehörigen Stausee beginnt ein kurzer Wanderweg. Der harmlos wirkende Fluss Ahja hat hier bis zu 30m hohe Sandbänke und –höhlen ausgespült. Die Sandsteinwände, die von weiß bis terracotta-rot leuchten, heben sich idyllisch von dem kleinen Flusslauf und den grünen Bäumen ab. Über zwei Brücken führt der Weg an den Sandsteinwänden vorbei..

Von Polva aus wollen wir auf der Landstraße Nr. 64 weiter nach Voru. Verwöhnt vom deutschen Schilderwald mussten wir im Baltikum schon häufiger feststellen, dass hier eher das Prinzip „weniger ist mehr“ angewandt wird. Beispielsweise werden Abzweigungen i.d.R. vorher nicht angekündigt. So passiert es nicht selten, dass man beim Vorbeifahren aus dem Augenwinkel gerade noch erkennt, wo man eigentlich hätte abbiegen wollen und kurzfristig ein Wendemanöver einleiten muss.

Wie wir erfahren müssen, wird es mit Baustellen ähnlich leger gehandhabt, jedenfalls ist die Straße für uns auf den ersten Blick nicht als solche erkennbar. Es fällt uns zwar auf, dass die Fahrbahn gerade neu gemacht wird, aber auf dem festgewalzten Sand fährt es sich nicht so viel schlechter als auf den bekannten Schotterpisten. Zudem kommt uns ein Auto entgegen, so dass wir uns nichts Böses denken. Kurz darauf wird allerdings erkenntlich, dass es wohl noch einige Wochen dauern wird, bis die Straße wieder durchgängig befahrbar sein wird, denn vor uns kippen Lkws gerade Sand ab. Darüber verwundert, dass wir weder Umleitungsschilder noch eine Baustellenabsperrung ausgemacht haben, machen wir kehrt. Genauer gesagt versuchen wir es. Beim Zurücksetzen fahren wir uns im weichen Sand fest. Mit jedem Versuch, dem Sand zu entkommen, buddeln sich die Hinterräder nur noch tiefer ein. Glücklicherweise haben die Bauarbeiter noch nicht Feierabend gemacht. Auch ohne sprachliche Verständigungsmöglichkeit ist unsere missliche Lage unverkennbar. Mangels Abschleppmöglichkeit bleibt nur, das Fahrzeug herauszuschieben. Nach ersten kontraproduktiven Versuchen, die das Fahrzeug noch weiter eingraben, kommen rettende Spaten zum Einsatz. Nachdem das Fahrzeug nun etwas freigeschaufelt wurde, gelingt die Befreiung mit viel hin und her schließlich. Für den tatkräftigen Einsatz wollen wir uns gerne erkenntlich zeigen, doch die Bauarbeiter lehnen das angebotene Geld dankend ab. Vorsichtig und nach der Devise „bloß nicht anhalten“, fahren wir den Kilometer wieder zurück und freuen uns, wieder asphaltierten Boden zu erreichen. Aus dieser Richtung kommend sehen wir nun auch das Umleitungsschild.

Mit einem etwas unguten Gefühl fahren wir später auf diversen Schotterstraßen nach Obinitsa. Wir sind nur wenige Kilometer von der höchsten Erhebung des Baltikums, dem 318 m hohen Suur Muna magi sowie von der Grenze zu Russland entfernt. Dementsprechend ist die Landschaft hier etwas hügeliger. Von Obinits führt eine Straße zu den Sandhöhlen von Piusa. Zwischen 1922 und 1970 wurden diese Höhlen durch Quarzsandabbau, der von der Glasindustrie benötigt wurde, geschaffen. Das Gebiet wurde 1999 unter Naturschutz gestellt. In den Höhlen haben sich Fledermäuse angesiedelt, heute eine der größten Kolonien im Baltikum. Die Höhlen sind frei zugänglich. Von den Fledermäusen können wir allerdings nichts erkennen, aber die Atmosphäre beim Durchlaufen der Höhle ist toll. Wie Säulen einer Kathedrale, die in Rundbögen zusammenlaufen, wirken die verbliebenen Sandsteinstelzen. Mangels einer Taschenlampe wagen wir uns allerdings nicht allzu weit hinein. Hinter der Höhle führt ein Weg zu einer großen Sanddüne, die sich entlang des Waldrandes in der Sonne leuchtend erstreckt.

