Reisebericht Havanna

von berndscheuermann am 30.06.2020

Die etwas andere Stadtführung

In diesem Reisebericht erfährst du wie ein einfacher Städtetrip zu einer kulturellen Reise wird. Eine atemberaubend schöne Stadt, die nicht nur eine reiche Kultur, sondern auch unglaublich herzliche Menschen bietet.


Vom Flughafen nahm ich ein Taxi in die Altstadt von Havanna. Der alte Cadillac gehörte eigentlich ins Museum, und als ich ausstieg, fühlte ich mich in eine längst vergangene Epoche zurückversetzt. Hier schien die Zeit stehen geblieben zu sein. Vor mir stand das Capitol, eine exakte Kopie des amerikanischen Parlamentsgebäudes in Washington. In langen Reihen parkten die Straßenkreuzer, so als würden sie noch immer auf die Unterwelt warten, die vor der kubanischen Revolution, die Stadt mit Glücksspiel und Prostitution in ihren Händen hielt. Ein Mann fotografierte ein Brautpaar mit einer alten Lochkamera. Ich stand etwas verloren herum, als mich eine Frau ansprach und mich fragte, ob ich eine casa particular suche. Sie nahm mich mit in ihr Haus, wo sie gemeinsam mit ihrer Mutter lebte. Das Haus war nicht gerade sehr gemütlich. Im Wohnzimmer stand ein Sofa vor kahlen Betonwänden und eine Treppe führte in den ersten Stock. Mein Zimmer gefiel mir aber. Das Bett war so groß, das zwischen Bett und Wand kaum Platz war zum umdrehen. Sie meinte das Chicas kein Problem wären und ich begann meinen Rucksack auszupacken. Was sie damit meinte wurde mir in den nächsten Tagen klar.

Vor dem Hotel Inglesia setzte ich mich in ein Cafe und ließ die Bilder von Havanna auf mich einwirken. Nebenan saß eine Frau mit langen, schwarzem Haaren, die zu einem Pferdeschwanz zusammengebunden waren. Ich lud sie auf einen Cafe ein und als lange Zeit niemand kam, um die Bestellung aufzunehmen, ging ich hinein. Da ich sie nicht kannte nahm ich meinen Tagesrucksack mit. Nachdem ich zurück war stand sie auf, öffnete ihre Tasche, drehte sie um und kippte den Inhalt auf den Tisch. Sie kniff ihre Augenbrauen zusammen, was ihrem schmalen Gesicht eine unwiderstehliche Strenge gab, und sagte, sie müsse sich kurz die Nase pudern. Das spanische Temperament spiegelte sich in ihren Augen wieder. Als sie zurück kam, sammelte sie ihre Sachen ein und wir gingen in die La Bodeguita del Medio Bar.

Die berühmte Bar

Die Bar war berühmt, weil bereits Hemingway, Che Guevara und Salvador Allende hier gesoffen haben. An den Wänden waren überall Bilder von den berühmten Gästen. Ich bestellte zwei Mojito und betrachtete die alte Holzvertäfelung hinter der Bar.

“Woher kommst du?”

“Ich bin aus Santiago de Cuba”, erzählte sie.

“Dann wohnst du ja ganz in der nähe von Guantanamo! Warst du schon mal dort?”

“Nein! Die Amerikaner haben auf Guantanamo eine Militärbasis, aber sie können diesen Ort nicht verlassen. Sie können auch nicht aus den USA nach Kuba fliegen. Sie haben uns seit

Jahrzehnten mit einem Wirtschafsboykott belegt. Nur weil wir frei und unabhängig sein wollten. Die Amerikaner sind wie Kinder. Wenn man ihnen ihr Spielzeug wegnimmt, sind sie beleidigt.”

“Bist du spanischer Abstammung?” Fragte ich.

“Ja! Mein Stammbaum hat Wurzeln in Spanien. Aber drehe dich mal um. Schau dir mal die Frauen da auf der Treppe an. Die blonde Frau mit der dunklen Hautfarbe. Die Mulattin mit den blauen Augen. Sind sie nicht wunderschön. Auf Kuba gibt es wenig Rassismus.”

Wir verabredeten uns am nächsten Tag da, wo wir uns kennen gelernt hatten.

