Reisebericht Alaska

von sfintu am 23.05.2019

Bärenhunger auf Lachs

Bären sind die ungekrönten Könige der Tierwelt Alaskas. Zu den schönsten Naturerlebnissen gehört deshalb das bear watching auf der Katmai-Halbinsel im Südwesten. Das riesige unbewohnte Gebiet ist nur mit dem Boot oder dem Wasserflugzeug erreichbar. Dort gibt es unzählige große und kleine Flüsse, in denen Millionen von Lachsen zu ihren Laichplätzen schwimmen. Ein Schlaraffenland für Meister Petz, der hier fette Beute machen und seinen Bärenhunger stillen kann.


Die Fischgründen der Katmai-Bären

In Homer auf der benachbarten Kenai-Halbinsel werden geführte Touren zu den Fischgründen der Katmai-Bären angeboten. Klassiker dabei ist der Flug nach Brooks Camp, wo im Juli und September teils Hunderte Menschen auf einer Flussbrücke stehen und den Bären beim Fischen zuschauen. Es geht aber auch individueller: Emerald Air Service fliegt kleine Gruppen von Touristen während der gesamten Saison über da hin, wo die Bären gerade sind. Denn sie wandern umher und Emerald mit ihnen. Wegen des großen logistischen Aufwands ist bear watching auf Katmai ein teurer Spaß – es kann 600 Dollar und mehr kosten. Aber kaum irgendwo sonst gewährt Alaska so faszinierende Einblicke in seine Tierwelt.

Mit einem Wasserflugzeug starten wir vom Beluga Lake in Homer. Wir überqueren die Meeresbucht Cook Inlet, rechter Hand zwei schneebedeckte Vulkane. Nach gut einer Stunde erreichen wir die Katmai-Halbinsel. Unser Pilot legt eine butterweiche Landung hin.

Schon beim Aussteigen sehen wir unseren ersten Bär. Trotz der Entfernung von rund hundert Metern erkennen wir, dass es sich um einen ziemlich großen Burschen handelt, größer noch als die Grizzlys, die wir im Denali-Nationalpark gesehen haben.

Braunbären

"Die Bären, die wir heute sehen werden, sind Braunbären", sagt Dave Bachrach, unser Guide. "Zu den Grizzlys im Denali-Nationalpark gibt es keinen genetischen Unterschied, aber sie sind größer, weil sie sich von Lachsen ernähren. Im Denali gibt's keine Lachse."

Unser pelziger Freund durchkämmt gerade das Gestrüpp nach süßen Früchtchen, denn Bären ernähren sich auch von Beeren, nicht nur von Lachsen. Da Eiweiß und Fett, hier Kohlenhydrate – so ausgewogen, als hätten sie ihren eigenen Ernährungsberater. Der Mensch allerdings, versichert Dave, steht nicht auf ihrem Speiseplan. Deswegen hat unser Guide auch kein Gewehr dabei.

"Braunbären greifen nur an, um sich zu verteidigen – wenn wir sie überraschen oder erschrecken. Hier draußen in der offenen Tundralandschaft können wir sie beobachten, und sie können uns sehen und riechen aus angemessener Entfernung. Hier wissen sie schon, dass wir da sind."

Wir sollen allerdings immer als Gruppe zusammenbleiben, wenn wir in ihrer Nähe sind, keine hastigen Bewegungen machen und beim Fotografieren nicht blitzen.

Die Kameras sind ab sofort im Dauerbetrieb. Denn Bären gibt es hier im Überfluss. Von einer Anhöhe über dem Moraine Creek können wir sie aus kaum 20 Meter Entfernung beobachten. Zwei junge Bären balgen sich um einen Lachs, der Sieger schleppt seine Beute ans Ufer und verschlingt den noch zappelnden Fisch vor unseren Augen. Dabei ist er so gierig auf sein Frühstück, dass er von uns überhaupt keine Notiz nimmt. Ebenso wie alle anderen Bären, denen wir im Laufe des Tages immer dichter auf den Pelz rücken.

"It is really marvellous. So many bears and so little people. And such a huge country. It is very special." 

Es ist fantastisch, meint diese Tour-Teilnehmerin. So viele Bären und so wenig Menschen. Dazu so ein weites Land – etwas ganz Besonderes. Und eine andere Dame findet es erheiternd, so nah bei ihnen zu sein, ohne sich gegenseitig zu stören.

"It was exhilarating. To be so close to them, stand side by side without bothering each other."

Doch ein ein solches Refugium für Bären ist auch in Alaska keine Selbstverständlichkeit mehr. Der Mensch engt den Lebensraum der Tiere zusehends ein. Unser Tourguide, ein engagierter Naturschützer, macht sich deshalb so seine Gedanken:

"Sie sind eine Indikator-Art", sagt Dave. "In Kalifornien gab's mal 10.000 Grizzlys, der einzige, der noch übrig geblieben ist, ist der auf der kalifornischen Flagge. Bären sind sehr leicht auszurotten, sie vermehren sich sehr langsam, sie brauchen viel Nahrung, und es ist sehr leicht für uns Menschen, ihnen das alles wegzunehmen."

Drum will er die Bären besser schützen, aber das ist leichter gesagt als getan. Selbst hier im Schutzgebiet der Katmai National Preserve ist das Jagen mit Einschränkungen erlaubt. Und weil die Jagd zu den beliebtesten "Sport"-Arten der Amerikaner gehört, hat Dave Bachrach wenig Hoffnung, dass sich die Naturschützer eines Tages Gehör verschaffen und die Bärenjagd verboten wird.

sfintu

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