Damit verlassen wir Estland und passieren bei Aluksne erneut problemlos die estisch-lettische Grenze.

Um den grauen Tag noch etwas aufzuhellen, haben wir uns für die Übernachtung eine Villa aus dem 18. Jh. ausgesucht. In der Nähe von Cesvaine, mitten in einem ländlichen Gebiet und umgeben von einem gepflegten Park liegt das Hotel Grasu Pils. Dieses ist zwar wesentlich einfacher ausgestattet als die bisherigen „königlichen“ Hotels, aber trotzdem ausgesprochen charmant.

Donnerstag, 2.6.2005 Dzukijos Nationalpark - Gruto Parkas

Das Wetter ist uns noch immer nicht ganz wohl gesonnen. Nachdem wir uns noch von Außen das Schloss Cesvaine angesehen haben, wollen wir heute „Strecke“ machen.

In Daugavpils legen wir einen Tank- und Einkaufsstopp ein. Die verbliebenen estischen Kronen tauschen wir hierfür in Lats um. Bei Zarasai passieren wir die lettisch-litauische Grenze und suchen uns an einem idyllisch gelegenen See einen netten Picknickplatz – glücklicherweise erwischen wir hierbei ein Sonnenloch.

Gestärkt geht es weiter über Vilnius bis ganz in den Süden Litauens zum Dzukijos Nationalpark. Viele Übernachtungsmöglichkeiten gibt es direkt im Park nicht, so dass wir uns in Druskininkai ein Hotel suchen. Den verbleibenden Nachmittag verbringen wir mit einem Besuch des fünf Kilometer nördlich gelegenen Gruto Parkas. In einer nett angelegten Parkanlage wurde ein Sowjet-Skulpturen-Museum eingerichtet. Hierfür wurden aus vielen Städten und Dörfern Litauens die Monumente der Sowjetzeit demontiert und hier wieder aufgebaut. Eine gut gemachte Ausstellung informiert über die Besatzungsgeschichte. Die Marschmusik-Beschallung aus nachgestellten Wachtürmen unterstreicht die skurrile Atmosphäre.

Freitag, 3.6.2005 Polen – Wolfsschanze - Marienburg

Leider fehlt uns die Zeit für eine Wanderung im Nationalpark und auch das Wetter spielt nicht ganz mit. Zudem mussten wir uns inzwischen eingestehen, dass sich die Natur hier nicht so wesentlich von der deutschen unterscheidet. Kurz hinter Lazdijai fahren wir über die litauisch-polnische Grenze und verlassen damit das Baltikum./p>

Im Masurengebiet kommen wir an vielen schönen, unberührten Seen vorbei. Unser Ziel ist Gierloz (bei Ketrzyn) wo wir das unter dem Namen „Wolfsschanze“ bekannte ehemalige Führerhauptquartier(FHQ) besichtigen. Im Herbst 1940 begann der Bau. Der Rastenburger Stadtwald wurde aufgrund seiner strategisch guten Lage hierfür auserwählt. Zum einen durch die Nähe zur Sowjetunion und der natürlichen Sperre der masurischen Seenplatte im Osten, aber auch aufgrund einer vorhandenen Eisenbahnlinie und dem Schutz des sumpfigen Waldes. Auf 2,5 qkm war die Wolfsschanze eine kleine Stadt für sich. Über 80 Gebäude wurden hier erbaut, davon acht der schwersten Luftschutzbunker mit 5-8m dicken Stahlbetonwänden. Darüber hinaus gab es mehrere kleinere Bunker mit zwei Meter dicken Wänden, eine Post- und Kurierstelle, Wirtschaftsbaracken, Wasserreservoire und nicht zu vergessen zwei Flugplätze. Das FHQ war von 100 – 150m breiten und insgesamt 10 km langen Minenfeldern umgeben, die Entminungsarbeiten der über 54.000 Minen nach dem Krieg dauerte 10 Jahre.