“Was willst du heute machen”, fragte sie mich

“Einkaufen!”

“Was willst du einkaufen”, erkundigte sie sich verwundert.

“Quark, Kakao und ein Klebeband ”

Nach kurzem Schweigen stieß sie hervor: “Unmöglich! Das bekommst du hier nicht. Die Leute sind froh, wenn sie Grundnahrungsmittel bekommen und du willst Quark kaufen. Ich weiß nicht einmal, ob es überhaupt Kühe auf Kuba gibt”, überlegte sie.

Wir gingen in eines der Geschäfte. Die Vitrinen waren wirklich fast leer und das was es gab wurde nur gegen Dollar verkauft.

“Haben sie...?”

“Nein!”

“Haben sie Quark und Kakao?”

Sie drehte sich um und zog eine kleine Papiertüte aus dem Regal.

“Zwei Dollar!”

Wir fuhren mit dem Camel zur Plaza de la Revolucion. Die Busse in Havanna werden

Camel genannt, weil es umgebaute Lastwagen sind, die vorne und hinten einen Höcker haben. Auf der Tribüne der Plaza nahm ich da Platz, wo Castro immer seine stundenlangen Reden an die Bevölkerung hielt.

“Wir müssen noch Quark kaufen! .”

“Natürlich, wir müssen noch Quark kaufen. Da vorne ist die Parteizentrale. Wir können ja reingehen und Castro fragen, wo wir Quark bekommen können”, scherzte sie. Dabei legte sie ihre Hände in die Hüften und sah mich mit glänzenden Augen an. “Wollen wir gehen oder willst du noch eine Rede halten.”

Nicht weit davon entfernt, gab es einen Markt, wo Bauern ihre Produkte anboten. Dieses Zugeständnis an den Kapitalismus war unvermeidlich, um die Versorgung der Bevölkerung aufrechtzuerhalten. Sie fand tatsächlich jemanden, der so etwas, wie Quark verkaufte. Mit dem Finger probierte sie davon. Aber eigentlich berührte sie nur ihre Lippen, während ihr großer, runder Ohrring sich hin- und herbewegte.

“Quark”, sagte sie.

“Jetzt brauchen wir nur noch ein Klebeband.”

“Ich kenne einen Laden am Malecon, der Kartonagen herstellt. Der könnte so etwas haben.”

Die Uferpromenade von Havanna ist immer bevölkert von Leuten die fischen, schwimmen oder flanieren. Die alten Bürgerhäuser sind zwar in einem baufälligen Zustand, manchmal steht nur noch die Fassade, aber das tut der Magie keinen Abbruch. Wir liefen bis zum Hotel Nacional, wo sich unter der Diktatur Baptistas, die Gangster die Klinke in die Hand gaben. Wir fanden den Laden und bekamen unser Klebeband.

“Kuba ist ein armes Land. Aber hier gibt es viel Liebe und Lebensfreunde.”

“Ja!” bestätigte ich sie

“Kubanerinnen sind schön, mutig und intelligent”, sagte sie voller Selbstbewusstsein.

“Ok!”

“Wir lieben dieses Land”, sagte sie und setzte hinzu: “Du hörst wenigstens zu. Weil du jeden Satz von mir bestätigst. Kubaner hören nie zu.”

Sie schob ihre Hand unter meinen Arm und wir liefen durch die Altstadt von Havanna nach Hause.

In meinem Zimmer warf sie sich auf das Bett und legte den Quark, Kakao und das Klebeband neben sich. “Das war schön mit dir einzukaufen”, sagte sie und schob die Sachen mit dem Ellenbogen vom Bett.

Ich blieb noch einige Tage in Havanna. Der Ärger begann, als meine Vermieterin die fünfzehn Dollar, die ich ihr pro Nacht bezahlte, in Schönheitsreparaturen des Hauses steckte. Zuerst wurde das Wohnzimmer renoviert und mit Stützpfeilern so verstellt, das man kaum noch ins Haus kam. Dann wurde das Obergeschoss ausgebaut, vorzugsweise dann, wenn ich schlafen wollte. Und schließlich wurde ich aus meinem Zimmer ausquartiert und musste in der Küche schlafen.

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berndscheuermann

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