Hitler hielt sich vom 24.06.1941 (zwei Tage nach Kriegsbeginn mit der Sowjetunion) bis zum 20.11.1944 hauptsächlich hier auf. Als die Rote Armee am 24.01.1945 in Angarburg einmarschierte, sprengten deutsche Pioniere alle Objekte in die Luft. Eine Gedenktafel erinnert an das hier erfolglos ausgeführte Attentat Stauffenbergs vom 20.07.1944.

Obwohl nur noch Ruinen stehen, ist diese geschichtsträchtige Stätte sehr beeindruckend und auch ziemlich beklemmend.

Eine Fahrt auf dem Elblag-Osteroda-Kanal passt leider nicht mehr in unseren Zeitplan. Ein Höhenunterschied von 99,5m wird mit fünf Wasserrutschen überbrückt, wobei die Boote auf Trolleys geladen werden und nach dem Prinzip einer Seilbahn über Land gezogen werden. In Buczyniec kann man zwischen 12:00 h und 14:00 h das Schauspiel beobachten – auch dafür sind wir leider zu spät.

Eine Überraschung erleben wir, als wir durch Swieta Lipka fahren und unerwartet an einer imposanten, zweitürmigen Barockkirche vorbeikommen. Natürlich legen wir einen Besichtigungsstopp ein und passieren das schöne schmiedeeiserne Eingangstor. Im Inneren fällt uns zunächst die bemalte Decke und der 19m hohe Altar auf. Auch die dekorative Orgel mit über 5.000 Pfeifen ist sehenswert. Seit über 300 Jahren pilgern die Gläubigen zu dieser Wallfahrtskirche, deren Geschichte im 14. Jh. beginnt. Einem im Gefängnis sitzenden Verbrecher erschien in der Nacht vor der Verhandlung die Mutter Gottes. Von ihr bekam er ein Stück Holz, aus dem er über Nacht ihr Abbild schnitzte. Als er das Bild am nächsten Tag den Richtern zeigte, sprachen diese ihn frei, da sie den Segen Marias sahen. Auf dem Weg nach Reszel ließ er das Holzstück an einer Linde fallen, wo die heutige Basilika steht. Kurze Zeit später ereigneten sich an dieser Stelle zahlreiche Wunder, was dazu führte, dass an der Linde eine Kapelle errichtet wurde. Der Bau der heutigen Basilika wurde im Jahre 1687 begonnen und dauerte bis 1693. Die Kirche wurde erst durch Papst Johannes Paul II. im Jahre 1983 zur Basilika geweiht.

Unser Tagesziel ist Marienburg(Malbork). Gerne hätten wir im Burghotel übernachtet, aber dieses ist, wahrscheinlich aufgrund des an diesem Wochenende hier stattfindenden mittelalterlichen Festes, ausgebucht. Immerhin finden wir nach mehreren Anläufen noch ein einfaches Hotel in Fußnähe zur Burg.

Einen wunderschönen Blick auf die bombastische Marienburg haben wir vom anderen Ufer des Flusses Nogat. Vom Abendlicht wird die Burg wunderschön angestrahlt und leuchtet rot. Viele mittelalterlich gekleidete Musiker tummeln sich in der Burganlage. Vor der Burg ist eine Bühne aufgebaut, wo mittelalterlichen Konzerte stattfinden.

Erfreulicherweise bekommen wir immerhin einen Tisch im Burgrestaurant.

Samstag, 04.06.2005 Marienburg – Chelmno - Thorn – Berlin

Heute steht zunächst die Besichtigung der Marienburgan. Diese wurde im Zweiten Weltkrieg zu 50 Prozent zerstört. Zum größten Teil wurde sie inzwischen wieder aufgebaut und 1997 von der UNESCO zum Weltkulturerbe ernannt.

Die Marienburg gilt als das größte Backsteinschloss der Welt. Bereits im 13. Jh. wurde durch den Deutschen Orden mit dem Bau eines viereckigen Kastells begonnen. Im 14. Jh. wurde die Anlage erweitert. Es entstand eine uneinnehmbare Festung, die von Ringmauern umgeben ist. Die für die Wehrhaftigkeit neuralgischen Punkte, wie beispielsweise Tore und Durchgänge, waren mit allen im Mittelalter bekannten Schutzvorrichtungen wie Fallgatter, Torzwinger, Pechnasen oder Schießscharten versehen.

Leider ist der Zugang zu den Räumen nur im Rahmen einer Führung möglich. Wir erstehen zwei Tickets und gehen in den Innenhof des Schlosses, der gleichzeitig ein Gruppensammelplatz ist. Er werden zwar regelmäßig Führungen in unterschiedlichen Sprachversionen durchgeführt, doch wir versuchen den Tipp unseres Reiseführers zu folgen, uns einer Reisegruppe anzuschließen. Am Vorabend hatten wir im Burgrestaurant mitbekommen, wie sich eine deutsche Reisegruppe für 9 Uhr hier verabredet hat. Diese treffen wir hier nun wieder. Der Reiseleiter, den wir ansprechen, erlaubt uns freundlicherweise, dass wir uns der Gruppe anschließen.

Die Anlage der Marienburg umfasst das Mittel- und das Hochschloss sowie den Hochmeisterpalast. Die eineinhalbstündige Führung beginnt im Mittelschloss. Über eine hölzerne Zugbrücke erreichen wir das Hochschloss.

Das Schloss ist mit einer Art Fußbodenheizung ausgestattet. Diese funktioniert so, dass in einem im Keller befindlichen Heizraum Feuer gemacht wurde und die warme Luft über Rohre transportiert wurde. Die Temperaturregelung erfolgte durch im Fußboden angebrachte Deckel, die je nach Bedarf abgenommen oder verschlossen werden konnten.

Am äußeren Ende der Anlage gab es sogar einen Toilettenturm. Da man schon mal die Orientierung verlieren konnte, findet man an den Wänden lustig ausschauende kleine Figuren, die als Wegweiser dienten.

Es sind weniger die Ausstellungen, wie beispielsweise eine Bernsteinsammlung, Porzellan, Kleidung, Möbel, Waffen oder eine Glasfensterproduktion, die den Reiz ausmachen, als vielmehr die imposante Gebäudeanlage. Neben dem Kreuzgang gefällt uns besonders gut der Hochmeisterpalast mit seinen Gemächern sowie der Rittersaal

Nun fahren wir weiter Richtung Süden. Einen kleinen Zwischenstopp legen wir in verschlafenen, mittelalterlichen Stadt Chelmno(Helmo)ein. Ganz nett sind das Rathaus sowie einige Häuser aus rotem Backstein.

Viel besser gefällt uns Torun(Thorn), seit 1997 von der UNESCO in die Liste des Weltkulturerbes aufgenommen. Durch ihre Lage am Weichselufer gehörte sie einst zu einem der wichtigsten Handelszentren.

Am Rathausmarkt beginnen wir unseren Rundgang. Schön ist die prachtvolle Fassade des Hauses zum Stern - ein Blick hinein auf die geschnitzte Wendeltreppe lohnt sich. Besonders sehenswert ist das altstädtische Rathaus mit dem davor stehendenKopernikusdenkmal. Vis-a-vis steht der Artushof – ein imposantes Neurenaissance-Gebäude. Schon von weitem fällt der hohe Turm der spätbarocken, dreischiffigen Heilig-Geist-Kirche auf. Etwas dahinter befindet sich der gotische Backsteinbau der Marienkirche, die ein sehr schönes Sterngewölbe hat.

Als nächstes erreichen wir die Kopernika-Straße. Zwei gotische Häuser fallen besonders auf. In einem, dem heutigen Kopernikusmuseum, wurde angeblich am 19.02.1473 Nikolaus Kopernikus geboren. Ganz in der Nähe befindet sich die älteste Kirche Toruns, die Kirche des hl. Johannes – ein imposanter Backsteinbau der leider derzeit geschlossen ist.

Weiter geht es zum Dambski-Palais, das ebenfalls eine ausgesprochen schöne Fassade hat. Nun gelangen wir an das Weichselufer. Hier sind noch Reste der Stadtmauer mit einigen erhalten Toren und Türmen (Schiefer Turm, Seglertor, Brückentor) zu sehen. Nicht weit entfernt erreichen wir die Ruinen der Deutschordenburg. Die Stadt gefällt uns sehr gut, doch leider müssen wir schon wieder weiter. 

Eigentlich hatten wir uns vorgenommen, heute noch bis nach Posen (Poznan) zu fahren und dort zu übernachten. Nachdem wir mehrfach großräumig die Altstadt umrundet habe, ohne uns dieser richtig zu nähern, schwindet unsere Lust auf eine weitere Besichtigung. Wir rechnen uns aus, dass wir gut drei Stunden für die Rückfahrt nach Berlin benötigen. Kurz entschlossen treten wir daher direkt die Rückreise an und beenden etwas abrupt den Urlaub einen Tag früher als geplant. Immerhin bringt uns dies einen ganzen Tag, um uns vom Urlaub zu erholen. 

Resümierend stellen wir fest, dass der Urlaub anstrengender war, als wir es letztendlich erwartet hatten. Obwohl wir uns auf die Fahrerei und die schlechten Straßenverhältnisse gedanklich eingestellt hatten, stecken und die knapp 5.500 km ganz schön in den Knochen und wir könnten uns gut vorstellen, jetzt eine Woche zu relaxen und uns vom Urlaub zu erholen. Nichtsdestotrotz würden wir jedem Baltikum-Interessierten empfehlen, sich nicht nur die Hauptstädte anzusehen. Der Unterschied zwischen diesen reichen, westeuropäisch geprägten Städten und dem Landleben ist groß. Und natürlich gibt es eine Menge unberührter Natur (15.000 Flüsse und Bäche, über 7.000 Seen) zu entdecken.

Na, Lust auf einen Städtetrip bekommen? In der JoinMyTrip Community findest du bestimmt einen Städtereise Reisepartner.

Reiseroute
Tag 1 Berlin – Danzig Polen
Tag 2 Danzig – Vilnius
Tag 3 Vilnius – Europa Park
Tag 4 Vilnius – Trakai – Kaunas – Klaipeda – Kurische Nehrung/Nida
Tag 5 Kurische Nehrung/Parnidis-Düne - Nida
Tag 6 Juodkrante – Klaipeda – Pape-See – Kalinski – Kuldiga – Kosrag/Sliteres
Tag 7 Sliteres Nationalpark – Rundale
Tag 8 Riga
Tag 9 Riga Motormuseum – Gauja Nationalpark
Tag 10 Pärnu – Muhu - Saaremaa
Tag 11 Tallinn
Tag 12 Tallinn – Lahemaa Nationalpark - Tartu
Tag 13 Dzukijos Nationalpark - Gruto Parkas
Tag 14 Wolfsschanze - Marienburg Polen
Tag 15 Marienburg – Chelmno - Thorn – Berlin

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